ADAC will Senioren mobiler machen

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Ende einer 17-jährigen Fahrt: August Markl (69, links, mit Referent Christoph Gipp) erreicht die interne Altersgrenze und tritt deshalb nicht mehr als Vorsitzender des ADAC Südbayern zur Wahl an. Nachfolger soll im März sein Stellvertreter Hans-Gerd Ennser werden. Bundesweiter ADAC-Präsident will Markl aber noch bis 2021 bleiben. Foto: Klaus Haag

Wie kommen ältere Menschen zum Arzt oder Supermarkt, wenn Praxen und Geschäfte aus ihren Dörfern verschwinden? Der ADAC will Projekte für mehr Mobilität auf dem Land anstoßen. Doch eine große Patentlösung gibt es nicht.

Von Tobias Gmach

München – Der ADAC will weg vom Image als reiner Autoclub, er sieht sich vielmehr als „moderner Mobilitätslotse“. Konkret heißt das: Der Club will sich dort einbringen, wo es an Mobilität selbst im reichen Bayern vielerorts mangelt: auf dem Land.

Wie kommen ältere Menschen zum Arzt oder Supermarkt, wenn es keine Praxen und Einkaufsmöglichkeiten mehr in ihren Dörfern gibt? Wie stehen sie Verkehrsinnovationen und digitalen Projekten gegenüber? Belastbare Daten dazu haben bislang gefehlt. Deshalb beauftragte der ADAC das Berliner Institut IGES mit einer Studie, die als Handlungsleitfaden für überregionale und lokale Verkehrskonzepte dienen soll.

Die Ergebnisse stellte IGES-Geschäftsführer Christoph Gipp in seinem Vortrag „Mobilität im ländlichen Raum Südbayerns“ vor. Einflussreiche Zuhörer hatte er beim Jahrestreff des ADAC Südbayern am Mittwochabend: Unter den 50 geladenen Gästen waren hauptsächlich Verbandsvorsitzende und Politiker mit Verkehrsexpertise – „Kümmerer, Meinungsmacher und Entscheider“, nannte sie August Markl, der gleichzeitig bundesweiter ADAC-Präsident und Südbayern-Vorsitzender ist.

Knapp 2000 Menschen ab 55 Jahren wurden für die Studie telefonisch befragt. Vorneweg: Die eine große Lösung hatte Christoph Gipp nicht im neuen ICE-Sprinter aus Berlin mitgebracht, eher eine Ideensammlung und Analyse ländlicher Bedingungen. „Merken Sie sich das Wort mitfahren“, sagte der Referent, um zu unterstreichen, dass das Auto auf dem Land mit Abstand die wichtigste Mobilitäts-Rolle spielt. Während über die Hälfte der Befragten noch selbst fahre, nutzten immerhin knapp 20 Prozent eine Mitfahrgelegenheit zum Einkaufen. Die Angebote seien aber oft nicht bekannt genug. Fahrdienste, die Bürger für Bürger bereitstellen, oder Sharing-Modelle müssten nachhaltig unterstützt werden. „Neue Initiativen können zum Beispiel gut im Umfeld von Vereinen entstehen“, so Gipp. „Man muss Innovationen lokal denken.“

Laut Studie denken circa 30 Prozent aller Befragten in Oberbayern darüber nach, sich ein E-Bike anzuschaffen – das sind deutlich mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Der Ausbau von Radnetzen habe großes Potenzial. Das sieht der Forscher auch im öffentlichen Nahverkehr. Beispielhaft nannte er das „PlusBus“-System aus Brandenburg, das genau auf Bahntakte abgestimmt ist und Mitfahrern Wlan und USB-Anschlüsse bietet. „Es war überraschend für mich, wie offen ältere Menschen für digitale Angebote sind. Viele nutzen Verkehrs-Apps oder wollen es lernen.“ Gipp wies außerdem auf die sogenannten Rufbusse hin. Solche MVV-Linien gibt es zum Beispiel im Landkreis Ebersberg seit über acht Jahren. Der Bus fährt regelmäßig, abgelegene Haltestellen werden nach Anruf spontan bedient. Am Ende sprach Gipp noch ein immer wichtiger werdendes Thema an: das autonome Fahren. 45 Prozent der Befragten würden vollautomatisierten Fahrzeugen vertrauen.

Fast 90 Prozent der Fläche Bayerns gilt als ländlich. Mit der Studie im Gepäck will sich der ADAC nun an Planungsverbände in den Regierungsbezirken wenden, um Projekte anzustoßen. Der Vorsitzende August Markl schwor die Gäste beim Jahrestreff aufeinander ein: „Gerade weil es keine pauschale Patentlösung gibt, ist mehr Kooperation, Flexibilität und Pragmatismus gefordert.“

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