STAUFLÜCHTLINGE VERÄRGERN ANWOHNER AM WALSERBERG

Der Ärger mit dem Grenzverkehr

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Kein Durchkommen soll es für Stauflüchtlinge künftig im Grenzort Wals geben. Foto: Hudelist

Den Walsern reicht es. Die Bewohner der Gemeinde auf der österreichischen Seite des Grenzübergangs am Walserberg klagen über den Verkehr im Ort. Wegen der deutschen Grenzkontrollen und des damit verbundenen Staus fahren viele Autofahrer durch den Ort. Jetzt wird gesperrt.

von Michael Hudelist

Wals-Siezenheim – „Wals ist im Aufstand“ titelte eine Boulevardzeitung voreilig über eine geplante Demo gegen Stauflüchtlinge. Da sich aber nur rund 100 Walser an der Kundgebung gegen den Schleichverkehr durch ihren Ort beteiligten, wäre der Ausdruck „Zwergen-Aufstand“ treffender gewesen. Tatsächlich hatten die Organisatoren auch Pech: Der übliche 15Kilometer-Stau vor dem Walserberg und damit der Ausweichverkehr durch den Ort fiel ausgerechnet während der Demo am Samstag wegen eines Unfalls und einer Vollsperrung auf der A 8 aus.

Wenige Stunden vor der Demo war der Ausweichverkehr in Wals-Siezenheim zu beobachten. Vor dem Autobahnknoten Salzburg riet das Navi den Rückreisenden: „Fahre Richtung Wien auf die A 1, dann über die Ausfahrt Salzburg-West zum Grenzübergang Walserberg-Bundesstraße.“ Unmittelbar nach diesem Grenzübergang führt eine Auffahrt zurück auf die A 8, unmittelbar an den Grenzkontrollen vorbei.

Auf dem Weg zum Bundesstraßen-Grenzübergang verschlägt es viele Urlauber aber in den Walser Ortsteilen Viehhausen und Gois. „Es ist nicht mehr zum Aushalten“, so eine Anrainerin. „Es ist in diesem Sommer viel schlimmer als im letzten Jahr.“

Bürgermeister Joachim Maislinger kann es sich nur mit dem stärker gewordenen Reiseverkehr erklären. „Eine Kolonne an Wohnwagen, Wohnmobilen und Bootsanhängern zieht sich durch unsere Dorfstraßen“, so Maislinger, der beim Landeshauptmann eine Verordnung erwirkt hat, wonach er am nächsten Wochenende die Durchfahrten sperren darf. Aber Maislinger gibt zu, dass nicht nur deutsche und holländische Urlauber seine Dorfstraßen verstopfen, „viele Stadt-Salzburger oder Einheimische benutzen nicht mehr die Bundesstraße, weil sie annehmen, dass sie ohnehin verstaut ist.“

Der Bürgermeister hatte noch eine Erklärung, warum es just zum Zeitpunkt der Demo keinen Stau vor der Grenzkontrolle und keine Stauflüchtlinge in seiner Gemeinde gab: „Ich habe gehört, dass die Deutschen am Walserberg heute durchwinken. Also verarschen lassen wir uns hier nicht.“ Er habe mit Österreichs Innenminister Wolfgang Sobotka telefoniert, dieser habe daraufhin zugesichert, von seinem deutschen Kollegen eine schnellere Abfertigung auf mehr Spuren zu fordern.

Maislinger schimpft: „Es wird abgefertigt wie in den 1960-er Jahren, aber der Verkehr ist 20 Mal mehr geworden.“ Für ihn ist der „vorgeschobene Sicherheitsaspekt ohnehin „lächerlich, denn neun von zehn Grenzen in der Region werden nicht kontrolliert, nur der Walserberg“. Lokale Politiker glauben, dass nach Grödig und Wals-Siezenheim auch andere Gemeinden entlang der Autobahn Fahrverbote für Stauflüchtlinge haben wollen, es werde einen Dominoeffekt geben.

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