Wer aktiv bleibt, ist im Alter fitter

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Was passiert im Körper, wenn er alt wird? Lässt sich der Alterungsprozess zurückdrehen – oder zumindest aufhalten? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Prof. Karl Lenhard Rudolph vom Leibniz-Institut für Altersforschung. Ein Interview über ewige Jugend, alternde Stammzellen – und was die Wissenschaft künftig für uns tun kann.

SENIOREN

-Können wir auf ewige Jugend hoffen?

Nein! Das Altern wird durch eine Vielzahl von Prozessen bestimmt und betrifft alle Systeme des Körpers. Unsere Hoffnung ist, punktuell einzugreifen – also bestimmte Erkrankungen zurückzudrängen und ein gesundes Altern zu ermöglichen. Wenn es beispielsweise gelingen würde, die Muskelkraft im Alter besser zu erhalten, könnten alte Menschen länger selbstständig leben.

-Was genau bezweckt die Altersforschung?

Die Altersforschung geht den Mechanismen auf den Grund. Sie versucht, bestimmte Prozesse positiv zu beeinflussen. Zum Beispiel häufen sich gealterte Zellen, das Immunsystem lässt nach und in den Stammzellen treten Mutationen, also Veränderungen, auf. Ziel ist es, Therapien zu entwickeln, die diese Prozesse aufhalten oder zumindest verlangsamen.

-Was passiert im Körper, wenn er altert?

Es häufen sich Schäden in den kleinsten Bausteinen der Zellen – in der DNA, dem menschlichen Erbgut, oder in den Proteinen. Und das wiederum führt zu einem Funktionsverlust der Zellen. Das betrifft auch Stammzellen – die sind besonders wichtig für die Regeneration. Wenn Stammzellen jedoch altern und ihre Funktion einschränken, können sich Organe nicht mehr selbst erneuern.

-Warum lässt die Funktion der Stammzellen überhaupt nach?

Dazu gibt es eine neue Hypothese: Bestimmte Gene und Signale kontrollieren unsere Entwicklung – vom Embryo bis zum Erwachsenenalter. Sie sind darauf ausgerichtet, den Körper bis zum Alter von 30 bis 40 Jahren in eine optimale Fitness zu bringen, also bis zum Reproduktionsalter. Danach bleiben diese Gene zwar aktiv, arbeiten aber nicht mehr so genau. Das führt zum Alterungsprozess von Stammzellen und vom Gewebe – und somit zu Erkrankungen.

-Unser Organismus ist also auf Fortpflanzung gepolt – und wenn er sein Soll erfüllt hat, dann altert er?

Ja. Dieselben Gene, die für die Entwicklung unseres Körpers verantwortlich sind, bewirken ab einem bestimmten Zeitpunkt den Verfall. Man spricht dabei von einer verschatteten Aktivierung dieser Signale.

-Wenn man eine Möglichkeit fände, Stammzellen zu verjüngen …

Dann wäre uns sehr geholfen! Es geht aber nicht nur um die Zellerneuerung. Inzwischen wissen wir, dass Stammzellen mutieren und im Körper dominant werden – sich also ausbreiten. 50 Prozent der Menschen haben im Alter von 70 Jahren diese mutierten Klone im Blut. Diese tragen zur Entstehung von verschiedenen Krankheiten bei, wie beispielsweise von Blutkrebs, und verkürzen die Lebenserwartung. 70-Jährige, bei denen diese Mutationen nicht im Blut vorliegen, haben eine längere Lebenserwartung und altern gesünder.

-Was kann man selbst tun, um – gesund – alt zu werden?

Wie alt wir werden, bestimmen unsere Gene. Diese individuelle Lebensspanne können wir, je nachdem wie wir leben, ausschöpfen oder verkürzen. Die beiden wichtigsten Faktoren für das Ausreizen sind ein schlankes Körpergewicht und sportliche Aktivitäten. Wohingegen ein ungesundes Leben entgegengesetzt wirkt. Aber: Wenn unsere Gene ein Alter von 80 Jahren vorsehen, kann man noch so gesund leben, und wird trotzdem keine 90. Überschreiten kann man die Lebenszeit der Gene nämlich auch nicht.

Das Interview führte: Myriam F. Goetz

Buchtipp

Kann man die Lebensuhr zurückdrehen? Oder etwa eine Pille gegen das Altern entwickeln? Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Buch der Baden-Württemberg Stiftung: „100! Was die Wissenschaft vom Altern weiß“; Hirzel Verlag; 19,90 Euro.

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