Der Kapitän von Bora-hansgrohe im Portrait

Tour de France 2020: Das ist Deutschlands große Tour-Hoffnung Emanuel Buchmann

Der Start bei der Tour de France 2020 von Emanuel Buchmann ist weiter fraglich.
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Der Start bei der Tour de France 2020 von Emanuel Buchmann war nach einem Sturz lange fraglich.
  • Hans-Jürgen Ziegler
    vonHans-Jürgen Ziegler
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„Never give up“ – „Gib nie auf“ lautet das Motto von Radsportprofi Emanuel Buchmann. So zumindest steht es in seinem Profil auf der Homepage seines Teams Bora-hansgrohe mit Sitz in Raubling. Und dieses Motto hat vor dem Start der Tour de France 2020 für Emanuel Buchmann noch mehr an Bedeutung gewonnen,

Raubling/Nizza - Radsportprofi Emanuel Buchmann vom deutschen Team Bora-hansgrohe hat ein Motto: „Never give up“. Das gilt jetzt für den gebürtigen Ravensburger nach einem Sturz bei der Dauphiné-Rundfahrt. Buchmann musste mit schweren Prellungen aufgeben - der Start der deutschen Radsport-Hoffnung aus Ravenbsurg bei der Tour de France 2020 war lange fraglich. Wenige Tage vor dem Tour-Auftakt in Nizza steht allerdings fest: Buchmann startet.

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Der 27-jährige Bergspezialist Emanuel Buchmann ist ein Kämpfer

„Man kann nicht Entwarnung geben und davon ausgehen, dass alles problemlos verläuft“, sagte Bora-Sportdirektor Enrico Poitschke vor kurzem noch und fügte hinzu: „Wenn Emu nicht gut trainieren kann, dann muss man einfach sagen, dass er nicht mehr die Form hat, die er für die Tour de France benötigt. Dann müssen wir vielleicht schauen, ob wir vielleicht andere Ziele in den Fokus nehmen.“ Doch Buchmann konnte trainieren und ist offenbar fit für den Tour-Start.

Tour de France 2020: Das Aufgebot von Bora-hansgrohe

Ralph Denk (Sportlicher Leiter)
Felix Großschartner (Österreich) vom Team Bora-hansgrohe
Daniel Oss (Italien) vom Team Bora-hansgrohe
Peter Sagan (Slowakei) vom Team Bora-hansgrohe
Tour de France 2020: Das Aufgebot von Bora-hansgrohe

Doch der 27-jährige Bergspezialist Emanuel Buchmann ist ein Kämpfer, anders hätte er es in seiner Karriere nicht so weit gebracht. Anders wäre er nicht als Kapitän vom Team Bora-hansgrohe, für das er seit 2017 fährt, für die Tour de France 2020 (hier gibt es alle Etappen im Überblick) ausgewählt worden.

Der deutsche Straßenmeister von 2015, der am 18. November 1992 in Ravensburg geboren wurde, belegte bei der Tour bereits im Vorjahr nach beachtlichen Leistungen den 4. Platz und zählt nicht nur deshalb zum erweiterten Favoritenkreis auf den Gesamtsieg. „Ja die Tour ist in diesem Jahr wie für mich gemacht. Es gibt kein Mannschaftszeitfahren, viele Berge und nur ein Zeitfahren, das am Ende auch berghoch führt. Von daher kann ich mir nicht mehr wünschen“, freut sich Buchmann auf den Start der Tour. 

Buchmann ist eher still als ein Lautsprecher

Emanuel Buchmann passt eigentlich so gar nicht ins Klischee des Sport-Stars. Der Ravensburger ist kein Star, wie ihn die Medien, die elektronischen wie die sozialen, hervorbringen – eher still als ein Lautsprecher, eher nett als arrogant, bescheiden und ein Freund der bedachten Worte: Nein, sagt Emanuel Buchmann, sein Leben habe sich seit dem 4. Platz bei der Tour de France 2019, die Egan Bernal aus Kolumbien gewann, nicht verändert.

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Ob ihn die Schlagzeilen, er könne der künftige Tour-Sieger sein, belasten? Nein, sagt Buchmann, „mir fehlten ja nur zwei Minuten zum Sieg. Warum soll ich die nicht aufholen können?“ Buchmann hat keine Angst vor der eigenen Courage. Den Rummel um seine Person nimmt er gelassen.

Buchmanns Talent blitzte früh auf und es konnte reifen

Emotionen zu zeigen ist nicht die Sache von Emanuel Buchmann. „Emanuel hat sich bei uns Schritt für Schritt entwickelt“, sagt Ralph Denk, Teammanager des Rennstalls Bora-hansgrohe, stolz. Denk holte Buchmann 2015 zu sich ins Junioren-Team.

Überzeugt hatte ihn, dass Buchmann 2014 deutscher Bergmeister der U23-Kategorie geworden war und dabei auf Deutschlands höchster Passstraße in den Berchtesgadener Alpen mit Steigungen von bis 24 Prozent schneller war als der Sieger der Männerkategorie. Das Talent blitzte früh auf. Und es konnte reifen.

Am Schluss der Vuelta schwerer als zu Beginn

Buchmanns Durchbruch geht auf das Critérium du Dauphiné 2017 zurück – dort, wo jetzt ein Sturz seine Tour-Teilnahme in Gefahr gebracht hatte. „Damals wurde ich Siebter. Und da merkte ich, dass die anderen schon ein Auge auf mich werfen und mich nicht so leicht weglassen“, erzählte Buchmann.

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2019 kam der nächste Schritt. Buchmann war erstmals Rundfahrtkapitän, bei der Vuelta a España. Sein Ziel, die Top Ten, verpasste er. Ursache waren Fehler in der Ernährung und unglückliches Timing des Höhentrainings. „Emanuel war am Schluss der Rundfahrt schwerer als am Anfang. Rennfahrer haben es im Kopf, dass sie viel essen müssen. Das ist auch richtig. Aber manch ein Teller Nudeln kann einer zu viel sein“, sagte Teamchef Denk. Die Teller Nudeln werden jetzt gezählt bei Bora-hansgrohe. Und das letzte Höhentrainingslager war näher dran an der Tour – so ist es besser für Buchmann.

Emanuel Buchmann: „Die anderen sind doch auch am Limit“

Deshalb brilliert er jetzt in den Bergen. Er hält nicht nur mit, sondern greift auch an. „Die anderen sind doch auch am Limit. Natürlich kann es passieren, dass man einbricht. Aber wenn man etwas gewinnen will, muss man was riskieren“, sagt er.

Vom ersten deutschen Toursieg nach Jan Ullrich, der ihn lobte („Er hat das Zeug zum Champion“), im Jahr 1997 träumen Buchmann und alle deutschen Radsport-Fans. Doch dafür muss er nicht nur angeschlagen an der Tour teilnehmen, sondern auch angreifen. Aber wie lautet Buchmanns Motto? „Never give up.“

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