Nach Problemen in Österreich

Immer in der Diskussion: Das sind die möglichen Nebenwirkungen von AstraZeneca

Der AstraZeneca-Impfstoff hat bereits aufgrund seiner Nebenwirkungen Schlagzeilen gemacht. Doch wie heftig sind die Nebenwirkungen des britischen Herstellers wirklich?

Update, 5. März: Das Image des AstraZeneca-Impfstoffs verbessert sich momentan wieder, nachdem der britische Impfstoff in den vergangenen Wochen häufig kritisiert wurde. Vor allem, was die Wirksamkeit angeht, hat sich einiges getan, wie echo24.de* berichtet: scheinbar soll der AstraZeneca-Impfstoff besser wirken, je größer der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfdosis ist. Eine schottische Studie* zeigt zudem, dass die Wahrscheinlichkeit auf einen schweren Verlauf durch eine Corona-Infektion bei einer Impfung mit AstraZeneca um 94 Prozent sinkt. Doch was ist mit den Nebenwirkungen des Impfstoffes? Gibt es diesbezüglich immer noch Grund zur Sorge? heidelberg24.de* erklärt mögliche Nebenwirkungen von AstraZeneca, Moderna und BioNTech.

Nach Klagen von Klinik-Angestellten über Nebenwirkungen sind in Niedersachsen Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca an zwei Orten vorübergehend gestoppt worden, das berichtete die Deutsche Presseagentur Mitte Februar. In der Braunschweiger Klinik traten von 88 geimpften Beschäftigten, 37 wegen „Impfreaktionen“ vorübergehend nicht zur Arbeit an. Die weiteren Impfungen würden kurzzeitig ausgesetzt. Auch am Klinikum Emden meldeten sich Beschäftigte nach Impfungen krank. Das löste einen medialen Wirbel und Verunsicherung bei der Bevölkerung aus. (Mehr zum Thema Zweitimpfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca erfahren Sie bei owl24.de.)

AstraZeneca: Wie heftig sind die Nebenwirkungen des britischen Impfstoffs?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) können Reaktionen sowohl bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna als auch beim Vektor-basierten AstraZeneca-Präparat auftreten. Letztlich sind die erwartbaren Nebenwirkungen aber generell ein positives Zeichen, denn dadurch zeigt der Körper, dass der Impfstoff wirkt. Je stärker das Immunsystem einer Person ist, desto heftiger sind auch die Impfreaktionen, da der Körper auf Hochtouren arbeitet. Grippeartige Beschwerden wie Fieber, Gliederschmerzen, Schweißausbrüche, Schüttelfrost sowie Kopfschmerzen, Übelkeit und das Gefühl der Abgeschlagenheit sind dabei sogar ganz normal. Auch wenn die Impfreaktionen sich krass anfühlen können, sind sie normalerweise nach ein bis zwei Tagen wieder weg.

Der Impfstoff sei gut und wirksam, betonten der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, und der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Das AstraZeneca-Vakzin unterscheide sich bei den Nebenwirkungen kaum von den anderen Wirkstoffen, sagte Watzl weiter. „Ein Unterschied zwischen den Impfstoffen ist, dass diese Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen in mehr Fällen und stärker nach der zweiten anstelle der ersten Impfung auftreten. Bei AstraZeneca ist es genau umgekehrt.“ Reaktionen des Körpers bei Impfungen seien nicht überraschend und in der Regel Ausdruck davon, „dass der Impfstoff das tut was er tun soll, nämlich eine Immunreaktion auszulösen“.

Nebenwirkungen von AstraZeneca: Das sagen die Experten

Laut Experten gibt es also keinen Grund für Zweifel gegenüber des AstraZeneca-Impfstoffs bezüglich seiner Nebenwirkungen. Unterm Strich sind die Nebenwirkungen auch weitaus harmloser, als eine Corona-Infektion. Der AstraZeneca-Impfstoff hatte zwischenzeitlich einen so schlechten Ruf, dass sogar Impfberechtigte einen Impftermin ausgeschlagen haben oder zu ihrem Termin einfach nicht erschienen sind. Dadurch gab es in Deutschland einen Impfstau und der britische Impfstoff lagerte haufenweise unverimpft im Kühlschrank*.

Die Ständige Impfkommission hat nun den Impfstoff auch in Deutschland für ältere Personen über 65 Jahren zugelassen*, da inzwischen genügend Daten vorliegen. Die Zulassung auch für Ältere und das sich allgemein bessernde Image des britischen Impfstoffs können dazu beitragen, dass das Impfverfahren in Deutschland beschleunigt wird.

AstraZeneca: Diese Nebenwirkungen des Impfstoffs sind bekannt

Erstmeldung 5. Januar: Der britische Impfstoff der Universität Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca erhielt in Großbritannien eine Notfallzulassung. Anfang Januar wurde bereits der erste Brite mit dem neuen AstraZeneca Impfstoff* geimpft, wie echo24.de* berichtet. „Ich freue mich so, heute die Covid-19-Impfung zu bekommen, und ich bin wirklich stolz, dass sie in Oxford erfunden wurde“, sagte Pinker laut einer Pressemitteilung

Die Universität Oxford und das Unternehmen AstraZeneca haben nun die Ergebnisse ihrer Impfstoffstudien in der englischen Zeitschrift The Lancet veröffentlicht (Stand 5. Januar). Die Ergebnisse könnten auf den ersten Blick für Angst sorgen: Innerhalb der Studie gab es auch einige Teilnehmer, die ins Krankenhaus eingewiesen werden mussten, und sogar Todesfälle aufgrund einer Corona-Erkrankung. Diese Personen waren allerdings Teil der Kontrollgruppe und erhielten nicht den Impfstoff, sondern ein Placebo.

