Die Reihen der Favoriten lichten sich

Tour de France 2020: Die Kandidaten auf das Gelbe Trikot

  • Thomas Neumeier
    vonThomas Neumeier
    schließen

176 Fahrer gehen bei der Tour de France 2020 an den Start – in 22 Mannschaften mit je acht Sportlern. Die meisten Fahrer spielen eine Helfer-Rolle für ihre Teamkapitäne, denen sie möglichst ins Gelbe Trikot verhelfen wollen. Wir stellen Ihnen die aussichtsreichsten Fahrer für einen Gesamtsieg vor.

Paris / Nizza – Im Vorfeld der Frankreich-Rundfahrt gab es das große Favoritensterben. Der viermalige Sieger Christopher Froome und Geraint Thomas, Gewinner der Tour de France im Jahr 2018, wurden vom Team Ineos nicht nominiert. Mit Steven Kruijswijk fällt der Dritte der Vorjahres-Tour wegen einer Verletzung aus.

Siegerehrung bei der Tour de France 2019 für Egan Bernal: Wer folgt dem Kolumbianer 2020 auf den Thron des Rasports?

Angeschlagen waren zuletzt auch Titelverteidiger Egan Bernal, die deutsche Hoffnung Emanuel Buchmann und Primoz Roglic, weshalb die Liste der Favoriten bei der Tour de France 2020 eine so große Bandbreite wie noch nie umfasst.

Die Gesamtwertung der Tour de France 2020 im Überblick

Inside Bora-hansgrohe: Der OVB-Podcast zur Tour de France 2020

Egan Bernal: Der Vorjahressieger der Tour de France

Es wäre verwunderlich, wenn ein Vorjahressieger bei der Tour de France an den Start geht und nicht zu den Top-Favoriten zählen würde. Bei Egan Bernal (23) aus Kolumbien ist das nicht anders. Dieses Jahr hat sein Team Ineos die Mannschaft sogar noch stärker auf ihn zugeschnitten und verzichtet im Aufgebot auf die früheren Toursieger Chris Froome und Geraint Thomas.

Egan Bernal vom Team Ineos siegte im vergangenen Jahr bei der Frankreichrundfahrt.

Der 23-jährige Bernal ist der jüngste Sieger der Tour de France seit genau 100 Jahren. Im Jahr 1909 siegte François Faber aus Luxemburg – der erste Nicht-Franzose, der die Tour gewann. Egan Bernal ist seinerseits der erste Südamerikaner, der im Paris im Gelben Trikot trimphierte.

Emanuel Buchmann und der vorerst geplatzte Traum vom Gelben Trikot

Bei der Tour de France 2019 landete Emanuel Buchmann (27) vom Team Bora-hansgrohe aus Raubling (Oberbayern) auf Platz vier der Gesamtwertung. Nicht zuletzt deshalb galt er vielen in diesem Jahr als einer der Kandidaten auf den Gesamtsieg. Doch spätestens seit der 2. Pyrenäenetappe der diesjährigen Tour muss Buchmann seine Ambitionen beerdigen. Er kam mit großem Rückstand auf die Favoriten ins Ziel und liegt nach der 9. Etappe 5:45 Minuten hinter dem Gesamtführenden Primoz Roglic.

Ein gefragter Mann: Emanuel Buchmann vom Team Bora-hansgrohe gibt Autogramme.

Die Chancen auf eine bessere Platzierung für Buchmann machte wohl sein schwerer Sturz bei der Tour-Generalprobe, der Dauphiné-Rundfahrt zunichte. Der Bora-hansgrohe-Fahrer ging mit schweren Prellungen, Hautabschürfungen und einer ordentlichen Portion Trainingsrückstand an den Start der Tour de France. Das machte sich erstmals auf der 8. Etappe der Tour de France bemerkbar, als Buchmann kurz vor dem Ziel erstmals abreißen lassen musste und knapp eine Minute im Gesamtklassement verlor.

