Die Lage im Freistaat

61.000 Menschen in Bayern haben erste Corona-Impfung – Impftermine schwer zu bekommen

Eine Dosis mit dem Covid-19 Pfizer-Biontech Impfstoff steht neben einer Spritze auf einem Tisch im Impfzentrum.
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Biontech will mehr Corona-Impfstoff an die Europäische Union liefern.

Es holperte und polterte - und es hagelt Kritik. Dennoch hält Bayerns Gesundheitsministerin den Corona-Impfstart im Freistaat für gelungen. Trotz aller mit der Immunisierung verbundenen Hoffnungen ist aber wohl ein halbwegs normales Alltagsleben noch fern.

München (dpa/lby) - Bayern steuert in der Corona-Pandemie auf eine Verlängerung des Lockdowns zu. «Der Lockdown muss bis Ende Januar verlängert werden. Vorschnelle Lockerungen würden uns wieder weit zurückwerfen», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der «Bild am Sonntag» vor der für Dienstag geplanten Ministerpräsidenten-Konferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU). «Die Zahlen sind einfach noch viel zu hoch. Dabei sind die Auswirkungen von Weihnachten und Silvester noch gar nicht absehbar.» Auf Twitter bekräftigte Söder am Sonntagmittag seine Forderung.

Hälfte der gelieferten Corona-Impfdosen wird zurückgehalten

In Bayern waren am Sonntagmorgen mehr als 61.000 Menschen mit der ersten Impfdosis gegen das Coronavirus versorgt, wie der Staatssekretär und Leiter der Corona-Taskforce im bayerischen Gesundheitsministerium, Klaus Holetschek (CSU), am Sonntag der Deutschen Presse Agentur sagte.

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Nach Angaben von Ministerin Melanie Huml (CSU) wurden bislang knapp 210.000 Impfdosen an Bayern geliefert. Da für eine erfolgreiche Immunisierung zwei Impfungen im Abstand von rund drei Wochen nötig sind, werde momentan etwa die Hälfte der gelieferten Impfdosen zurückgehalten. Die übrigen noch freien Dosen würden in den kommenden Tagen weiter verabreicht, bis am 8. Januar die nächste Lieferung von neuem Impfstoff erwartet werde.

Alles hängt von der Lieferung des Impfstoffs ab

«Man muss dabei immer bedenken, dass die Umsetzung des Impfkonzepts eine große logistische Herausforderung ist und viele Kräfte in den Landkreisen, den kreisfreien Städten und zum Beispiel beim THW, der Polizei oder dem Bayerischen Roten Kreuz eingebunden sind», erläuterte Huml. Hinzu komme, dass alles von der Lieferung des Impfstoffs abhänge. Dieser müsse verlässlich und pünktlich eintreffen. «Vor diesem Hintergrund bin ich froh, dass der Start der Impfungen gut gelungen ist.»

In Bayern wird wie in ganz Deutschland seit dem 27. Dezember gegen das Virus geimpft. Zunächst sind Bewohner von Seniorenheimen und Bedienstete aus dem Gesundheits- und Pflegebereich an der Reihe. Die Gesundheitsministerin hatte noch am Samstag von mehr als 43.000 Geimpften in Bayern gesprochen.

Hotline für Impftermine überlastet

Vergleichsweise wenige Impfungen erhielten Menschen im Alter von über 80 Jahren, die zu Hause leben. Viele beklagten, die Hotline-Nummer 116117, unter der zumindest in einigen Landkreisen Impftermine in einem der landesweit 99 Impfzentren vereinbart werden können, sei überlastet.

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In Regensburg etwa mussten am Sonntag bereits vereinbarte Impftermine auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. «Alle Termine, die von Dienstag, 5. Januar 2021, bis Samstag, 9. Januar 2021 (vor 12 Uhr), vereinbart wurden, müssen verschoben werden», heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Hintergrund seien Verzögerungen bei der Belieferung mit Impfstoff.

Wird Corona-Impfstoff verschwendet? Kritik von Virologin

Die Impfbereitschaft in Bayern ist laut Huml gegenwärtig sehr groß. «Viele haben eine ganz, ganz große Hoffnung in diesen Impfstoff und das ist auch gut und richtig», sagte die CSU-Politikerin am Samstag dem Bayerischen Rundfunk. In einigen Impfzentren sei bereits damit begonnen worden, auch Senioren zu impfen, die nicht in Heimen leben. Einige Landräte hätten schon die über 80-Jährigen in ihren Landkreisen angeschrieben, andere würden dies noch tun.

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Die Münchner Virologin Ulrike Protzer macht sich unterdessen im Kampf gegen die Corona-Pandemie dafür stark, den vorhandenen Impfstoff besser auszunutzen. «Was man vielleicht noch machen könnte: Man kann aus einer Ampulle dieses Impfstoffes nicht nur fünf, sondern sechs Dosen gewinnen. Das wären schon mal 20 Prozent mehr», sagte die Professorin von der Technischen Universität München am Samstag dem Bayerischen Rundfunk.

Biontech-Impfstoff kommt als Konzentrat

Der Impfstoff des Herstellers Biontech wird als Konzentrat geliefert. Aus einer Konzentrat-Ampulle sollen fünf Impfstoff-Dosen gewonnen werden können, sie enthalten aber nach ersten Erfahrungen etwas mehr, was die Entnahme einer sechsten Dosis ermöglicht. Das Bundesgesundheitsministerium hatte vor einigen Tagen eine entsprechende Empfehlung erlassen und die Entnahme einer sechsten Dosis als problemlos bewertet.

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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wies darauf hin, dass für Reiserückkehrer nach Bayern inzwischen nicht nur eine Quarantänepflicht, sondern auch eine Testpflicht bestehe. Bei einer Schwerpunktkontrolle an den bayerischen Außengrenzen am 27. Dezember hätten 259 von 1276 kontrollierten Menschen kein Testergebnis vorlegen können - vor allem an den Flughäfen in Memmingen und Nürnberg. Der Test kann binnen 48 Stunden nach Einreise nachgeholt werden.

Bayern hat bei der Corona-Inzidenz einen klaren Negativ-Spitzenreiter

Die Corona-Zahlen in Bayern haben sich nach den Daten des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zwar leicht erholt - allerdings unter dem Vorbehalt, dass über den Jahreswechsel weniger getestet worden sein könnte und nicht alle Gesundheitsämter Daten an das LGL weitergeleitet haben. Nach den vorliegenden Zahlen sind inzwischen 17 Landkreise und kreisfreie Städte wieder unterhalb eines Wertes von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen.

Mit Landsberg am Lech ist nur ein Landkreis unter einem Wert von 50. Klarer Negativ-Spitzenreiter ist weiterhin die kreisfreie Stadt Coburg mit einer Inzidenz von 423. Bayernweit betrug die durschnittliche Sieben-Tage-Inzidenz 160. Im Freistaat wurden seit Ausbruch der Pandemie bisher 333.060 Infektionen bekannt; 6887 Menschen starben mit oder an dem Coronavirus.

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