OBERSTDORFER EISKUNSTLAUF-PAAR SAVCHENKO/MASSOT WIRD FÜR ANSPRUCHSVOLLE KÜR BELOHNT – NUR WENJING/CONG BESSER

Mit vollem Risiko zu WM-Silber

Bei „Lighthouse“ von Patrick Watson wirkt alles ganz leicht: Aljona Savchenko und der in der Vorbereitung verletzte Bruno Massot. Foto: dpa
+
Bei „Lighthouse“ von Patrick Watson wirkt alles ganz leicht: Aljona Savchenko und der in der Vorbereitung verletzte Bruno Massot. Foto: dpa

von britta Körber. Helsinki – Mit viel Risiko und einer romantischen Kür haben Aljona Savchenko und Bruno Massot die Silbermedaille bei der Eiskunstlauf-WM gewonnen.

Zum Song „Lighthouse“ von Patrick Watson machten die Oberstdorfer Paarläufer in Helsinki einen Platz zum Vorjahr gut. Ihre 230,30 Punkte übertrafen nur die  jungen Chinesen Sui Wenjing/Han Cong (232,06). Bronze ging an die Russen Jewgenia Tarasowa/Wladimir Morozow (219,03).

Dreifacher Wurfaxel als Trumpfkarte

Savchenko/Massot zeigten erneut den anspruchsvollen dreifachen Wurfaxel, den kein anderes Paar im Repertoire hat. Nach einer Rückenverletzung des für Deutschland startenden Franzosen konnten die beiden zuletzt nur zwei Wochen voll trainieren. „Wegen der schweren Vorbereitung hatten wir keine Erwartungen. Wir wollten nur das Publikum begeistern“, sagte Massot, der immer noch Schmerzen verspürt. Beide waren so erleichtert, dass sie sich in die Arme fielen und abklatschten.

„Alles war möglich, schon bei der Europameisterschaft haben die beiden unter schwierigen Bedingungen eine außergewöhnliche Leistung abgeliefert“, sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union. Im Januar war Savchenko gerade von einer Knieverletzung genesen. Damit hat der Verband zwei Startplätze für die Winterspiele 2018 in Südkorea. Vorher muss Massot aber noch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen.

Am Nachmittag hatte Paul Fentz in den Katakomben über seinen Einzug in das Finale der besten 24 Läufer gejubelt. „Ich hab’s geschafft, das war das Ziel bei meiner ersten WM. Das ist so stark“, sagte der Berliner nach Platz 20. „Die Erleichterung ist groß, jetzt darf ich die Kür zeigen.“ Die Führung nach dem hochklassigen Kurzprogramm der Herren übernahm Titelverteidiger Javier Fernandez (109,05 Punkte) aus Spanien vor dem Japaner Shoma Uno (104,86). Olympiasieger Yuzuru Hanyu (Japan/98,39) kam mit einigen Patzern nur auf Rang fünf.

Den Song „Wonderwall“ von Paul Anka interpretierte Fentz mit viel Gefühl und genoss den Zuspruch der 10 000 Zuschauer in der Hartwall Arena. Allerdings musste er den vierfachen Toeloop zu Beginn mit einer Hand abstützen und konnte nur noch einen doppelten Toeloop anschließen. Es fehlte eine Umdrehung. „Das war ärgerlich, aber ich bin immerhin im Finale“, sagte der EM-Zehnte. „Ich freue mich so, das Kürkostüm anzuziehen und den Applaus in der tollen Halle zu spüren“, sagte der 24-Jährige.

Paul Fentz aus Berlin zieht ins Finale ein

Ein guter dreifacher Axel plus dreifachem Lutz brachten dem einzigen Deutschen 73,89 Punkte ein. „Das war Saisonbestleistung, mehr kann ich nicht erwarten“, kommentierte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union: „Der Olympia-Startplatz ist in Sicht.“ Dafür muss Fentz mindestens in die Top 20 laufen.

Hunderte japanische Fans warfen Blumen und Stofftiere auf die Eisbahn, als Hanyu mit seiner Vorstellung „Let’s go crazy“ von Prince fertig war. Er selbst war allerdings betrübt, weil er nach dem sauberen vierfachen Rittberger beim vierfachen Toeloop strauchelte. Trainer Brian Orser, der auch Fernandez betreut, tröstete den ehrgeizigen Asiaten. Sein spanischer Schüler blieb ohne Makel. dpa

Kommentare