Alles ist besser als Langeweile

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Wer hat die 47? Bingo ist im Tagespflegehaus für Menschen mit Demenz ein Renner. neu

Rosenheim - Wer im hohen Alter täglich eine Überdosis Einsamkeit, Isolation und Langeweile schlucken muss, ist arm dran. Die Nachbarschaftshilfe Rosenheim kämpft dagegen seit 1977 mit ihren Hilfsangeboten an.

Über Geschmack kann man streiten – zum Beispiel bei der Musikwahl. Was darf es denn heute sein? Die Beatles? Oder lieber deutscher Schlager: Howard Carpendale, Andrea Berg, Helene Fischer? Im Tagespflegehaus für demenzkranke Menschen der Nachbarschaftshilfe Rosenheim entbrennt eine lebhafte Diskussion. Die einen wollen im „Yesterday“ schwelgen, die anderen lieber „Atemlos“ durch den Tag.

„Ob man sich ärgert oder freut – alles ist besser als Langeweile“, bringt es Peter Moser von der Nachbarschaftshilfe Rosenheim auf den Punkt. Das ist auch beim Bingo so: Bei dem Glücksspiel, das ein Renner im Tagespflegehaus ist, kann nicht jeder gewinnen. Aber gelacht wird dabei trotzdem jede Menge.

Wer im hohen Alter täglich eine Überdosis Einsamkeit, Isolation und Langeweile schlucken muss, ist arm dran: Die Lebensfreude schwindet, die Depression kommt – ein Teufelskreislauf, der durch eine tückische Krankheit wie Demenz noch beschleunigt wird.

Die Nachbarschaftshilfe Rosenheim kämpft dagegen seit 1977 mit ihren Hilfsangeboten an – und schafft es trotz der unausweichlichen finanziellen Engpässe, die Dienste und Einrichtungen den Bedürfnissen einer Gesellschaft anzupassen, die immer älter wird. Die Eröffnung des Tagespflegehauses „Johanna“ in der Ellmaier straße im Jahr 2003 war einer von vielen Kraftakten.

Heute werden dort täglich bis zu 14 Männer und Frauen mit Demenz liebevoll und fachkundig betreut. Die Einrichtung ist eine gewaltige Entlastung für die Angehörigen und ein Segen für Betroffene.

Der Tag im Haus „Johanna“ beginnt um 8 Uhr und endet gegen 16.30 Uhr. Manche werden am Morgen von Angehörigen gebracht, andere vom Fahrdienst zu Hause abgeholt und wieder heimgefahren. Im Tagespflegehaus wird die Lebens- und Gefühlswelt von Menschen mit Demenz so akzeptiert, wie sie ist. Niemand wird kritisiert und korrigiert, weil er einfache Sachen nicht mehr weiß oder nicht mehr kann. Es wird gespielt, erzählt und gelacht – viele Senioren tauen dabei sichtlich auf.

Einrichtungen wie dem Tagespflegehaus ist die OVB-Weihnachtsaktion „Schicksal Demenz“ gewidmet. Die Nachbarschaftshilfe will die Tagespflege für Demenzkranke noch erweitern, den Senioren in der warmen Jahreszeit einen „Garten für alle Sinne“ zum Entspannen bieten – und setzt bei diesen Projekten ganz auf die OVB-Weihnachtsaktion.

Die 50 000-Euro-Marke haben unsere Leser schon geknackt. Aktuell befinden sich über 54000 Euro auf den zwei Spendenkonten (siehe eingeblockte Grafik). Die neueste Liste mit den Namen der Spender wird morgen abgedruckt.

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