Tour de France 2020

Ex-Eishockeyprofi Lechl bei Bora-hansgrohe: „Ich muss 24 Stunden erreichbar sein“

Telefon und Laptop sind die wichtigsten Arbeitsmittel: Der Ex-Eishockey-Profi Jürgen Lechl ist Fuhrparkmanager bei Bora-hansgrohe.
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Telefon und Laptop sind die wichtigsten Arbeitsmittel: Der Ex-Eishockey-Profi Jürgen Lechl ist Fuhrparkmanager bei Bora-hansgrohe.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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Jürgen „Bogo“ Lechl – der Name ist bekannt in Rosenheim. Immerhin wurde der heute 59-jährige gebürtige Rosenheimer mit dem Sportbund 1982 Deutscher Eishockeymeister. Und er half vor 20 Jahren beim Aufbau des Starbulls-Teams mit. Jetzt arbeitet er als Fuhrparkmanager beim Radsportteam Bora-hansgrohe.

Raubling - Warum der ehemalige Eishockey-Profi Jürgen Lechl für das Radsport-Team Bora-hansgrohe arbeitet, welche Aufgaben er im Vorfeld der Tour de France 2020 zu erledigen hat und was ein Mountainbike von den Starbulls Rosenheim mit seinem Job zu tun hat, erzählt Lechl im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Herr Lechl, wie kommt ein ehemaliger Eishockey-Profi zu einem professionell geführten Radsportteam?

Jürgen Lechl: Radfahren hat mich schon immer interessiert, weil es meiner Meinung nach neben Eishockey und Handball die härteste Sportart ist. Nach dem Ende meiner Eishockey-Karriere habe ich mit dem Mountainbiken begonnen. Mit einem Bike, das ich von den Starbulls Rosenheim 2003 als Dank für die drei Jahre beim Wiederaufbau des Teams ab 2000 bekommen habe. Mondi Hilger hat mich gefragt ob ich nicht noch einmal meine Schlittschuhe schnüren würde dann habe ich mit 40 noch einmal für Rosenheim gespielt. Natürlich umsonst und als Dank habe ich nach Beendigung der Karriere das Mountainbike bekommen.

Jürgen Lechl wurde mit 21 Jahren Deutscher Eishockeymeister mit Rosenheim und spielte mit 40 Jahren noch einmal für die Starbulls.

Und das wurde beim Mountainbike-Shop von Ralph Denk gekauft, jetzt Teammanager von Bora-hansgrohe.

Lechl: Richtig und so habe ich Ralph kennengelernt. Das Mountainbiken ist dann mein Hobby und Ausgleichssport geworden. Ich habe mir auch noch ein Rennrad gekauft und wir sind öfter mit einer Gruppe zusammengefahren. Da war auch oft Ralph Denk dabei. Bei einer Geburtstagsfeier sind wir ins Gespräch gekommen und ich habe ihm gesagt, falls er mal einen Job hat kann er mir ja Bescheid sagen. Bei einem Radteam zu arbeiten war schon immer eine Option für mich, weil ich dann mein Hobby mit dem Beruf verbinden kann.

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Und wann hat sich Ralph Denk gemeldet?

Lechl: So rund zwei oder drei Jahre später klingelte das Telefon und Ralph Denk fragte mich, ob ich Interesse hätte das Fuhrparkmanagement bei Bora-hansgrohe zu übernehmen. Vom Aufwand schien das zunächst überschaubar, aber es stellte sich schnell heraus dass das ein Fulltime-Job wird. So nebenbei mit zwei bis drei Stunden an drei Tagen in der Woche ging da nichts. Nach einem Jahr hat sich herausgestellt, dass es mal zwei bis drei Stunden gibt an denen ich nichts zu tun habe. Bei dem Job muss ich 24 Stunden am Tag erreichbar sein.

