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Senioren aus dem Verkehr ziehen?

Alte Debatte neu entfacht: Sollen Ärzte mangelnde Fahrtauglichkeit melden müssen?

Ein älterer Mann fährt Auto
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Sollen Ärzte ihre Patienten melden müssen, wenn sie diese für fahruntauglich halten?
  • Isabella Schweiger
    VonIsabella Schweiger
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Eine alte Debatte wird derzeit neu entfacht: Da in Deutschland immer mehr ältere Menschen leben, wird nun auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar von Experten diskutiert, ob es in Deutschland Pflicht werden soll, dass Ärzte fahruntaugliche Personen den Behörden melden.

Goslar - Ein sensibles Thema hat es auf die Tagesordnung des Verkehrsgerichtstags in Goslar geschafft. Dort diskutieren ab Mittwoch führende Verkehrsexperten in Deutschland unter anderem, ob eine Meldepflicht eingeführt werden soll, die Ärzten vorschreibt, fahruntüchtige Patienten zu melden. Vornehmlich würde dies vermutlich vor allem Senioren betreffen.

Automobilverbände haben sich bereits dagegen ausgesprochen. Schon vor dem Experten-Treffen in Goslar lehnte zum Beispiel der Automobilclub von Deutschland (AVD) den Vorstoß ab und berief sich auf bereits bestehende Gesetze. So hätten Ärzte schon jetzt die Möglichkeit, fahrungeeignete Personen den Behörden zu melden, wenn sie „Gefahr in Verzug“ feststellen. Der AVD bezieht sich dabei auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 1968. Hier dürfen Ärzte in Ausnahmefällen die Schweigepflicht brechen. Dazu müssen sie zuerst den Patienten über seine Erkrankung und die damit verbundenen Gefahren des Autofahrens aufklären. Laut AVD vollkommen ausreichend, dennoch befürwortet der Automobilclub regelmäßige, freiwillige Seh- und Reaktionstests oder auch PKW-Sicherheitstrainings.

Verbände gegen eine Meldepflicht

Auch der ADAC steht dem Vorschlag ablehnend gegenüber und befürchtet, dass eine Meldepflicht das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten stark gefährden würde und im Zweifel dazu führt, „dass diese eine behandlungsbedürftige Beeinträchtigung aus Angst vor dem Führerscheinverlust nicht offen schildern“.

Nur Hör- und Sehtests sind nicht ausreichend

Der Vorschlag des ADAC wäre deshalb, eine Stelle für verkehrsmedizinische Fragen zu schaffen, bei der sich Patienten eine zweite Meinung einholen können. Auch die Knüpfung der Fahrerlaubnis an regelmäßige Untersuchungen lehnt der Automobilclub ab. „Was sollte dabei geprüft werden? Hör- und Sehtests würden nicht ausreichen“, sagte der Leiter der juristischen Zentrale beim ADAC, Markus Schäpe. Es müssten weitere Eigenschaften wie Konzentrationsvermögen oder Reaktionsgeschwindigkeit komplex untersucht werden. In Italien, wo es ein derartiges System bereits gibt, sind Senioren nicht weniger an Unfällen beteiligt als in Deutschland.

Untersuchungen zeigten zudem, dass viele ältere Autofahrer in der Lage sind, auftretende Leistungseinbußen auszugleichen - etwa durch vorsichtigeres Fahren oder Verzicht auf das Fahren bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter. In der Statistik sind Senioren demnach an Verkehrsunfällen unterproportional beteiligt.

Sind Senioren die schlechteren oder besseren Autofahrer?

Laut einer Studie des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) aus dem Jahr 2020 sind Senioren ab dem Alter von 70 Jahren bei Verkehrsunfällen mit Personenschaden seltener als jüngere Altersgruppen beteiligt. Allerdings sind sie im Falle eines Unfalls häufiger schwer verletzt oder tödlich verunglückt.

Eine Studie des Europäischen Verkehrssicherheitsrats (ETSC) aus dem Jahr 2018 ergab, dass ältere Menschen (65 Jahre und älter) eine höhere Unfallrate aufweisen als jüngere Altersgruppen, insbesondere bei Tag und auf Straßen in Wohngebieten. Es gibt jedoch auch Untersuchungen die zeigen, dass ältere Autofahrer überdurchschnittlich vorsichtig fahren und selten alkoholisiert unterwegs sind.

Sich selbst überprüfen

Der ADAC rät grundsätzlich allen Autofahrern, unabhängig vom Alter seine Fähigkeiten selbstkritisch zu hinterfragen. Eine sehr gute Wahrnehmung, ein schnelles Reaktionsvermögen und ausdauernde Aufmerksamkeit sind Grundvoraussetzungen für eine sichere Verkehrsteilnahme. Wenn hier in irgendeiner Weise Veränderungen auftreten, sollte man diese mit seinem Arzt besprechen.

Schickt uns Eure Leserbriefe

Wie steht Ihr dazu? Sollen Ärzte künftig ihre Patienten an die Behörden melden, wenn sie meinen dass diese fahruntauglich sind, oder verstößt das eindeutig gegen die Schweigepflicht? Sind ältere Menschen eine Gefahr im Straßenverkehr und sollten zu medizinischen Tests?

Schreibt uns Eure Meinung an leserbriefe@ovb24.de (Stichwort AutofahrenBitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort – und am besten auch ein Foto von Euch. Die Redaktion veröffentlicht Eure Leserbriefe samt Namen und Wohnort anschließend in einem entsprechenden Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

si/dpa

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