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„Weltmeister für Bayern werden“ Robin Krasniqi will einen großen Karriereschritt machen Von Günter Klein München –...

„Weltmeister für Bayern werden“ Robin Krasniqi will einen großen Karriereschritt machen Von Günter Klein München – Er hat das drauf, er kann den bösen Mann spielen. „Weltmeister für Bayern werden“.

Robin Krasniqi will einen großen Karriereschritt machen

Von Günter Klein

München – Er hat das drauf, er kann den bösen Mann spielen. Dazu gehört: Sich dem Kontrahenten so gegenüberstellen, dass die Nasen nur noch Zentimeter auseinander sind. Und Robin Krasniqi hat eine breite Nase, eine Boxer-Nase. Dann den Blick in die Augen des Gegners richten, nicht blinzeln, nicht weichen. Irgendwann lässt einer der beiden es sein, und das Posing löst sich auf. Bei Robin Krasniqi weicht der gespielte Grimm umgehend einem freundlichen Lächeln. Er ist keiner, der seinen Sport zum Krieg hochinszenieren muss.

Robin Krasniqi, 27 Jahre alt, boxt am heutigen Samstag im BallhausForum in Unterschleißheim. Er bringt zwei Gürtel mit, den des Internationalen Meisters des Verbandes WBO und den des Continental Champion der WBA. Zwei schmucke Teile – aber noch nicht das Wahre. Robin Krasniqi möchte Weltmeister werden, in den Weltranglisten steht er gut da, und wenn er sich den Polen Dariusz Sek, einen Mann mit guter Kampfbilanz (21 Siege, eine Niederlage, ein Unentschieden) vom Leib hält, steuert er 2015 auf einen Titelkampf gegen Jürgen Brähmer zu. Der ist – auch wegen seines „Bad Boy“-Images – in Deutschland bestens bekannt. Wenn er Brähmer fordern könnte, würde das auch Krasniqi aufwerten. Dessen Traum: „Weltmeister für München und Bayern werden.“

Beim Namen Krasniqi denken die Leute ja meist noch an Luan, den Schwergewichtler aus Rottweil, der aber schon vor ein paar Jahren aufgehört hat und den man ab und zu noch als Fernsehexperten sieht. Robin ist mit Luan „nicht richtig verwandt“, stammt aber ebenfalls aus dem Dorf Junik im Kosovo. Und er hat an den berühmten Krasniqi gedacht, als er mit 17 nach Deutschland kam.

In München hat Robin Krasniqi, der mit Vornamen eigentlich Haxhi heißt („War für die Leute aber zu schwer auszusprechen“), die Mustergeschichte einer Integration hingelegt. Er war 17, als er kam. Sein Deutsch ist vorzüglich: grammatikalisch sicher und wortreich. Im Kosovo hatte er Karate gelernt, nun fing er mit Boxen an. Es hat sich schnell ergeben mit einer Profikarriere. Als er dann aus der kleinen Profi-Abteilung der Münchner Boxfabrik zur Magdeburger SES-Promotion (dem zweitgrößten deutschen Stall nach Sauerland) wechselte, wurde sein Sport für ihn auch lukrativ. „Ich kann gut davon leben“, sagt Robin Krasniqi, der seinem Vater für die Anschubfinanzierung dankbar ist: „Fünf Jahre hat er mich unterstützt.“

Vater und Bruder sind im Obst- und Gemüsehandel, sie fahren mit ihrem Stand auf Märkte in München und Umgebung, fast jeden Tag sind sie woanders anzutreffen. Mutter Krasniqi lebt im Kosovo, seit Jahren reist Robin regelmäßig hin, um sie zu besuchen. Kürzlich war sie bei ihm in München. „Aber zum Kampf wird sie nicht da sein, sie will das auch nicht im Fernsehen verfolgen“, sagt Robin.

Zu Beginn seiner Laufbahn hat er oft in München geboxt, seit über vier Jahren aber nicht mehr. Denn die SES-Promotion, die Krasniqi unter Vertrag nahm, veranstalte vor allem im Osten Deutschlands: Dessau, Potsdam, Dresden, Magdeburg, Riesa. Endlich kann er sich jetzt seinem Publikum zeigen.

Das Sparring für den Unterschleißheimer Kampfabend fand in der SES-Zentrale in Magdeburg statt. Dirk Dzemski ist dort Trainer – und er sieht enorme boxerische Fortschritte bei Krasniqi, seit der im April 2013 in der Londoner Wembley-Arena gegen den britischen Weltmeister Nathan Cleverly nach Punkten verlor. Er warnt jedoch auch, „dass Dariusz Sek ein Gegner auf Augenhöhe ist. Als Rechtsausleger ein Risiko. Robin setzt seine Weltranglistenpunkte mit diesem Kampf aufs Spiel“.

Doch natürlich glaubt ein Trainer an seinen Mann – das gilt für Dzemski und erst recht für Alfred Segerer, den Konditionstrainer von der Bundeswehr in München. „Um die 30 Bergmärsche“ hat Segerer in der Vorbereitung untergebracht, vier Blitztouren auf die Zugspitze inklusive. „Boxer glauben zunächst nie, dass sie da raufkommen, wenn sie unten stehen.“ Robin Krasniqi schreckt der Anblick einer Felswand weniger als andere: „Wo ich aufgewachsen bin, ist der höchste Berg 2690 Meter hoch.“ So viel fehlt da nicht zur Zugspitze (2962 m) – Robin Krasniqi fühlt sich in Bayern daher gut aufgehoben.

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