Vor der Tour de France 2020: Fuhrparkmanager Jürgen Lechl überprüft noch einmal die Aufbauten für Funk- und Fernsehempfang bei den Race-Fahrzeugen von Bora-hansgrohe.

Was genau sind Ihre Aufgaben?

Lechl: Wir haben hier jede Menge Fahrzeuge: Busse, Mechaniker -Trucks, Race Autos - so circa 25 Fahrzeuge insgesamt. Und alles was rund um die Autos anfällt, sei es der Service oder Bekleben der Fahrzeuge beziehungsweise wo und wann welches Fahrzeug eingesetzt wird, das gehört alles zu meinem Aufgabenbereich. Wenn es Schäden gibt kläre ich das zusammen mit Auto Eder ab. Das Wichtigste: Die Einteilung der Fahrzeuge. Mit den Head Mechanikern wird besprochen welche Autos wo im Einsatz sind, denn es sind ja auch oft drei Teams gleichzeitig im Einsatz. Dann sind die Autos, Trucks und Busse in ganz Europa verteilt.

Wenn dann irgendetwas fehlt, klingelt bei Ihnen das Telefon.

Lechl: Das klingelt ständig. Zum Beispiel ein Bus springt nicht mehr an, weil der Anlasser gebrochen ist - wie zuletzt in Frankreich. Ich organisiere über Mobile 24, dass das Fahrzeug abgeschleppt und möglichst schnell repariert wird. Alles rund um die Fahrzeuge läuft über mich. Die sechs Race Autos sind immer auf der Strecke mit den Sportdirektoren. Diese Fahrzeuge sind natürlich alle ausgestattet mit Funk und Fernsehen, damit die Verantwortlichen das Rennen auch live sehen können. Dazu muss ich die ganzen Funkfrequenzen in den verschiedenen Ländern beantragen, damit von Auto zu Auto und von Auto zum Fahrer gefunkt werden kann. Die Mondeos werden alle zwei Jahre ausgetauscht und dann organisiere ich, dass die Beklebungsfirma aus Erfurt kommt und die Autos komplett neu beklebt. Außerdem muss die belgische Funkfirma kommen, alles ausbauen und in die neuen Autos einbauen. Nicht irgendwann, sondern zügig.

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Hört sich nach viel und durchdachter Organisation an.

Lechl: So ist es und man muss auch schnell handeln, wenn ein Fahrzeug defekt ist. Vor ein paar Wochen gab es eine Kollision zwischen zwei Teamfahrzeugen als Astana uns hinten drauf gefahren ist. Dann brauchten wir natürlich sofort ein anderes Race-Fahrzeug und deshalb musste der ganze Plan geändert werden. Ein anderes Auto wurde hingebracht und gleichzeitig reparierte Auto Eder innerhalb von zwei Tagen das Fahrzeug, damit es wieder eingesetzt werden kann.

Wie viele verschiedene Rennen gibt es denn im Jahr?

Lechl: Wir rechnen nach Renntagen und das sind circa 250. Das heißt für für uns die Tage an denen wir hier wegfahren und danach wieder zurück kommen. In diesem Jahr ist es durch die Coronakrise anders, wobei die Vielzahl der Rennen, die aktuell stattfinden natürlich eine besondere Herausforderung in der Organisation sind.

Die Organisation wird von wo aus erledigt? An den verschiedenen Rennorten?

Lechl: Mein Arbeitsplätze sind hauptsächlich hier in Neubeuern und in Raubling im Büro.

Sie sind praktisch ein Einzelkämpfer. Wie sieht es da mit dem Urlaub aus?

Lechl: (lacht) Das Wort Urlaub kann ich nicht schreiben, zumindest aktuell nicht.

Die Tour de France steht natürlich im Mittelpunkt. Auch bei Ihnen als Fuhrparkmanager?

Lechl: Mein Job betrifft nicht nur die Tour de France, sondern im Endeffekt alle Rennen und die Vorbereitung auf die neue beginnt schon während der laufenden Saison.

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