Für alles ist ein Kraut gewachsen

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Sahne: Die Blüten vor dem Aufschlagen abseihen.

In unserer Freitags-Serie verraten Leser ihr Küchengeheimnis. Heute zeigt uns Gisela Hafemeyer (46) aus Frieding (Landkreis Starnberg), dass man aus Wildkräutern Süßes und Salziges zaubern kann.

Mein Küchengeheimnis

In unserer Freitags-Serie verraten Leser ihr Küchengeheimnis. Heute zeigt uns Gisela Hafemeyer (46) aus Frieding (Landkreis Starnberg), dass man aus Wildkräutern Süßes und Salziges zaubern kann.

von stephanie Ebner

Gisela Hafemeyer setzt sich gerne in die Nesseln. Zumindest beim Kochen. Statt um die Brennnessel einen weiten Bogen zu machen, sucht sie sie regelrecht. Unter anderem für ihre Brennnessel-Chips. Die sind der Hit, besonders die Kinder lieben sie. Erst vor zwei Wochen hat Gisela Hafemeyer über drei Stunden am Stück Brennnessel-Chips (Rezept siehe Kasten) rausgebacken, als eine Kindergartengruppe sie auf dem Hof besuchte.

„In der Natur findet man die besten Zutaten“, sagt die Kräuterpädagogin aus Frieding. „Für jedes Gericht ist ein Kraut gewachsen.“ Statt gezüchtete Kräuter auf dem Markt zu kaufen, empfiehlt sie, einfach mal über die Wiesen zu streifen und nach Essbarem zu suchen. Jetzt im Frühjahr schmecken die jungen Löwenzahnblätter im Salat, frische Kräuter wie Spitzwegerich, Knoblauchrauke oder Gundermann am Wegesrand eignen sich für gefüllten Camembert.

Die Liebe zur Natur hat ihr wohl der Vater vererbt, glaubt die gebürtige Friedingerin. Er liebte es, in aller Früh über die Felder zu streifen, in den Wald zu gehen und nach Pilzen zu suchen. „Als Kind war ich oft enttäuscht, dass er uns nicht mitgenommen hat, heute kann ich das gut verstehen. Es ist herrlich, so allein durch die Natur zu wandern und alles zu erforschen.“

Die Liebe zum Kochen entdeckte die Friedingerin aber erst viel später. Als Dorfhelferin lernte sie kochen. Davor habe sie sich gerne davor gedrückt. „Wenn meine Mutter Liselotte festgestellt hat, dass ich etwas kann, hab’ ich’s immer machen müssen.“ Beim Kochen ging diese Taktik auf. Später sah die Sache anders aus: „Was ich im Lehrbetrieb gelernt habe, wollte ich hinterher auch zu Hause ausprobieren.“

Heute steht die 46-Jährige täglich für ihren Mann und die zwei Kinder in der Küche. Trotzdem vermeidet sie es bis heute, stundenlang für ein Gericht zu kochen. Nicht nur, weil es auf dem Hof immer viel zu tun gibt. Gerade im Sommer gibt es in kürzester Zeit so viel zu sammeln und einzukochen. „Das Ergebnis muss stimmen.“

Die einfachen Rezepte sind auch bei ihren Kräuterwanderungen gefragt. Nachdem die Familie die Milchwirtschaft aufgegeben hat, hat sich die Bäuerin ein neues Betätigungsfeld gesucht. Da lag die Ausbildung zur Kräuterpädagogin nahe. „Früher habe ich auch nicht jedes Kraut zu jeder Jahreszeit erkannt“, sagt die 46-Jährige. Sie will die Menschen „wieder dazu bringen, etwas auszuprobieren und das zu benutzen, was direkt vor Ort ist“.

Jede Jahreszeit habe da so ihre Vorzüge. Und jedes Wetter. Gisela Hafemeyer geht immer raus. „Das Wichtigste ist, dass ich nicht friere“, sagt sie. „Mit kalten Füßen kann ich nicht arbeiten.“ Im Frühjahr freue sie sich über das erste Grün, sagt die Friedingerin über die erste Jahreszeit im Jahr. Im Sommer riecht alles so intensiv und wächst wie wahnsinnig, im Herbst sind viele Früchte reif. „Ich habe keine Lieblingsjahreszeit“, sagt sie. Selbst den Winter und seine Ruhe kann sie genießen. Bis sie es dann im Frühjahr nicht mehr erwarten kann, die ersten Blätter zu finden.

Wichtig beim Kochen mit Kräutern sei, dass man diese am späten Vormittag ernte. Im besten Fall scheint die Sonne – „Blüten brauchen Sonne, um ihre volle Wirkung zu entfalten“. In der größten Hitze sollte man die Kräuter allerdings auch nicht ernten. Sonst verbrennen die ätherische Öle, so die Fachfrau.

Zurück zu den Nesseln. Damit die brennenden Härchen ihr nicht wehtun, bearbeitet die Bäuerin die Blätter mit einem Nudelholz. Anschließend kann man diese problemlos weiterverarbeiten. Als Chips oder einfach in den Salat. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Ich wandle meine Rezepte stets ab“. Ihre Arbeit in der Küche ist einem ständigen Wandel unterzogen, so wie die Natur selbst.

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