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WERNER SCHUSTER HAT DIE DEUTSCHEN SKISPRINGER WIEDER AN DIE WELTSPITZE GEFÜHRT – NUN DENKT ER OFFENBAR AN ABSCHIED

Der Wander-Rucksack liegt griffbereit

VON ARMIN GIBIS. Pyeongchang – Werner Schuster erinnert sich noch gut an seine Anfänge als Bundestrainer.

„Es hat damals ein Tal gegeben. Aber immer, wenn man im Tal ist, kann man einen Rucksack packen und auf einen neuen Berg gehen.“ Den Gipfel hat der Österreicher nun auf den Schanzen im Alpensia Jumping erreicht. Unter seiner Regie errangen die deutschen Skispringer drei olympische Medaillen – auch Schuster gehört damit zu den großen deutschen Gewinnern dieser Winterspiele. Doch spätestens seit dem Team-Silber scheint durchaus denkbar, dass der 48-Jährige seinen Rucksack packen wird. „Ich bin jetzt zehn Jahre im Amt“, sagte er in der Nacht auf Dienstag, „wir sind ja eigentlich Verrückte, wir haben Familie und reisen 200 Tage durch die Welt. Das hat sicher irgendwann ein Ablaufdatum. Ich arbeite wirklich intensiv, stecke total viel Energie rein. Da muss man sich gut überlegen, wie das weitergeht.“

Das klang zweifelsohne nach konkreten Abschiedsgedanken. Schon nach dem Olympiasieg von Andreas Wellinger auf der Kleinschanze hatte Schuster vergangene Woche in Pyeongchang gesagt: „Es ist möglich, dass man sagt: Projekt beendet. Es gibt aber auch die Hermann-Weinbuch-Story, der jedes Jahr das Projekt weiterführt. Ob es bald endet oder noch ewig weitergeht, weiß ich nicht.“ Seine Mission sieht er jedenfalls bereits erfüllt. „Ich kann sagen: Es hat sich rentiert. Egal, wie es ausgeht: Es wird ein toller Abschnitt in meinem Leben gewesen sein.“

Schusters Vertrag läuft noch ein Jahr, also bis einschließlich der WM in Seefeld. Bereits im Januar hatte Horst Hüttel, der sportliche Leiter, erklärt: „Am Anfang hätten nicht viele vermutet, dass sich das mit Werner über zehn oder elf Jahre erstrecken würde. Wenn es nach mir geht, wird sich das noch weiter verlängern.“ Zum Termin der Verhandlungen hatte Hüttel gesagt: „Wir sind so verblieben, dass wir uns im Laufe des kommenden Herbstes oder Frühwinters zusammensetzen.“ Schusters jüngste Anmerkungen hörten sich allerdings eher so an, als ob sich der Deutsche Ski-Verband (DSV) sputen sollte. Andreas Wellinger, Schusters aktueller Primus, erklärte gestern: „Wir tun alles dafür, dass er motiviert ist. Alles andere muss sich der DSV überlegen.“

Schuster, der im Skigymnasium in Stams ausgebildet wurde, den österreichischen Nachwuchs betreute und dann für ein Jahr in der Schweiz war, hatte sein Amt 2008 angetreten. „Es war eine berufliche Herausforderung, sich mit einem neuen System auseinanderzusetzen. Mit all seinen Möglichkeiten war Deutschland damals wie ein weißes Blatt, wo man sogar die Strukturen beeinflussen konnte. Diese Chance kommt nicht so oft“, erzählte er: „Das ist so, als ob man von einem Regionalblatt kommt und zum Chefredakteur einer deutschlandweiten Zeitung wird.“

Seine Chefrolle füllte er mit großer Detailversessenheit aus. Wellinger befand dieser Tage über seinen Coach: „Es gibt wenige Trainer, die so akribisch, viel und lang über Skispringen nachdenken. Er versucht uns dann seine Gedanken, relativ einfach mit auf den Weg zu geben. Mir hat das sehr geholfen.“ Olympiadebütant Karl Geiger formulierte etwas rustikaler: „Er hat uns gut im Griff, er gibt uns im richtigen Moment den richtigen Tritt in den Hintern.“

Schuster erklärte sich sein so starkes Faible für den Skisprung auch mit seinem familiären Hintergrund: „Mein Vater Willy war selbst Skispringer und 30 Jahre ehrenamtlich im Skispringen tätig. Da kriegt man einfach die Leidenschaft und das Herzblut mit. Das ist mir in die Wiege gelegt.“ Entsprechend schwungvoll machte er sich vor fast zehn Jahren an die Renovierung des deutschen Skispringens. „Wir hatten Freiheiten, die Strukturen umzukrempeln und was Neues auszuprobieren. Wir hatten auch das Vertrauen, etwas Neues aufzubauen. Das ist jetzt gewachsen.“

Seit Jahren zählen die DSV-Flieger wieder zur Weltspitze. Zu den wichtigsten Stationen sagte Schuster: „Es gibt drei wirkliche Big Points. Der Durchbruch war der Teamsieg 2014 bei den Spielen in Sotschi. Der zweite Eckpfeiler war der Weltmeistertitel 2015 von Severin Freund. Und nun die drei Medaillen von Pyeongchang.“ Zu seiner Erfolgsbilanz zählt er auch die Harmonie: „Schön ist, dass die Athleten und das Trainerteam nach all den vielen Jahren immer noch so gut funktionieren.“ Wäre jammerschade, wenn das nun beendet würde.

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