Oase für verletzte Kinderseelen

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Neu im Kinderdorfhaus Rosenhof in Pinswang: Karin Kendlinger, die zweite Hausmutter, auf dem Bett von Jana (10).

Neubeuern - Seine Eltern kann man sich nicht aussuchen. Manche Kinder haben einfach Pech gehabt. Darum haben das Albert-Schweitzer-Familienwerk und die OVB-Heimatzeitungen Ende 2012 ein Mammutprojekt angepackt: einen alten Hof in Neubeuern in eine kleine Oase verwandeln, in der man verletzte Kinderseelen heilen und sogenannten Sozialwaisen die Chance auf eine lebenswerte Zukunft eröffnen kann. Jetzt ist es geschafft: Im Beisein von 120 Festgästen wurde der Rosenhof im idyllischen Ortsteil Pinswang eingeweiht.

Neun Buben und Mädchen ziehen im Laufe dieser Woche in ihre liebevoll eingerichteten Zimmer im Rosenhof ein. Die Jüngsten, fünfjährige Zwillingsbuben, sind noch im Vorschulalter, die Älteste, ein 15-jähriges Mädchen, wird bald eine erwachsene Frau sein. Sie alle kommen aus den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Mühldorf.

Jetzt wird alles dafür getan, dass ihnen im idyllischen Pinswang (Gemeinde Neubeuern) der Start in ein neues Leben gelingt. Ein Kinderspiel wird das nicht. Denn die Rosenhof-Kinder haben in der Regel in ihrem Elternhaus traumatische Erfahrungen mit Gewalt, sexuellem Missbrauch, Vernachlässigung oder Verwahrlosung gemacht.

Rund 760 000 Euro haben die Leserinnen und Leser der OVB-Heimatzeitungen im Rahmen der Weihnachtsaktion 2012 „Ein Zuhause für Kinder in Not“ für das Projekt gespendet – eine überwältigende Summe. „Ohne dieses Geld hätten wir gar nicht anfangen können“, betonte Heiner Koch, geschäftsführender Vorstand des Albert-Schweitzer-Familienwerks, bei der feierlichen Eröffnung.

Insgesamt kostete der Umbau des Hofs rund 1,5 Millionen Euro. Ein weiteres großes Stück zum Spendenkuchen steuerten die „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks mit 400 000 Euro bei – und es gab viele weitere Helfer, unter anderem Kai Weber von der Firma Haro, der mit bis zu 15 Mitarbeitern zum Nulltarif 450 Qua dratmeter Boden verlegte.

Der Träger des Kinderdorfhauses, das Albert-Schweitzer-Familienwerk, schafft Plätze für Kinder, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können. Die Einrichtungen sind über ganz Bayern verteilt, insgesamt werden dort mehrere hundert Buben und Mädchen betreut.

2004 wurde in Pinswang das Kinderhaus Kerb eröffnet – benannt nach der inzwischen verstorbenen Stifterin Dr. Ruth Kerb, die dem Familienwerk auch noch den Rosenhof daneben vermachte – verbunden mit dem Wunsch, dort ein zweites Kinderdorfhaus zu errichten.

In den Kinderdorfhäusern des Albert-Schweitzer-Familienwerks mit ihrer familienähnlichen Struktur sind Sozialwaisenkinder besonders gut aufgehoben. Schlüsselfiguren sind dabei die Kinderhausmütter. Im Kerbhaus verkörpert dieses Erfolgsmodell beispielhaft Maren Halle-Krahl. Seit 2004 – also seit der Eröffnung – wohnt, lebt, arbeitet, lehrt und erzieht sie im Kerbhaus.

Weil die Nachfrage nach solchen Betreuungsplätzen groß ist, ist das Kerbhaus stets „ausgebucht“ – und das wird auch beim Rosenhof der Fall sein. Dort wird sich Karin Kendlinger als zweite Hausmutter um die Kinder kümmern.

Auch wenn bis zur Fertigstellung drei Jahre verstrichen sind – wieder einmal haben die OVB-Leser ein Projekt mit großer Nachhaltigkeit unterstützt. Sind die ältesten Rosenhofkinder alt genug, um ihr eigenes Leben zu leben, rückt die nächste Generation nach. So kann das Haus zum Rettungsanker für Sozialwaisen werden, die heute noch gar nicht geboren sind. Die Bedeutung des Hauses unterstreicht der große Andrang bei der Eröffnung. Für den großen Tag war extra ein Zelt aufgebaut worden – das sich als zu klein erwies. „Mit so vielen Gästen haben wir nicht gerechnet“, freute sich Koch. Trotz der Enge gelang es den Kerbhauskindern, wieselflink von Tisch zu Tisch zu flitzen, um ihre Gäste zu bedienen.

Den kirchlichen Segen spendeten die Pfarrer Christoph Rudolf und Dietmar Graffenberger. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Neubeurer Buben Valentin Lenz und Michael Poll an der Ziach.

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