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JAQUELINE LÖLLING FEIERT MIT DEM GEWINN DER SILBERMEDAILLE DEN BISHERIGEN HÖHEPUNKT IHRER SKELETON-KARRIERE

Verrückt nach Geschwindigkeit

Von Armin Gibis. Pyeongchang – Für Jaqueline Lölling war es sozusagen Charaktersache, dass sie sich einst der Draufgänger-Branche Skeleton verschrieben hat.

„Ich bin schon verrückt“, erklärte sie. Die 23-Jährige aus Siegen meinte das zum einen ganz allgemein („ich bin eben so ein Typ, immer ein bisschen aufgedreht“), und auch im Speziellen. Sie ist verrückt nach Geschwindigkeit: Fährt leidenschaftlich gerne Achterbahn, schnell mit dem Auto – und erst recht im Eiskanal. Schon nach der ersten Fahrt auf einem Skeleton-Gefährt, zwölf Jahre war sie damals alt, stand ihr Entschluss fest, sich ganz dieser Sportart zu widmen: „Ich wusste zwar danach nicht, wo oben und unten ist. Aber es hat Spaß gemacht.“

Über ein Jahrzehnt später raste die Blondine nun in Pyeongchang bäuchlings mit gereckter Faust durchs Ziel. In spektakulärer Superman-Pose also. Die verrückte Jaqueline feierte damit den bisherigen Höhepunkt ihrer Hochgeschwindigkeits-Karriere: Silber bei Olympia. „Ich kann es gar nicht glauben, was hier passiert ist“, sagte sie.

Jaqueline Lölling hat sich in den vergangenen beiden Jahren in ihrem Metier als Weltklasse-Athletin etabliert. 2017 wurde sie Welt- und Europameisterin, in diesem Winter gewann die Blondine von der RSG Hochsauerland vier von acht Weltcuprennen und wiederholte ihren Gesamtsieg vom Vorjahr. „Die Erwartungen von außen waren groß. Ich wusste auch, dass ich ganz vorne landen kann“, erzählte sie. Doch nach den ersten Trainingseindrücken sah sich Bundestrainer Jens Müller, einst Weltklasse-Rodler, zu leichter Skepsis veranlasst: „Wir wussten, dass es nicht einfach werden würde. Im Prinzip war alles möglich.“

Eine große Rolle spielten dabei die neuen High-Tech-Anzüge der Britinnen. Diese hatten sich mit Monturen eingedeckt, die aus dem Bahnradsport stammen. „Es gab natürlich viele Diskussionen im Vorfeld. Aber es gehört zum Skeleton dazu, dass man zum Saisonhöhepunkt jede Kleinigkeit zur Verbesserung nutzt“, erklärte Müller. Ob die Aerodynamik der britischen Kluft etwas gebracht hätte? Müller meinte: „Wenn man sich das Ergebnis anschaut, dann muss man sagen: Die Anzüge haben ihren Teil dazu beigetragen.“ Lölling sagte: „Dieses Thema geisterte hier tagelang rum, und ich wusste nicht, wie viel die Anzüge wirklich ausmachen – aber die Briten haben wohl alles richtig gemacht.“ Lizzy Yarnold aus Seven-oaks/Kent wiederholte letztlich ihren Olympiasieg von Sotschi, ihre Landsfrau Laura Deas (0,62 Sekunden zurück) sicherte sich Bronze. Damit standen erstmals in der olympischen Geschichte zwei Wintersportler aus Großbritannien gemeinsam auf dem Podest.

Dazwischen schob sich die anfangs führende Lölling (0,45), die nachher von einem „Nervenkrieg“ sprach. Das Edelmetall war nach den für die deutschen Skeletonis medaillenlosen Winterspielen von 2014 von größter Bedeutung. „Die ganze Mannschaft hat deshalb vier Jahre lang hart gearbeitet, an allen Schrauben gedreht, ich habe das nicht allein geschafft“, sagte Lölling. Ihre Gefährtinnen, Vizeweltmeisterin Tina Hermann (0,70) und Anna Fernstädt (0,76), belegten die Ränge fünf und sechs. Bundestrainer Müller zeigte sich nicht wunschlos glücklich: „Tina hatte das Potenzial, auf den dritten Rang zu fahren.“

Abends dann im Deutschen Haus hat Jaqueline Lölling ihren Skisprungkollegen Andreas Wellinger getroffen. Die beiden kennen sich seit den Olympischen Jugendspielen 2012. Damals gewannen beide am gleichen Tag Gold. „Wir haben beim Frühstück noch darüber geredet“, erzählte sie. Nun gewannen die beiden am gleichen Tag olympisches Silber. Eine verrückte Geschichte – ganz nach dem Geschmack von Jaqueline Lölling.

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