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WASSERBURG & REGION

Im Vollrausch auf die Intensivstation

Wasserburg – Auslöser war ein Zwischenfall auf dem Kirchhofplatz in Wasserburg.

Nachdem der junge Mann kurz vorher aus disziplinarischen Gründen aus dem Inn-Salzach-Klinikum geflogen war, eskalierte die Situation. Nach eigenen Angaben trank der Angeklagte aus Frust etwa einen halben Liter Wodka und warf etwa 20 Pillen aus der Medikamentenbox einer Bekannten ein. Außer einem Bild, wo er mit Gewalt in einen Krankenwagen gebracht werden sollte, habe er keine Erinnerungen mehr, so der 29-Jährige. Laut Anklage war der Rettungsdienst gerufen worden, weil der Mann besinnungslos halb auf der Bank und halb in den Büschen gefunden wurde. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, wollte er sich nicht in die Klinik bringen lassen. Der Angeklagte sei erheblich alkoholisiert gewesen, so die Aussage der Rettungssanitäter. Sein desolater Zustand, seine Stimmungsschwankungen und eine leere Medikamentenverpackung sorgten für Handlungsbedarf. Ohne medizinische Überwachung hätte aus Sicht der Sanitäter akute Lebensgefahr bestanden. Doch trotz guten Zuredens habe sich der Angeklagte mit Händen und Füßen gewehrt und auch nicht mit Beleidigungen gespart. Auch die hinzugerufene Polizei konnte den Wasserburger, der seit Teenagertagen drogenabhängig ist, nicht besänftigen. Beim Versuch ihn aufzurichten, wehrte er sich so heftig, dass einer der Beamten Hämatome an den Armen und Schürfwunden an den Knien erlitt. Mit vereinten Kräften schafften es Polizei und Rettungsdienst, den Angeklagten auf der Trage zu fixieren. Dabei beleidigte er die Helfer massiv und drohte sie umzubringen oder sie von „den russischen Freunden“ zusammenschlagen zu lassen. „Es tut mir sehr leid und vielen Dank, dass sie mich gerettet haben“, sagte der Angeklagte im Gerichtssaal zu den Sanitätern und dem Polizist und räumte den Tatvorwurf ein.Im Nachhinein könne er sein Verhalten nur so erklären, dass er seiner Misere mit Arbeits- und Obdachlosigkeit entfliehen wollte und sich deshalb „weggeschossen“ habe. Er habe damals völlig die Kontrolle verloren, doch mittlerweile habe er sein Leben wieder im Griff. Er habe eine feste Arbeitsstelle, eine Wohnung und eine Partnerin und seit seinem Ausraster vor zehn Monaten keinen Rausch mehr gehabt. Der gerichtliche Sachverständige bestätigte zum Tatzeitpunkt eine rückgerechnete Alkoholisierung von maximal 1,97 Promille. Valium, Antidepressiva und Schmerzmittel hätten die Wirkung deutlich verstärkt. Die Steuerungsfähigkeit und die Einsichtsfähigkeit seien sehr beeinträchtig gewesen. Für die Anklagevertretung stand die Schuldunfähigkeit aufgrund der Alkoholisierung und des Medikamentencocktails fest. Deshalb sei der Angeklagte auch nicht wegen Widerstands, Körperverletzung und Beleidigung angeklagt, sondern wegen fahrlässigen Vollrauschs. Dafür sei eine Freiheitsstrafe von neun Monaten angemessen. Da der Angeklagte auf einen guten Weg sei, solle er mit der Strafaussetzung die Chance bekommen, diesen weiterzugehen. Der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war, legte das Strafmaß ins Ermessen des Gerichts. Richter Dirk Dombrowski blieb mit seinem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft und war auch überzeugt, dass die Freiheitsstrafe trotz einschlägiger offener Bewährung, erneut zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Zugunsten des Angeklagten wertete er dessen Ehrlichkeit und Einsicht sowie die frühzeitigen Entschuldigungen bei Polizei und Rettungskräften. Er müsse sich aber darüber im Klaren sein, dass ihm ein weiterer Konsum von Rauschmittel das Kreuz breche.

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