ORGANISATOR GERNOT WEIGL ÜBER DEN MÜNCHEN MARATHON, SICHERHEITSKONZEPTE UND DIE ZUKUNFT MIT TITELSPONSOR

„Wir haben 5,4 Prozent Zuwachs“

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München – Am Sonntag ist München Marathon, eine der größten Veranstaltungen des Sportjahres in der Stadt.

Über 22 000 Sportler werden auf den Straßen sein. Ein Gespräch mit Organisator Gernot Weigl darüber, wie man so etwas auf die Beine stellt – und was die Zukunft bringt.

-Herr Weigl, mal dumm gefragt: Wenn man einen Marathonlauf organisieren will, wen muss man um Erlaubnis fragen?

Wir haben 42 Kilometer auf öffentlichem Grund, daher braucht man für die verkehrsrechtliche Genehmigung die lokale Behörde, im Fall München das Kreisverwaltungsreferat. Dann gibt es einen Auflagen- und Genehmigungsbescheid. Es ist ein Anhörungsverfahren mit den zuständigen Referaten, mit Polizei, Notfalldiensten, mit der MVG. Für die Nutzung des Olympiaparks für Start- und Zielbereich müssen wir mit deren GmbH sprechen, Olympiastadion, Olympiahalle und die Möglichkeiten der Teilnehmer zum Duschen in der Schwimmhalle anmieten.

-Eine Menge Holz.

Wir machen das ja im 18. Jahr. Es hat sich ein großes Team gebildet, auf unserer Seite und der der öffentlichen Hand. Die Strecke ist optimiert – von der sportlichen Seite, dass wir trotz Überquerung der Isar nicht zu viele Höhenunterschiede haben durch das Hochufer, als auch von der verkehrstechnischen, dass es für die Anwohner verkraftbar ist. Und von der touristischen Seite ist fast alles an München-Attraktionen im Streckenplan inkludiert, was ja auch unser Markenzeichen ist. Seit zehn Jahren haben wir den Idealzustand gefunden.

-Durch den Englischen Garten führt die Strecke ja auch. Wem gehört der?

Der ist Privatgrund und gehört dem Freistaat Bayern. Dafür brauchen wir eine gesonderte Genehmigung, zuständig ist die Schlösser- und Seenverwaltung. Was die Teilnehmer natürlich nicht wissen: Wir geben der Schlösserverwaltung immer den Spezialauftrag, dass um sechs Uhr in der Früh die Wege vom Laub befreit werden. Viele wundern sich, warum am zweiten Oktober-Sonntag die Wege immer frei sind.

-Aber das kostet extra.

50 Cent pro Starter, dass wir durch den Englischen Garten laufen dürfen.

-Hat sich der Sicherheitsaspekt in 18 Jahren verändert?

Gewaltig! Wir haben ein Sicherheitskonzept erarbeitet, was wir aber gerne machen, weil wir nicht nur den 22 000 Teilnehmern verpflichtet sind, sondern auch den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt. Ohne zu viel zu sagen: Es ist nicht nur ein Präventivkonzept, sondern regelt auch: Wie reagieren wir, wenn etwas passiert am Marathontag an einem bestimmten Platz?

-Berlin, der größte deutsche Marathon, hat sogar durchsichtige Starterbeutel eingeführt.

Das machen wir nicht, weil es den Läufern, vor allem den Frauen, wie wir erfahren haben, missfallen würde, wenn zu sehen ist, was sie in ihren Beuteln haben. Das ist Privatsache. Die manuelle Kontrolle durch die Sicherheitskräfte, ein Abtasten bei der Abgabe der Beutel, hat sich als ausreichend erwiesen.

-Sie bieten neben dem Marathon auch Staffeln, Halbmarathon und 10 km an. Marathon ist zwar der Headliner, aber wohl nicht der teilnehmerstärkste Wettbewerb.

Wir haben eine Rekordmeldezahl mit über 22 000 Teilnehmern, das entspricht einem Zuwachs von 5,4 Prozent – was nicht selbstverständlich ist. Den Zuwachs verdanken wir den zusätzlichen Wettbewerben, im Marathon haben wir eine Stagnation, womit wir auch schon zufrieden sind. Ich habe für mich die Erklärung entdeckt: Sind die Zeiten wirtschaftlich schlecht, sind die Marathonzahlen gut. Durch sportliche Leistungen will man sich in der Tristesse etwas beweisen. Wenn die Wirtschaft boomt, wird gerne gelaufen, aber halt eine der Unterdistanzen, denn man ist voll eingebunden in seinen Beruf. Dass ein Veranstalter nur die Marathonstrecke im Angebot hat, das können sich nur die ganz großen Städte leisten, die auch Tourismus-Magneten sind.

-Ab 2018 steigt Generali, der Versicherungskonzern, als Namenssponsor ein. Was ändert sich für den München Marathon?

Generali hat seit zwei Jahren den Firmensitz für Deutschland konzentriert in München, Giovanni Liferani, der Chef, ist selbst ein begeisterter Läufer, war Mitglied der italienischen Orientierungslauf-Nationalmannschaft. Generali ist unser erster Titelsponsor, seit wir den Marathon hier organisieren, wir können das Budget für Werbemaßnahmen einsetzen, die Medienarbeit verstärken – und ins Sicherheitskonzept investieren.

-Ins Teilnehmerfeld werden Sie also nicht investieren. Vorbehalte gegen die Wertigkeit des München Marathons werden an den Siegeszeiten festgemacht. In Berlin wurde eine 2:03 gelaufen, in München schaffte der Schnellste 2016 die Strecke in 2:27.

Wir vernehmen von keiner Seite, weder von der Stadt noch von unserem zukünftigen Titelsponsor oder den anderen Sponsoren die Forderung, ein bestimmtes Athletenfeld zu verpflichten und dafür einen sechsstelligen Betrag zu investieren. Und was bringt es in der heutigen Zeit, jemanden für 2:15 oder 2:10 zu holen, wenn die Weltklasse fast schon bei zwei Stunden angelangt ist? Wir haben die nächsten drei Jahre die Bayerischen Meisterschaften und werden uns auch um die Deutsche wieder bemühen. Die Top-Athleten kommen dann automatisch.

-Favoriten 2017?

Noch nicht klar zu sagen. Man kann sich bei uns ja noch auf der Marathon Messe nachträglich anmelden, viele Top-Athleten wissen und machen das.

Das Interview führte Günter Klein

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