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Wo ist der Ausweg?

100 Tage Krieg in der Ukraine: Die Welt hat sich verändert

Kinder in Kiew
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Zwei Kinder schaukeln vor einem durch russische Militärangriffe zerstörtes Wohngebäude in Kiew.
  • Claudia Möllers
    VonClaudia Möllers
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  • Marc Beyer
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Am Morgen des 24. Februar begann die russische Armee ihre Angriffe auf die Ukraine. 100 Tage später gibt es tausende Tote und Millionen Flüchtlinge. Und ein Ende des Grauens ist nicht abzusehen.

München/Kiew – Im Krieg ist keine Zeit zum Innehalten. Heute (3. Juni) vor 100 Tagen startete die russische Armee ihre Angriffe auf die Ukraine, doch nur weil dies ein prägnantes Datum ist, dürfte der Tag nicht weniger schrecklich werden als die 99 vorangegangenen. Er wird neues Leid bringen, so wie der gestrige, als russische Bomben sowohl im Norden als auch in der südlichen Hafenstadt Odessa detonierten, oder der Mittwoch, als sie den vermeintlich sichereren Westen erschütterten. Der Osten kommt ohnehin schon lange nicht mehr zur Ruhe.

Die Welt kann teilhaben an diesem Krieg wie wohl niemals zuvor. Über die Sozialen Medien ist sie mit den Ukrainern verbunden, bekommt Bilder schlimmster Verbrechen und Verwüstungen zu sehen und wird aus dem Präsidentenpalast regelmäßig informiert. Nicht nur mit seinen Videobotschaften, die er jede Nacht an sein Volk richtet, erreicht Wolodymyr Selenskyj ein Multimillionenpublikum. Es gibt auch kaum eine politisch bedeutende Bühne, auf der er nicht schon zugeschaltet worden ist.

Als Selenskyj gestern im Luxemburger Parlament virtuell zu Gast war, zog er eine düstere Zwischenbilanz des Krieges: „Rund 20 Prozent unseres Territoriums sind nun unter Kontrolle der Besatzer.“ Dieses Territorium sei bei Weitem größer als die Fläche aller Benelux-Staaten zusammen. Im Osten des Landes werde die Lage immer schwieriger: „Wir verlieren täglich 60 bis 100 Soldaten.“ Seit Kriegsbeginn wurden tausende Menschen getötet und Millionen Ukrainer in die Flucht getrieben.

Die Welt hat sich verändert in den vergangenen 100 Tagen. Das zeigt sich auch daran, wie der Westen, der im Umgang mit Russland nicht immer an einem Strang zog, nun immer neue Sanktionen verhängt. Einige hätten schärfer ausfallen können, doch in der Summe entfalten sie Wirkung. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verbucht die Maßnahmen als großen Erfolg. Zwar könne man sich „eigentlich nur schämen“, dass man immer noch derart abhängig von russischer Energie sei. Doch die Wirtschaft des Riesenreichs sei schwer getroffen: „Sie bricht ein.“

Die Exporte jener Länder, die sich Sanktionen anschlossen, seien um 53 Prozent gefallen, die Exporte aus Staaten, die sich neutral verhielten oder Moskau unterstützten, um 45 Prozent. Deutschland habe im März einen Exportrückgang von 60 Prozent verzeichnet. Niemand wolle in Russland investieren. Putin könne das nicht mehr lange durchhalten.

Die Hoffnung, dass Moskau seine Ziele in diesem Krieg nicht erreichen wird, ist noch intakt, trotz der jüngsten militärischen Rückschläge für Kiew. „Die Ukraine darf auf keinen Fall verlieren, das heißt, sie muss gewinnen“, sagte Annalena Baerbock im ZDF. Die Außenministerin war im Mai selber im Kriegsgebiet, so wie viele Spitzenpolitiker vor ihr, aber als erstes Mitglied der Bundesregierung.

Es gibt einen regen Reiseverkehr zwischen dem Westen und Kiew, und er hält an. Am Mittwoch fuhr der Augsburger Bischof Bertram Meier mit einer Delegation in die Ukraine. Als „Außenminister“ der Deutschen Bischofskonferenz besuchte er auch Butscha und Irpin – Orte, die zu Symbolen einer brutalen russischen Kriegsführung geworden sind. Im Vorfeld wählte er für einen Bischof deutliche Worte: „Hier wurden Zivilisten in großer Zahl abgeschlachtet, verstörende Kriegsverbrechen begangen. Der Weg einer künftigen Versöhnung, auf den Christen hoffen, kann nicht an diesen Orten vorbeiführen.“

Ein Ende des Grauens ist nicht abzusehen. US-Außenminister Antony Blinken sagte gestern, es gebe keine Anzeichen für einen Rückzug der Russen: „Soweit wir das jetzt beurteilen können, wird der Konflikt noch viele Monate andauern.“ 

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