Achtjährige stirbt nach Klettersturz

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Furchtbarer Unfall am Klettersteig: Ein achtjähriges Mädchen ist am Sonntag beim Abstieg vom Ettaler Manndl abgestürzt und wenig später an den schweren Verletzungen gestorben. Die Bergwacht warnt: Die beliebte Tour wird gerne unterschätzt.

Tragischer Bergunfall

von Dominik Göttler

Oberammergau – Am Sonntagnachmittag um 15.33 Uhr erreicht Johannes Flemisch und seine Kollegen von der Bergwacht Oberammergau der Alarm. Die erste Information für die Retter: Eine abgestürzte Person am Ettaler Manndl. Auf der Spitze des 1633 Meter hohen Kalkzackens im Ammergebirge (Kreis Garmisch-Partenkirchen) befindet sich eine beliebte, auch für Einsteiger geeignete Kletterpassage, an der allerdings auch immer wieder Unfälle passieren. Sofort machen sich zwei Mann mit dem Rettungshubschrauber Christoph Murnau auf den Weg zur Unfallstelle, berichtet Flemisch, vier weitere steigen von der Bergstation der Laber Bergbahn auf. Kurz nach der Erstalarmierung erfahren die Helfer: bei der abgestürzten Person handelt es sich um ein Kind.

Wie die Polizei gestern mitteilte, ist das achtjährige Mädchen aus dem Raum München beim Abstieg von der Südseite des Ettaler Manndls 50 Meter in die Tiefe gestürzt. Das Kind war mit seiner Mutter unterwegs und hatte gerade das sogenannte „Weibl“, einen Zwischengipfel, passiert, als es aus noch ungeklärter Ursache abstürzte. „Das Mädchen war wohl mit einem Kletter-Set ausgestattet“, sagt Martin Kees von der Polizei Oberammergau. Wie die Achtjährige dennoch abstürzen konnte und ob sie gesichert war, werde derzeit noch ermittelt.

Mehrere Wanderer hatten den Sturz beobachtet und leisteten sofort Erste Hilfe, bis per Hubschrauber ein Notarzt eintraf. Das Mädchen wurde in das Unfallkrankenhaus nach Murnau geflogen. Doch trotz aller Bemühungen der Ärzte starb die Achtjährige in der Nacht zum Montag an den schweren Verletzungen.

Während die Ärzte um das Leben des Mädchens kämpften, begleiteten die Mitglieder der Bergwacht die Zeugen ins Tal zu einem Kriseninterventionsteam. „Das sind schon belastende Einsätze, gerade wenn es um Kinder geht“, sagt Johannes Flemisch. Bis zuletzt hatten die Retter gehofft, dass das Mädchen überleben würde.

Die Bergwacht Oberammergau warnt infolge des aktuellen Einsatzes, dass der Klettersteig am Ettaler Manndl immer wieder unterschätzt werde. „Er ist zwar dieses Jahr erst mit neuen Stahlseilen ausgestattet worden“, sagt Flemisch, und der Steig sei grundsätzlich auch für Anfänger und jüngere Kletterer geeignet. „Aber nur mit der richtigen Ausrüstung.“ Ein Kletter-Set zur Sicherung sei Pflicht, zumal der Fels teilweise sehr abgespeckt ist und damit glatt und rutschig sein kann. Immer wieder müsse die Bergwacht ausrücken, weil sich unvorbereitete Wanderer den Abstieg nicht mehr zutrauen oder von einem Wetterumschwung überrascht werden, sagt Flemisch.

An sonnigen Tagen zieht es regelmäßig viele Bergsteiger auf den Klettersteig, der sowohl zu Fuß vom Tal als auch über die Bergbahn gut zu erreichen ist. Doch erst im vergangenen Oktober war ein 59-jähriger Münchner am Ettaler Manndl ums Leben gekommen. Er war beim Abstieg im felsigen Gelände abgerutscht und wie das achtjährige Mädchen rund 50 Meter in die Tiefe gestürzt.

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