Lesen Sie auch:

Tour de France 2020: Das Team Bora-hansgrohe im Porträt

Favorit Primoz Roglic begann seine Karriere als Skispringer

Die größten Vorschusslorbeeren bei der Tour de France 2020 vereint der Slowene Primoz Roglic (30) vom Team Jumbo-Visma auf sich. Roglic begann seine Sportlerkarriere als Skispringer und startete ab 2003 im Continental Cup. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2006 holte er Silber im Team-Bewerb.

Primoz Roglic vom Team Jumbo-Visma.

2011 stieg Roglic dann zum Radsport um. Mit Erfolg: 2017 war er der erste Slowene, der eine Etappe bei der Tour de France begann, zudem holte er sich WM-Silber im Zeitfahren. 2018 wurde er Gesamtvierter der Frankreich-Rundfahrt und 2019 gewann er Tirreno-Adriatico, die Tour de Romandie und die Vuelta.

Auf den ersten 8. Etappen der Tour de France bestätigte Roglic die Erwartungen, die auf ihm ruhten. Für sein Team Jumbo Visma greift er nach dem Gesamtsieg. Nach der ersten schweren Pyrenäen-Etappe lag er nur 3 Sekunden hinter Adam Yates im Gelben Trikot. Tags darauf war es dann um Yates geschehen. Roglic schenkte seinem Kontrahenten einen ordentlichen Rückstand ein, eroberte das Gelbe Trikot der Tour de France 2020. – und wurde damit seiner Favoritenrolle gerecht.

Lesen Sie auch:

Die Favoriten auf das Grüne Trikot des besten Sprinters

Die Favoriten auf das rot gepunktete Trikot des besten Bergfahrers

Tom Dumoulin: Der Tour-Zweite von 2018 ist wieder da

Tom Dumoulin vom Team Sunweb.

Wir Primoz Roglic gehört der Niederländer Tom Dumoulin (29) dem Team Jumbo-Visma (gewechselt von Sunweb) an. Der „Schmetterling von Maastricht“, gewann 2016 Olympia-Silber im Zeitfahren, holte sich 2017 den Sieg beim Giro d’Italia und den WM-Titel im Zeitfahren. Bei der Tour de France 2018 landete Dumoulin auf dem zweiten Rang. Im Vorjahr konnte er wegen einer Verletzung nicht teilnehmen. Wahrscheinlich wird er aber bei der Tour de France eher eine Helferrolle für Primoz Roglic übernehmen, der auf der 9. Etappe Gelb eroberte.

Lesen Sie auch:

Tour de France 2020: Alle Termine, alle Ergebnisse und die Liveticker zu den Etappen

Diese 22 Teams gehen bei der Tour de France 2020 an den Start

Romain Bardet: Der Hoffnungsträger der Franzosen

An den roten Punkten erkennt man das Bergtrikot bei der Tour de France. 2019 war der Franzose Romain Bardet bester Bergfahrer.

Romain Bardet (30) von AG2R La Mondiale ist schon seit vielen Jahren ein Hoffnungsträger der „Grande Nation“. Seit sieben Jahren nimmt der Vize-Weltmeister von 2018 an der Tour de France teil, bei allen Starts belegte er Rang 15 oder besser. Zweimal schaffte er es aufs Podium, wurde 2016 Zweiter und 2017 Dritter. Bei der Tour de France 2019 durfte er bei der Siegerehrung in Paris in das rot gepunktete Trikot des besten Bergfahrers schlüpfen.

Nairo Quintana und Rigoberto Uran: 2 Tour-Favoriten aus Kolumbien

Die Liste der Kletterer führt Nairo Quintana (30) aus Kolumbien vom Team Arkea-Samsic an. Der Bergspezialist hatte seinen Durchbruch bei der Tour de France 2013, wo er Zweiter in der Gesamtwertung wurde. Zwei weitere Podiumsplätze folgten 2015 und 2016, in den letzten drei Jahren landete er in den Top-Zwölf. Der Sohn einer Bauernfamilie aus den Anden gewann mit der Vuelta 2016 und dem Giro d’Italia 2014 bereits die beiden anderen großen Rundfahrten im Radsport.

