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„Wir wollen die Verletzungen reduzieren“

Die FIS steht mit ihrem Vorhaben vor einem Dilemma: Die Athleten wollen lieber spektakuläre Rennen, neueste Studien belegen aber das enorme Verletzungsrisiko. Jeder dritte Gestürzte verletzt sich am Knie. Ausfälle von über vier Wochen werden immer häufiger.

SKI ALPIN

Die FIS steht mit ihrem Vorhaben vor einem Dilemma: Die Athleten wollen lieber spektakuläre Rennen, neueste Studien belegen aber das enorme Verletzungsrisiko. Jeder dritte Gestürzte verletzt sich am Knie. Ausfälle von über vier Wochen werden immer häufiger.

Von Klaus WieNdl

Rottach-Egern – „Musste gestern noch mal am linken Knie operiert werden. Zum Glück ist alles gut gelaufen. Jetzt stehen drei Wochen Reha auf dem Programm“, teilt die Slalom-Spezialistin Susanne Riesch via Facebook ihren Fans mit. Der Start zwei Tage zuvor, am 16. November in Levi, habe ihr gezeigt, wofür sie das tue.

Hinter ihr liegen zwei Winter ohne Wettkämpfe. Im September 2011 stürzt sie im Trainingslager in Chile schwer, ihr linkes Knie wird dabei regelrecht zertrümmert: Kreuzbandriss, Bruch des Schienbeinkopfes, Meniskusriss. Das Ende? Sie beißt sich durch. „Es war ein tolles Gefühl, wieder dabei zu sein. Ich werde alles versuchen, um beim nächsten Slalom wieder starten zu können.“ Und der ist bereits Mitte Dezember. Wenig Zeit also für Reha und anschließendes Training.

Am Knie erwischt hat es auch ihren Slalom-Kollegen Felix Neureuther. Er blieb in Levi an einem Tor hängen und überschlug sich. Sein Arzt stellte fest, dass sein Knie fast ausgerenkt war.

Die beiden Garmischer Neureuther und Susanne Riesch sind zwei symptomatische Fälle von Verletzungen im Skirennsport, die das Oslo Sports Trauma Research Center (OSTRC) seit 2006 untersucht. Ihre Kernaussage bei der Befragung von 577 verletzten Athleten bis 2012: „Im Vordergrund stehen die Knieverletzungen im alpinen Rennsport mit über 38 Prozent, gefolgt von den Hand- und Fingerverletzungen mit 11Prozent“.

Die Folgen für die Verunfallten belegt eine andere Zahl: Ein Drittel aller Verletzungen führten zu einer Abwesenheit von über 28 Tagen. „Deshalb ist es unsere oberste Aufgabe, die Verletzungen zu reduzieren“, sagt der Experte für Sportverletzungen, Dr. Hubert Hörterer aus Rottach-Egern. Er ist Leiter der medizinischen Kommission des Internationalen Skiverbandes (FIS), der das OSTRC mit der Studie beauftragte.

Ein weiterer Forschungsauftrag über „Verletzungsursachen und Möglichkeiten präventiver Maßnahmen“ ging an Prof. Erich Müller von der Universität in Salzburg. Sein Ziel war es, die Stürze zu analysieren. Die Fragestellung war: Welche Mechanismen führen zu Unfällen. Erstaunliches kam dabei zu Tage. Basierend auf Video-Analysen von 20 Verletzungen zeigte sich, dass beim sogenannten „Slip-catch“, wenn der talseitige Ski einfädelt, es in der Folge zu einer X-Beinstellung sowie zu einer Innenrotation im Knie kommt – und damit zu Verletzungen des vorderen Kreuzbandes. „Die Ursachen für solche Fahrfehler sind vielfältig“, beschreibt Hörterer die Untersuchungen, „es sind Streckenführung und Pistenbeschaffenheit, der konditionelle und technische Zustand des Athleten und natürlich das Material, der Ski.“

Und beim Ski setzte die FIS im August 2012 den Hebel an und änderte das Materialreglement. Die Maxime lautet nun: Länger, schmäler, tiefer, weniger tailliert. Seit vergangener Rennsaison fahren alle Athleten, außer im Slalom, auf diesen Skiern. „Mit dieser Umstellung rutschen die Läufer mehr, vor allem im Riesenslalom. Und jetzt ist die Frage“, so hofft Hörterer, „wenn sie weniger aggressiv fahren, gibt das gleichzeitig weniger Unfälle?“

Eine endgültige Antwort darauf, ob der weniger taillierte Ski aus medizinischer Sicht den gewünschten Erfolg bringt, erwartet die FIS erst Ende der kommenden Rennsaison. „Denn Müllers Studien an der Salzburger Uni haben ganz klar gezeigt, wenn der Ski mit der geringeren Taillierung etwas mehr ausgerutscht wird, kommen weniger Belastungen auf das Knie“, beschreibt Hörterer das Dilemma des alpinen Rennsports, „der grundsätzlich natürlich ein gewisses Verletzungsrisiko hat.“

Das die Rennläufer offenbar ignorieren, denn die wollen nach dem Motto fahren: Je spektakulärer, desto besser. Schließlich geht es um die Medienwirksamkeit, um Einschaltquoten und Werbeeinnahmen. „Wir Ärzte können nur Empfehlungen geben“, bedauert Hörterer, „Entscheidungen im Rennsport werden häufig aus wirtschaftlichen und medialen Gründen gegen den ärztlichen Rat getroffen.“

Taugt hier das Beispiel Susanne Riesch? Ihr wurde nur zwei Tage nach ihrem ersten Rennen in dieser Saison ein Teil des Außenmeniskus entfernt. Der Arzt verordnete ihr drei Wochen Schonung. Vom Ehrgeiz getrieben aber will Riesch bereits am 17. Dezember im Weltcupzirkus wieder an den Start gehen.  

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