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Die (vor-)letzte Etappe

90 Minuten stehen noch zwischen dem FC Bayern und dem Finale der Champions League in London. Dass in Barcelona Probleme auftreten könnten, glaubt niemand – trotzdem zwingen sich die Münchner zur Achtsamkeit.

90 Minuten stehen noch zwischen dem FC Bayern und dem Finale der Champions League in London. Dass in Barcelona Probleme auftreten könnten, glaubt niemand – trotzdem zwingen sich die Münchner zur Achtsamkeit.

Von Günter Klein

München – 2009 lief es genau umgekehrt, als Bayern und Barcelona in der Champions League aufeinander trafen. Das Hinspiel gewann Barcelona 4:0 in seiner Heimstatt Camp Nou, der ehemalige Bayern-Trainer Udo Lattek weinte vor Schmerz und Scham. Nun, 2013 im Halbfinale, sind es die Münchner die ein 4:0 vorgelegt haben. Tränenfluss bei allen Katalanen.

Vor vier Jahren wurde vor dem Rückspiel dennoch der Wunderglaube bemüht. Er spüre einen großen Abend nahen, sagte noch am Morgen der damalige Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann. Die gewünschte magische Nacht fand dann nicht statt, die angeknacksten Bayern verkauften sich zwar nicht schlecht, die Partie endete aber lediglich 1:1. Doch beim Schlusspfiff verspürte man eine erstaunliche Erleichterung auf Seiten des FC Barcelona. Man kann ein Wunder eben auch befürchten.

Darum fühlen sich auch die Bayern, wenn sie an diesem Dienstagvormittag die Reise nach Barcelona antreten, noch nicht restlos sicher. Ihnen ist bewusst: Das 0:4 von München war nicht die ganze Wahrheit über Barcelona. „Wenn es eine Mannschaft gibt, die ein 0:4 korrigieren kann, dann ist es Barca“, sagt Arjen Robben, der selbst schon in Spanien gespielt hat, bei Real Madrid.

Im vorigen Jahr haben die Bayern beim Halbfinale in Madrid – auch das war das Rückspiel – erfahren, dass ein 0:2-Rückstand sich schnell ergeben kann. Damals haben sie sich gesammelt, ein Tor geschossen und in die Verlängerung gerettet, das Elfmeterschießen gewannen sie. Doch Barcelona ist spielerisch noch vermögender als Real und auch in der Lage zu einem 3:0, 4:0. Dem AC Mailand hat Barcelona vor ein paar Wochen eben ein solches 4:0 eingeschenkt.

Aber natürlich kann Barcelona nicht hemmungslos offensiv in dieses Match gehen. „Die haben auch Angst“, glaubt Robben, „denn sie wissen: Wenn wir ein Tor schießen, dann müssen sie schon sechs machen.“

Ist es in dieser Saison denkbar, dass der FC Bayern überhaupt vier Tore kassiert? Oder mal Manuel Neuer gefragt, wann er zuletzt so viele Gegentreffer kassiert hat. Die Antwort kommt prompt, unterlegt mit einem sarkastischen Lächeln: „Gegen Schweden.“ Da war er nicht Bayern-, sondern Nationaltorwart bei diesem kuriosen Spiel im Oktober in Berlin; um ihn herum waren jedoch jede Menge Münchner Akteure, als es hereinbrach: in einer halben Stunde von der 4:0-Gala zum 4:4-Desaster (aber vier eigene Tore wären am Mittwoch willkommen, vier von Barca würden dann nicht stören)

Einmal im Verlauf der letzten zwölf Monate hat sich Manuel Neuer sogar fünfmal überwinden lassen müssen, das war beim Pokalfinale – ebenfalls in Berlin – gegen Borussia Dortmund. Über das 2:5 gegen den BVB sagt er aber: „Habe ich verdrängt.“

Zwei, drei der vier Tore gegen Barcelona vor einer Woche waren strittig, die Klarheit des Ergebnisses hatte auch mit einer schlechten Schiedsrichterleistung zu tun. Ehrlich erarbeitet war aber in jedem Fall die Null, die hinten stand. Der FC Bayern kann verteidigen, wie er es noch nie gekonnt hat, neben der personellen Ausstattung und Tiefe des Kaders gilt das als Hauptgrund für den Aufschwung. Franck Ribery und Arjen Robben wurden für ihre Leistung als linker und rechter Verteidiger gegen Barca gepriesen.

„Jetzt mal nicht übertreiben“, sagt Robben und lacht, „ich denke, gegen Juventus habe ich genauso gearbeitet“. Dass er gegen Barcelona so weit hinten gespielt habe, „ist logisch, weil der Gegner mehr Ballbesitz hatte als wir“.

Jupp Heynckes führt die veränderten Rollen von Robben und Ribery auf seine Einführung des Gegenpressing zurück. Die beiden Exzentriker auf den Flügeln haben – der Trainer: „Das war ein Prozess“ – kapiert, dass sie dafür mehr einbringen müssen als in ihrer bisherigen Karriere. „Franck“, so erklärt Heynckes es, „ist ein Mannschaftsspieler, und er wusste immer schon, dass das Spiel nach hinten wichtig ist – aber er hat es nie gebraucht. Und für Arjen war der Fußball lange auch eine Einbahnstraße.“ Einzige Richtung: nach vorne. „Wir betreiben ja auch Spielanalysen“, erläutert Heynckes. Vor versammelter Mannschaft mussten sich Robben und Ribery ihre Fehler ansehen – das wirkte.

Stefan Effenberg, dem „Sky“-Experten, der als Spieler die Bayern zum letzten Champions League-Gewinn 2001 geleitet hat, sticht die Körpersprache ins Auge, aus der „totale Überzeugung“ spreche. Er ist überzeugt: „Barcelona wird sich daran die Zähne ausbeißen.“

Auch die Affäre um Uli Hoeneß hat die Mannschaft nicht beeinflusst. „Du bräuchtest weder Zeitung lesen noch fernsehen oder Radio hören – du würdest es mitbekommen, weil es das Thema Nummer eins in Deutschland ist“, sagt Arjen Robben. „Aber auf dem Platz ist nur Fußball, da sind wir fokussiert, das lenkt uns nicht ab.“ Es gab am Montagabend auch keine Aufsichtsratssitzung, auf der irgendeine Entscheidung über das weitere Wirken des Präsidenten Hoeneß beim FC Bayern hätte getroffen werden können – das wird alles erst am 6. Mai besprochen, am kommenden Montagabend.

Wenn der Verein Barcelona schon ein paar Tage lang hinter sich haben und ganz erfüllt sein wird vom neuen Ziel Fianle Wembley. Torwart Manuel Neuer: „Wir sind hungrig, die Misserfolge des letzten Sommers vergessen zu machen.“

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