So funktioniert der neue Impfstoff des Pharamkonzerns AstraZeneca

Der Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca funktioniert anders als der von Biontech, Pfizer und Co. Der Astrazeneca-Impfstoff ist kein mRNA-Impfstoff, er beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Das Mittel wirkt zweifach: Es soll sowohl die Bildung von spezifischen Antikörpern als auch von T-Zellen fördern – beide sind für die Immunabwehr wichtig.

Was sind die Inhaltsstoffe des AstraZeneca-Impfstoffes?

Die britische Regierung hat auf ihrer Website den Beipackzettel des AstraZeneca-Impfstoffes veröffentlicht, um die Bürger über Risiken und Nebenwirkungen des Wirkstoffes zu informieren. Das sind die Inhaltsstoffe:

  • L-Histidin
  • L-Histidinhydrochlorid-Monohydrat
  • Magnesiumchloridhexahydrat
  • Polysorbat 80
  • Ethanol
  • Saccharose
  • Natriumchlorid
  • Dinatriumedetatdihydrat
  • Wasser

Laut Hersteller enthält eine 0,5 Milliliter-Impfdosis 5 x 10^10 Viruspartikel sowie Natrium und Alkohol. Die Natriumdosis ist so gering, dass der Impfstoff als natriumarm gilt und auch der Alkoholgehalt ist mit 0,0002 Milligramm Ethanol pro Impfdosis so gering, dass er keinen nachweisbaren Effekte hat. Das Wasser und das Natriumchlorid (Kochsalz) sorgen für ein ähnliches Milieu wie das, welches in der menschlichen Zelle herrscht.

Der britische AstraZeneca-Impfstoff: Das sind die Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen des AstraZeneca-Impstoffs unterscheiden sich kaum von den Nebenwirkungen des Impfstoffs von Biontech*. Folgende Nebenwirkungen sind laut Beipackzettel bisher bekannt:

  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Schwächegefühl
  • Schwindel, Übelkeit, allgemeines Unwohlsein
  • Schmerzen, Blutergüsse, Wärme, Rötungen und Juckreiz an der Injektionsstelle
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • Muskelschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Anschwellen der Lymphknoten

Die Nebenwirkungen traten teilweise auch in einer hohen Intensität auf, sodass die Probanden mehrere Tage zu Hause bleiben mussten. Allerdings gingen die Nebenwirkungen nach wenigen Tagen wieder weg. Prinzipiell sind diese Nebenwirkungen ein positives Zeichen, dass das Immunsystem auf den Impfstoff reagiert.

Zum Vergleich: Das sind die bekannten Nebenwirkungen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs

- Schmerzen an der Impfstelle: 66 bis 83 Prozent der Probanden
- Müdigkeit: 34 bis 59 Prozent der Probanden
- Kopfschmerzen: 25 bis 52 Prozent der Probanden
- Muskelschmerzen: 14 bis 37 Prozent der Probanden
- Schüttelfrost: 6 bis 35 Prozent der Probanden
- Gliederschmerzen: 9 bis 22 Prozent der Probanden
- Durchfall: 8 bis 12 Prozent der Probanden
- Fieber: 11 Prozent der älteren Probanden, 16 Prozent der jüngeren Probanden

Von Ende Juli bis Mitte November wurden 44.820 Probanden untersucht, die Ergebnisse wurden im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Rund die Hälfte der Testpersonen erhielt den Impfstoff zweimal, der Rest ein Placebo ohne Wirkung.

Fehlerhafte Studie: Ist der AstraZeneca-Impfstoff doch wirksamer als zuerst gedacht?

Der britische Impfstoff der Firma AstraZeneca soll laut einer ersten Pressemitteilung nur eine Wirksamkeit von rund 70 Prozent haben – also deutlich weniger als die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Pfizer, welche laut Studien zu 90 Prozent wirksam sind. Das Ergebnis, dass der neue AstraZeneca-Impfstoff nur zu 70 Prozent wirkt, soll allerdings falsch sein.

In einer Gruppe, die versehentlich bei der ersten Impfung nur die halbe Dosis bekommen hatte, lag die Wirksamkeit statt bei nur 70 bei 90 Prozent. Eigentlich paradox, da logisch betrachtet eher andersherum eine stärkere Wirkung erwartet werden würde. Warum der AstraZeneca-Impfstoff bei halber Dosis besser wirkt, ist noch unklar.

Zu der fehlerhaften Dosierung kam es durch einen Messfehler. In der Gruppe, die nur die halbe Dosis erhielt, waren allerdings nur 2.700 Probanden. Daher sind die Ergebnisse bisher nicht eindeutig und der Bereich groß, in welchem sich die Wirksamkeit des britischen Impfstoffes derzeit bewegt: zwischen 67 und 97 Prozent. Daher sollen weitere Forschungen für ein genaueres Ergebnis durchgeführt werden.

AstraZeneca-Impfstoff soll Ausbreitung des Coronavirus verhindern

Die Teilnehmer der Studie haben zudem regelmäßig selbst zu Hause Corona-Abstriche vorgenommen und eingesendet. So konnten die Forscher feststellen, dass der AstraZeneca-Impfstoff nicht nur eine Erkrankung mit dem Coronavirus verhindert, sondern wohl auch die Weiterverbreitung. Ob eine geimpfte Person weiterhin ansteckend ist, wurde bei den anderen Impfstoffen bisher noch nicht untersucht. *echo24.de und owl24..de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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