BGE sucht in drei Phasen

Wohin mit dem Atommüll in Deutschland? So funktioniert die Suche nach einem Endlager

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Wohin mit dem radioaktiven Müll aus deutschen Atomkraftwerken? Diese Frage soll spätestens im Jahr 2031 beantwortet sein. Die eigens für die Endlager-Suche gegründete Bundesgesellschaft für Endlager soll die Antwort finden. Und so funktioniert der Prozess.

Peine/Berlin – Zuständig für eine Suche nach einem Endlager für Atommüll ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Bei der BGE handelt es sich um eine bundeseigene Gesellschaft mit Sitz in Peine (Niedersachsen). Sie ist dem Bundesumweltministerium angegliedert. Auftrag der BGE ist es, geeignete Standorte für Atommüll-Endlager zu suchen und später einmal, Endlager zu betreiben.

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Die Suche nach einem Endlager für Atommüll in Deutschland war immer ein hoch politisches und brisantes Thema. Der Salzstock Gorleben steht als Symbol für eine missglückte Suche nach einem Lager für hoch radioaktiven Atommüll in Deutschland. Nun soll die Endlagersuche von vorne losgehen. Bis zum Jahr 2031 soll die BGE einen Standort für ein Endlager gefunden haben. So ist es gesetzlich festgelegt. Das Endlager soll dann spätestens im Jahr 2050 in Betrieb gehen.

Wie sucht die BGE nach einem Endlager?

Phase 1 der Endlager-Suche

Diese Phase hat jetzt begonnen. Die BGE hat einen ersten Zwischenbericht vorgelegt und darin alle für ein Endlager denkbaren Gebiete in Deutschland festgelegt.

  • In einer ersten Phase wird die gesamte Fläche der Bundesrepublik Deutschland angeschaut anhand bekannter geologischer Daten grob zwei Teile geteilt: Kommt eine Region grundsätzlich in Frage oder nicht? Die erste Phase sei „ein reines Aktenstudium", sagt Steffen Kanitz, Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung. Vorhandene geologische Daten wurden ausgewertet. Heraus kam eine Karte, auf der rund 54 Prozent der Fläche Deutschlands bestimmte Mindestanforderungen an ein Endlager erfüllt. Die Auswahlkriterien sind nicht der BGE überlassen oder gar willkürlich, sondern im sogenannten Standortauswahlgesetz festgelegt.
  • Dann folgt Schritt zwei in der ersten Phase des Auswahlprozesses: Die BGE führt Studien durch, ob die ausgewählten Gesteinstypen für ein Atommüll-Endlager den radioaktiven Abfall für eine Dauer von einer Million Jahre sicher einschließen können.
  • Zum Abschluss der ersten Phase werden die Regionen in Deutschland, die grundsätzlich in Frage kommen (54 Prozent des gesamten Bundesgebiets) erstmals näher untersucht. Danach werden die in Frage kommenden Gebiete weiter eingegrenzt. „Das ist dann das Ende der ersten Phase", sagt BGE-Geschäftsführer Kanitz.

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Phase 2 der Endlager-Suche

  • In der zweiten Phase werden oberirdische Erkundungen durchgeführt, um potenzielle Standorte für ein Atommüll-Endlager ausfindig zu machen.
  • Welche Gebiete oberirdisch erkundet werden sollen, entscheidet der Deutsche Bundestag anhand der Erkenntnisse des BGE per Gesetz.

Phase 3 der Endlager-Suche

  • In der dritten und letzten Phase der Endlager-Suche werden vorher ausgewählte Standorte unterirdisch untersucht.
  • Auch hier entscheidet wieder der Deutsche Bundestag anhand der durch die BGE gewonnenen Erkenntnisse per Gesetz darüber, wo unterirdische Erkundungen stattfinden sollen.

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Die Phase 3 der Endlager-Suche muss spätestens im Jahr 2031 abgeschlossen sein. Und 11 Jahre können auf einmal sehr kurz werden. Denn ein Endlager mit Atommüll dürfte wohl kaum jemand in der Nachbarschaft haben wollen. Aber irgendwo muss der radioaktive Atommüll hin, den die deutschen Atomkraftwerke bis zu ihrer endgültigen Abschaltung produzieren.

Mögliche Endlager-Standorte werden immer weiter eingegrenzt

90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist nicht darunter, wie aus dem am Montag (28. September 2020) veröffentlichten Zwischenbericht Teilgebiete hervorgeht. Sie liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern.

In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte in dem oben beschriebenen dreistufigen Prozess nach und nach weiter eingegrenzt. Dennoch dürfte die Debatte über die Endlagerung von hoch radioaktivem Atommüll damit in Fahrt kommen - vor allem in den Gebieten, die im Verlauf des Auswahlprozesses übrig bleiben.

Geeignet für Atommüll sind Salz, Ton und Granit

Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. Der BGE-Bericht listet erst einmal alle Regionen in Deutschland auf, «die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen», so schreibt es das entsprechende Gesetz vor.

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Deswegen sind es noch ziemlich viele und teils auch recht große Gebiete. Konkreter wird es erst in den kommenden Jahren. Aus den Teilgebieten werden sogenannte Standortregionen ausgewählt, die zuerst übertägig (Phase 2) genauer erkundet werden. Einige davon, die danach noch im Rennen sind, werden dann untertägig untersucht (Phase 3).

Suche nach einem Endlager nach rein wissenschaftlichen Kriterien

Nach langem Ärger um den Salzstock Gorleben wurde die Endlager-Suche komplett neu gestartet. Ausgehend von einer «weißen Landkarte», auf der erst mal jeder Ort grundsätzlich in Frage kommt, werden mögliche Standorte nun nach wissenschaftlichen Kriterien nach und nach eingegrenzt.

Am Ende soll dann aber die Politik die Entscheidung über den Standort treffen - basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Über verschiedene Formate können sich Bürger, Gemeinden und Organisationen in den Prozess einbringen.

Hält der Endlager-Suchprozess seine Prinzipien durch?

Zoff hatte es vor allem um Gorleben gegeben, das zu einem Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung geworden war. Manche forderten schon vor der Veröffentlichung des Berichts, den Salzstock als «politisch verbrannt» aus der Suche auszunehmen. Aber auch die bayerische Landesregierung hat Ärger auf sich gezogen, weil sie den Suchprozess anzweifelt und darauf pocht, dass der Untergrund in Bayern nicht geeignet sei. Beides stellte das Prinzip der «weißen Landkarte» in Frage, die erst nach und nach anhand messbarerer Kriterien eingegrenzt wird.

(Mit Material von dpa)

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