Frostige Temperaturen auf dem Weg zur Arbeit?Verspätungen bei Schneechaos

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Pünktlich zur Eröffnung des Christkindlmarktes hielt der Winter mit frostigen Temperaturen, Schneefall und Glatteis Einzug und machte aus Straßen und Bürgersteigen abenteuerliche Rutschbahnen.

Dabei stellt sich die Frage, ob sich der Arbeitnehmer witterungsbedingte Verspätungen zum Beispiel wegen eines Zugausfalls zurechnen lassen muss. Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden, nämlich erstens die Frage, ob dem Arbeitnehmer trotz einer witterungsbedingten Verspätung der volle Lohnanspruch erhalten bleibt, und zweitens die Frage, ob der Arbeitnehmer aufgrund der Verspätung eine Abmahnung riskiert. Die erste Frage ist mit „Nein“ zu beantworten. Zwar gibt es neben der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall auch noch § 616 Bürgerliches Gesetzbuch, der den Lohnanspruchbei vorübergehender Arbeitsverhinderung aufrechterhält, doch ist die Vorschrift zumeist im Arbeitsvertrag (zulässigerweise) abbedungen. Selbst, wenn dies nicht der Fall ist, hilft sie nicht weiter, da sie nicht für objektive Leistungshindernisse wie Glatteis gilt. Ebenso wenig fällt die witterungsbedingte Verspätung unter das Betriebsrisiko des Arbeitsgebers, denn insoweit werden nur Probleme in der Sphäre des Arbeitgebers, wie der Ausfall einer Maschine, berücksichtigt. Damit bleibt das Wegerisiko überwiegend beim Arbeitnehmer. Zwar entfällt in diesen Fällen die Arbeitspflicht, aber auch der Entgeltanspruch. Der Arbeitnehmer muss also auf die Kulanzdes Arbeitgebers hoffen und/oder die verlorene Arbeitszeit – soweit möglich und zumutbar – nacharbeiten.

Bei der zweiten Frage kommt es darauf an, ob den Arbeitnehmer ein Verschulden für die Verspätung trifft. Bei einem plötzlichen und unerwarteten Blitzeis auf der Autobahn wird man dem Arbeitnehmer keinen Vorwurf machen können. Wer aber nach fünf Wochen Schneechaos immer noch täglich mit dem Argument zu spät zur Arbeit kommt, dass es wieder heftig geschneit habe, riskiert eine Abmahnung, da es – jedenfalls nach derzeitiger Rechtslage – jedem Arbeitnehmer zuzumuten ist, sich über die Wetterlage zu informieren und ggf. mehr Zeit für die Anreise zum Arbeitgeber einzuplanen.

Deshalb ist jedem Arbeitnehmer zu empfehlen, sich trotz Glühwein-Stimmung am Abend rechtzeitig Gedanken darüber zu machen, wie er am nächsten Tag zur Arbeit kommt, oder gleich den Resturlaub zu nehmen, damit dieser nicht am 31.12. verfällt.

Werner Querl, Rechtsanwalt

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