Teufelskreislauf durchbrechen

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Lachen ist die beste Medizin – das gilt auch beim Thema Demenz. „Geht es den Angehörigen gut, geht es auch den an Demenz erkrankten Menschen gut“, sagt Rita Fürbeck vom Mehrgenerationenhaus Flintsbach.

Die OVB-Weihnachtsaktion ist heuer dem „Schicksal Demenz“ gewidmet. Im Interview mit Rita Fürbeck, Leiterin der Tagesbetreuung und Tagespflege im Mehrgenerationenhaus Flintsbach, wird deutlich, dass die Diagnose Demenz auch Angehörige mit voller Wucht trifft – und wie wichtig es ist, mit der Krankheit offensiv umzugehen.

OVB-Redaktion: Frau Fürbeck, warum ist es so wichtig, dass unsere Weihnachtsaktion das Thema Demenz ins Blickfeld rückt?

Rita Fürbeck: „Die psychische Belastung für die Angehörigen ist enorm.“

Rita Fürbeck:Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass es viel zu lange dauert, bis die Angehörigen den Schritt zu uns ins Mehrgenerationenhaus wagen. Hier spielen Ängste eine Rolle: Die Angehörigen wissen fast alle nicht, wie sie die Betreuung finanzieren können und haben Angst vor der finanziellen Belastung. Hier werden sie oft von den Kassen allein gelassen.

Oft ist von einem Teufelskreislauf die Rede. Was ist damit gemeint? Was sagen denn die Nachbarn?

Das ist vor allem in der Generation der 70- bis 90-Jährigen immer noch ein großes Thema. Demenz hat keine Lobby, und so werden Menschen mit Demenz oft versteckt, man schämt sich für sie und sperrt sie weg. Der Erkrankte hat keine Sozialkontakte und fällt in eine Depression, die die Demenz noch verstärkt – das ist der Teufelskreislauf.

Ein Teufelskreislauf, der auch die Angehörigen erfasst...

Natürlich. Die psychische Belastung der Angehörigen ist enorm. Oft kommen die Angehörigen von Menschen mit Demenz erst dann zu uns, wenn sie am Ende ihrer Kräfte sind. Durch diese Überbelastung kann es auf beiden Seiten zu sehr belastenden Konflikten kommen.

Das Mehrgenerationenhaus in Flintsbach ist eine von mehreren Einrichtungen, die von unserer Spendenaktion unterstützt werden. Warum ist das Geld dort gut aufgehoben?

Weil wir täglich sehen, wie gut den Betroffenen unsere Betreuungsangebote tun. Weil wir ihre Angehörigen nicht nur entlasten, sondern sie mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine lassen. Weil wir mit ihnen regelmäßige Gespräche führen, sie beraten in pflegerischer Sicht und im richtigen Umgang mit Menschen mit Demenz. Wir erarbeiten mit Angehörigen und Betroffenen sogar gemeinsam eine Biografie der Menschen.

Das führt zu welchen Erfolgen? 

Demenz kann nicht geheilt werden, aber wir haben täglich große und kleine Erfolge. Sei es, dass ein Mensch mit Demenz plötzlich wieder Klavier spielt – das macht, was er in seiner Kindheit gelernt hat und jahrzehntelang verborgen war. Sei es, dass er durch unsere Gymnastik wieder beweglicher wird und mit den Enkeln wieder Bälle fangen und werfen kann.

Wie begegnet man Menschen mit Demenz?

Wir nehmen unsere Gäste so an, wie sie sind. Wir versuchen, ihre vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und nicht ihre Defizite in den Vordergrund zu stellen. Sie sollen sich bei uns wohl fühlen.

Und dieses „Wohlfühlprogramm“ will erst einmal finanziert sein. 

All unsere Arbeit mit den Angehörigen ist keine „Kassenleistung“, macht aber die Qualität unserer Arbeit aus. Geht es den Angehörigen gut, geht es auch den an Demenz erkrankten Menschen gut. Damit wir diese Aufgabe weiter leisten können, sind wir auf Spenden und Förderer angewiesen. Die OVB-Weihnachtsaktion hilft uns, diese Arbeit weiter zu führen und das Angebot zu erweitern. Der Bedarf ist groß.

Ludwig Simeth

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