BASKETBALL

Vorsichtige Experimente

Vor dem Eurocup-Heimspiel gegen Turin überlegt der FC Bayern, wie er Milan Macvan ersetzt

München – Im Trainerbüro des FC Bayern deutete am Dienstagmorgen nur wenig auf die sportlichen Veränderungen hin, die der Tabellenführer der Basketball-Bundesliga in diesen Tagen vollziehen muss. Mehrere Kalender und eine vollgekritzelte Taktiktafel zierten die Wände, auf dem großen Tisch stapelten sich Autogrammkarten von Co-Trainer Goran Bjedov. Ansonsten erwies sich der Büroraum am Westpark als erstaunlich gewöhnlich. Und doch war es irgendwie passend, dass sich Aleksandar Djordjevic jenen Ort ausgesucht hatte, um die dringenden sportlichen Fragen zu diskutieren

Eine Woche ist es nun her, dass der serbische Nationalspieler und Bayern-Vizekapitän Milan Macvan, 28, sich das Kreuzband gerissen hat. Den ersten Einsatz ohne ihren Power Forward haben die Bayern am vergangenen Freitag in Würzburg gemeistert (80:74-Sieg). Ob die Bayern den Ausfall langfristig abfedern können, wird man erst in den kommenden Wochen feststellen. Schon heute (20 Uhr) folgt im Eurocup-Heimspiel gegen Fiat Turin der nächste bedeutende Auftritt.

Djordjevic sagt sogar: „Das ist wichtigste Spiel des Jahres.“ Diese Zuspitzung mag etwas übertrieben sein, fest aber steht: Gewinnen die Bayern, können sie bereits sicher für das Viertelfinale planen – und ein Endspiel im litauischen Vilnius am kommenden Mittwoch umgehen. Nur zwingt der Macvan-Ausfall die Bayern inmitten der Saison, ihre bisher erfolgreiche Strategie anzupassen. Es gebe andere Profis, die höher springen oder besser werfen als Macvan, betonte Djordjevic. „Aber es geht eben auch um den Einfluss, den er auf eine Gruppe hat. Das ist schwer zu ersetzen.“

Nun haben sich der Cheftrainer und seine Assistenten natürlich schon in ihr Büro zurückgezogen und an neuen taktischen Varianten gefeilt. Vorerst haben sie Nationalspieler Danilo Barthel in die Startformation berufen. „Seine Vielseitigkeit wird uns helfen“, glaubt Djordjevic. Um den Größenvorteil zu erhalten, wird der Trainer hin und wieder auch die beiden Center Devin Booker (2,05 Meter) und Maik Zirbes (2,07) gemeinsam aufs Feld schicken. Auch Aufstellungen mit vier Guards probierte er zuletzt häufiger aus. Eine Option, die er sich aber nur „für bestimmte Spiele“ vorbehält.

Bald dürfte auch der lange verletzt Vladimir Lucic wieder mitmischen. Den Serben nennt Djordjevic „the real deal“, einen richtigen Knaller. Und trotzdem denken die Bayern darüber nach, sich extern zu verstärken. Weil die Meldefrist im Eurocup aber bereits abgelaufen ist, dürfte ein Neuzugang nur in der Bundesliga auflaufen.

Nicht nur daher warnt Djordjevic davor, „jetzt alles auf den Kopf zu stellen“. In seinem Büro dürfte der Trainer nämlich festgestellt haben: Die Basis für den Erfolg steht. christopher meltzer

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