Nairo Quintana vom Movistar Team.

Für Spitzenplätze ist auch Rigoberto Uran (33) vom Team EF Pro Cycling gut. Der Kolumbianer gewann Olympia-Silber im Jahr 2012. Bei der Tour de France 2017 wurde er Zweiter, im Vorjahr kam Uran auf den siebten Rang.

Lesen Sie auch:

Tour der France 2020: Alle Informationen zum wichtigsten Radsport-Event der Welt

Mikel Landa und Daniel Martin: Zwei Geheimtipps für den Toursieg

Der Spanier Mikel Landa (30) vom Team Bahrain-McLaren kann auf Spitzenplätze bei den drei vergangenen Tour-Starts verweisen: 2017 wurde er Vierter, 2018 Siebter und 2019 belegte er den sechsten Rang.

Mikel Landa vom Team Bahrain-McLaren.

Drei Top-Ränge weist auch Daniel Martin (34) aus Irland in seiner bisherigen Tour-Bilanz auf. Martin fährt für das Team Israel Start-Up Nation und landete in den Jahren 2016 bis 2018 auf den Plätzen neun, sechs und acht. Er hat ein großes Vorbild in der Familie, denn Onkel Stephen Roche stand einst mit dem Gelben Trikot in Paris auf dem Podium.

Adam Yates: Top-Fahrer beim Top-Team Ineos

Adam Yates vom Team Mitchelton-Scott.

Aus England stammt Adam Yates (28), der für Mitchelton-Scott an den Start geht. Yates gewann 2016 die Nachwuchswertung bei der Tour de France und wurde Gesamtvierter. Im kommenden Jahr wechselt er zum Top-Team Ineos und will sich natürlich auf der großen Bühne bereits davor ordentlich präsentieren.

Das tat er auch, trug nach einem peinlichen Trinkflaschen-Patzer von Julian Alaphilippe zwischenzeitlich das Gelbe Trikot. Doch auf der 9. Etappe musste er das Leibchen des Gesamtführenden bei der Tour de France an Primoz Roglic abgeben. Ober er noch einmal ein Comeback schafft? Eher fraglich.

Guillaume Martin: Die Hoffnung bei Cofidis

Nur wenige hatten Guillaume Martin vor Tour-Beginn auf der Rechnung. Doch der Franzose vom Team Cofidis hat sich mit Bravour durch die ersten Etappen der Tour de France gekämpft und lag nach den beiden schweren Pyrenäen-Etappen auf Platz 3 der Gesamtwertung. Nur 28 Sekunden hinter dem Führenden Primoz Roglic.

Geheimtipps: Die Riege der jungen Wilden

Es gibt aber auch ein paar Jungstars, die man beachten sollte: Beispielsweise Enric Mas (25) vom Movistar Team. Der Spanier überzeugte 2018 mit dem zweiten Rang bei der Vuelta. Oder den Slowenen Tadej Pogacar (21) vom UAE Team Emirates, der sich bei seiner Tour-Premiere beachtlich schlägt und auch schon bewiesen hat, dass er nach Rückschlägen wieder zurück kommen kann. Pogacar kann auf drei Etappensiege bei der Vuelta und auf den Gesamtsieg bei der Kalifornien-Rundfahrt im vergangenen Jahr verweisen. Weil er damals noch keine 21 Jahre alt war, gab es für ihn auf dem Podium nicht den üblichen Champagner, sondern einen Plüschbären.

Tadej Pogacar vom Team UAE Emirates.

Gefallene Tour-Favoriten

Julian Alaphilippe und Thibaud Pinot – das waren 2 Namen, auf denen die Hoffnungen Frankreichs für einen Gesamtsieg bei der Tour de France ruhten. Doch spätestens nach der 8. Etappe – der ersten durch die Pyrenäen – müssen die beiden ihre Ansprüche auf dem Gesamtsieg begraben, weil sie zu viel Zeit verloren haben.

Rubriklistenbild: © David Stockman/picture-alliance/dpa

Kommentare