Ärzte fordern höhere Tabaksteuer

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Leben ohne Nikotin: US-Präsident Barack Obama (obere Reihe, von links nach rechts), US-Model Christy Turlington Burns, Schauspielerin Jessica Schwarz, Sängerin Christina Stürmer, Modedesigner Karl Lagerfeld (unten, von links nach rechts), US-Schauspieler Leonard Nimoy, Sänger Roland Kaiser und der britische Sänger Robbie Williams. fotos: dpa

Ungeachtet des Nichtraucher-Gesetzes lassen rauchende Eltern und Freunde Teenager leichter zur Zigarette greifen. Andererseits: Je mehr Zigaretten kosten, desto eher kann man sich offenbar von ihnen trennen. Eine Zwischenbilanz.

WELTNICHTRAUCHERTAG

Ungeachtet des Nichtraucher-Gesetzes lassen rauchende Eltern und Freunde Teenager leichter zur Zigarette greifen. Andererseits: Je mehr Zigaretten kosten, desto eher kann man sich offenbar von ihnen trennen. Eine Zwischenbilanz.

Berlin – Um den Deutschen den Griff zur Zigarette schwerer zu machen, fordern Gesundheitsschützer die Tabaksteuern deutlich zu erhöhen. „Das ist erwiesenermaßen der effizienteste Hebel. Eine Erhöhung um mindestens 30 Prozent ist sinnvoll“, so der Ökonom Tobias Effertz von der Uni Hamburg anlässlich des Welt-Nichtrauchertages am heutigen Samstag. Dies würde einem Packungspreis von sechs bis sieben Euro entsprechen.

Tabakfeinschnitt zum Selberdrehen sollte endlich ebenso hoch besteuert werden wie Filterzigaretten, fordern Deutsche Krebshilfe und das Aktionsbündnis Nichtrauchen gemeinsam. „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass der Tabakkonsum in Deutschland vor allem in den Jahren drastisch sank, als die Zigarettensteuer stark erhöht wurde“, berichtete Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Wurden 2002 hierzulande noch über 145 Milliarden Fertigzigaretten geraucht, waren es 2005 nur noch knapp 96 Milliarden. Im gleichen Zeitraum stieg die Steuer pro Zigarette von 9 auf 13 Cent. In den Jahren danach setzte sich der Rückgang fort – allerdings abgeschwächt. Vor allem unter den Jugendlichen, von denen 2011 nur noch knapp zwölf Prozent rauchten, greifen mittlerweile wieder mehr zur Zigarette.

Eine Sprecherin des Tabakkonzerns Philip Morris International sagte zwar ebenfalls: „Wir wollen nicht, dass Kinder und Jugendliche rauchen.“ Bei einer dramatischen Erhöhung der Tabaksteuer bestehe aber die Gefahr, dass sich der illegale Zigarettenhandel weiter verstärke. „Vor dem Hintergrund sind wir gegen exzessive Steuererhöhungen. Denn die großen organisierten Zigarettenschmuggler und die kleinen Straßenhändler halten sich an keine Regulierung.“

Auch wenn heute weniger Kinder und Jugendliche rauchen – 2001 betrug der Raucheranteil unter den 12- bis 17-Jährigen noch 28 Prozent – so gibt es doch immer noch Verführungen und schlechte Vorbilder. Ob sie anfingen zu rauchen, hänge stark vom Elternhaus und vom Freundeskreis ab, sagt Pötschke-Langer. „Diejenigen, die schon schwerst abhängig sind, haben oft stark rauchende Eltern – die lernen das Rauchen praktisch am Küchentisch. Für diese Kinder ist es unglaublich schwierig, aus diesem Verhalten wieder rauszukommen, es ist schließlich das Verhalten ihrer Eltern.“

Zwar bieten einige Beratungsstellen Raucherentwöhnungskurse für Jugendliche an – sie werden aber kaum bis gar nicht nachgefragt.

Das Rauchen erhöhe keinesfalls nur das Risiko für Lungenkrebs, sondern auch für weitere Krebsarten, warnt Krebshilfe-Geschäftsführer Gerd Nettekoven. Über 100 000 Menschen in Deutschland sterben jährlich an den Folgen des Rauchens und 3300 weitere, weil sie passiv mitrauchen.

Auf der anderen Seite hat eine US-Studie ermittelt: Wer vor dem 40. Lebensjahr das Rauchen aufgibt, lebt zehn Jahre länger. Insbesondere Frauen profitieren von dem Verzicht: Ihr Schlaganfall-Risiko sinkt um zwei Drittel.

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