Tempolimit auf der A94: 120 Stundenkilometer werden für einen Testzeitraum angeordnet

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Ministerpräsident Markus Söder (rechts) nahm die Lärmbeschwerden der Bürger entgegen. Sutherland
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Ministerpräsident Markus Söder verspricht den Anwohnern der A94 bei einem Ortstermin, dass er die Lärm-Situation verbessern wolle. Erster Schritt ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung. Für einen Testzeitraum soll Tempo 120 angeordnet werden.

Update 9. Januar, 18 Uhr: Auf der A94 soll bald Tempo 120 gelten

Auf der erst vor drei Monaten eröffneten Isentalautobahn (A94) soll es nach dem Willen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Geschwindigkeitsbegrenzungen geben, um lärmgeplagte Anlieger zu schützen. Vom 1. Februar an werde es ein Tempolimit geben, sagte Söder bei einem Treffen mit rund 100 Anwohnern auf einem Pferdehof im Weiler Hammersdorf im oberbayerischen Landkreis Erding am Mittwoch.

Auch der auf einer Teilstrecke offenbar besonders laute Fahrbahnbelag solle überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht sowie Lärmschutzwände gebaut werden, sagte Söder zur Überraschung der Demonstranten. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte am Donnerstag auf Anfrage, der Vorstoß Söders sei mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) abgesprochen.

In einem Versuchszeitraum werde zunächst ein Tempolimit von 120 km/h angeordnet, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) nun meldet. Dieses gelte, solange Lärmmessungen durchgeführt und Fachgutachten von Experten aus dem Bauministerium erstellt würden. Es werde noch festgelegt, auf welchen Abschnitten genau die Tempobeschränkung gelten soll.

Der Landeschef des Bund Naturschutz (BN), Richard Mergner, begrüßte die Ankündigung Söders. „Ein guter Anfang und bald hoffentlich die Kehrtwende zum Einsatz der CSU für ein generelles Tempolimit und keine weiteren unnötigen und Landschaft zerstörenden Autobahnen in Bayern“, schrieb Mergner auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. dpa/lby

Die Erstmeldung zum Tempolimit auf der A94

Buch am Buchrain/ Obertaufkirchen- Viele Betroffene hatten sich auf dem Pferdehof in Hammersdorf versammelt, um die Anwohner in ihren Forderungen an Ministerpräsident Markus Söder zu unterstützen.

Die Sprecherin des Pferdehofes, Eva Menzinger, brachte ihm sowie der Landtagsabgeordneten Ulrike Scharf und Landrat Martin Baierstorfer die Leiden der Betroffenen nahe. „Wir sind massiv beeinträchtigt. Bei bestimmten Windrichtungen ist der Lärm der Autobahn unerträglich.“

Stichpunktartige Messungen auf ihrem Balkon hätten – je nach Wind – auch in der Nachtzeit Lärmwerte von über 70 Dezibel ergeben. Wissenschaftlern zufolge können schon ab 60 Dezibel Stressreaktionen im Schlaf auftreten, wenngleich das Lärmempifnden von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.

Lärm wie unzählige Panzer

Das der Lärm der Autobahn extrem stört, bestätigten auch die Mitglieder der Obertaufkirchner Bürgerinitiative, die sich in Hammersdorf eingefunden hatten. Gesonderten Applaus gab es für Menzingers Aussage, unter der Woche um 4 Uhr morgens hätten sie das Gefühl, Panzer rollten an, wenn der Verkehr anfinge. Die dringende Bitte an Ministerpräsident Söder war: Lärmschutzmaßnahmen.

Evi Platschka aus Obertaufkirchen sagte: „Wir in der Familie merken die Autobahn stark. Ich bin zum Beispiel immer angespannt und habe Kopfweh, weil Tag und Nacht das Rauschen da ist. Deswegen bin ich hier.“ Georg Schwarzenböck aus Mitterrimbach fügte an: „Ich wohne direkt neben der Rimbachtalbrücke. Auch während der Weihnachtsfeiertage hatten wir den Verkehrslärm. 40 Jahre lang ist gestritten worden – und dann setzt man eine Autobahn dorthin, wo früher nie Lärm war. Da muss man doch mit so etwas rechnen.“ Weitere Sprecher fügten hinzu, dass mit dem Belag etwas nicht stimme – es sei das Billigste verbaut worden.

Söder zeigt Verständnis

Daher forderten sie eine Erneuerung des Belags sowie die Anbringung von effektiven Lärmschutzwänden auf den gesamten 33 Kilometern – so wie es im Planfeststellungsbeschluss von 2009 richterlich vorgegeben war. Eine Umplanung in 2015 war geschehen, ohne die Anlieger oder den Bürgermeister zu informieren. Als schnellstmögliche Maßnahme wurde ein Tempolimit gefordert. Die Strecke würde von Rasern genutzt, die Zahl der Unfälle steige.

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Ministerpräsident Markus Söder reagierte auf die Bitten und Forderungen mit Verständnis. Er habe sich vorab informiert und maximale Transparenz sei hier wichtig. Es ginge nicht, dass Unterlagen zurückgehalten würden. Er werde zum einen für Transparenz sorgen. Weiterhin werde alles noch einmal überprüft. „Wenn dem so ist, mit dem Asphalt, muss das verändert werden“, sagte Söder.

Er wolle gerne die Lebensqualität der Bürger wieder verbessern. Nach den neuen Messungen wäre er dafür, Lärmschutzwände zu errichten. Dies sei eine neue Strecke und der Staat müsse hier mehr Sorgfalt anwenden als bei vorhandenen Strecken.

Maßnahme, die nichts kostet

Um zu zeigen, dass es ihm über die Kommunalwahlen hinaus ernst sei, wolle er ein Zeichen setzen. Ab ersten Februar solle mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung für Tag und Nacht begonnen werden. „Eine Maßnahme, die nichts kostet.“ Die Zusage von Maßnahmen kam für die Anwesenden überraschend. Sie reagierten erfreut und erleichtert.

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