Hygienekonzept bei der Frankreichrundfahrt

Tour de France 2020: Corona-Regeln vor dem zweiten Ruhetag entschärft

Radprofis hautnah umringt von ihren Fans: Solche Bilder von der Tour de France sind Kult.
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Radprofis hautnah umringt von ihren Fans: Solche Bilder von der Tour de France sind Kult. Im Coronavirus-Jahr 2020 sollen sich die Zuschauer von den Fahrern fernhalten.
  • Moritz Kircher
    vonMoritz Kircher
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Zwei positive Coronatests in sieben Tagen – und ein Team wird ausgeschlossen. Die Tour de France 2020 findet unter außergewöhnlichen Umständen statt. Nicht nur leidensfähige Helden und tragische Verlierer werden das größte Radrennen der Welt prägen, sondern auch das Coronavirus. Diese Regeln gelten.

Update 10. September

Corona-Regeln bei der Tour gelockert – Aufatmen bei Ineos

Sarran (dpa) - Die strikten Corona-Regeln sind bei der 107. Tour de France ein wenig entschärft worden. Wenn am zweiten Ruhetag die nächsten Coronatests durchgeführt werden, müssen die vier Rad-Teams mit einem Positivfall im Betreuerstab bei einer weiteren Infektion nicht direkt das Rennen verlassen. Das teilte der Veranstalter ASO am Donnerstag mit.

Demnach fangen alle 22 Rennställe wieder bei Null an. Es gilt dann aber weiterhin, dass zwei Positivfälle zum Ausschluss des ganzen Rennstalls führen. Zu einem Team gehören dabei nicht nur die acht Fahrer, sondern auch das direkte Umfeld wie Betreuer, Physiotherapeuten oder Sportdirektoren.

Bei der ersten Testreihe am ersten Ruhetag waren Betreuer aus den Mannschaften der Topfahrer Egan Bernal (Ineos-Grenadiers), Guillaume Martin (Cofidis), Romain Bardet (AG2R La Mondiale) und Adam Yates (Mitchelton-Scott) positiv getestet worden. Auch Tour-Chef Christian Prudhomme hatte einen auffälligen Befund und musste das Rennen vorerst verlassen.

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Die Erstmeldung vom 25. August

Paris/Nizza – Es ist nicht nur der Start der Tour de France 2020, der mit mehrwöchiger Verspätung erfolgt. Das Coronavirus prägt die Frankreichrundfahrt in diesem Jahr.

Die für alle Teams wichtigste Regel in Sachen Coronavirus wurde rund eine Woche vor dem Start der ersten Etappe am 29. August in Nizza bekannt: Zwei positive Corona-Fälle bei einem Rennstall innerhalb von 7 Tagen führen bei der Tour de France automatisch zum Ausschluss einer Mannschaft. Das berichten die Sporttageszeitung «L‘Equipe» und die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf offizielle Quellen am Freitag (21. August).

Team bei der Tour de France leben in einer eigenen Blase

Zu einem Team zählen dabei nicht nur die acht Fahrer, sondern auch Team-Offizielle oder Betreuer. Diese Gruppe von 25 bis 30 Personen soll sich während der am 29. August beginnenden Frankreich-Rundfahrt im Hotel, im Bus sowie im Start- und Zielbereich in einer sogenannten eigenen Blase aufhalten. Das gilt auch für den deutschen Rennstall Bora-hansgrohe aus Raubling um den Mitfavoriten auf das Gelbe Trikot Emanuel Buchmann, der pünktlich zum Tour-Start fit ist.

Die Teams werden zweimal vor der Tour de France 2020 sowie jeweils an den beiden Ruhetagen auf das Coronavirus getestet. So könnte es gerade an den Ruhetagen zu unliebsamen Überraschungen kommen. Die Teams selbst lassen sich alles möglich einfallen, um die Infektionsgefahr bei den Fahrern und Teammitgliedern gering zu halten. So hat beispielsweise das Team Jumbo-Visma mit seinem Tour-Favoriten Primoz Roglic im Mannschaftsbus ein System eingebaut, das Aerosole verringern soll.

Die Tour de France nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Eines wird die Tour de France 2020 von vielen anderen Sport-Großveranstaltungen des Jahres unterscheiden: Bei der Frankreichrundfahrt werden Zuschauer zugelassen, wenngleich es Einschränkungen gibt. Der Tour-Veranstalter wirbt dabei für das generelle Tragen von Masken sowie einen Abstand von zwei Metern zu den Fahrern. Auf Autogramme oder Selfies sollen Fans und Fahrer verzichten.

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Spannend dürfte bei der Tour de France werden, wie sich die Radsportsfans an der Strecke verhalten. In normalen Zeiten feuern sie ihre Helden hautnah an. Die Tour war schon immer ein Event mit Stars zum Anfassen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und immer schon rückten Zuschauer den Sportlern näher zu Leibe, als diesen manchmal lieb war.

Die Fahrer der Tour de France waren schon immer Stars zum Anfassen – wie hier Marco Pantani im Jahr 1997. Bei der Tour 2020 sollen die Fans Abstand halten und an der Strecke Masken tragen.

Bei den großen Bergetappen in den Alpen und den Pyrenäen stehen die Fans zu Tausenden Spalier. So nah am Streckenrand, dass sie den Atem der Profis spüren können, die sich schweißgebadet den Berg hoch quälen.

Strecken bei der Tour de France können kaum abgeriegelt werden

Während man ein Fußballstadion problemlos abriegeln und Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit veranstalten kann, sind die Strecken bei der Frankreichrundfahrt normalerweise für jedermann frei zugänglich. Und die Tour de France 2020 ist eine Tour der Berge. Acht Bergetappen mit vier Bergankünften stehen auf dem Programm.

In den Bergen herrscht üblicherweise der meiste Andrang. Nicht jedoch in diesem Jahr. Einige Pässe, die bei der Tour de France auf dem Programm stehen, sollen für Fans gesperrt werden. Dennoch dürfte es so gut wie unmöglich sein, die frenetischen Radsportfans von den Strecken fernzuhalten.

Maximilian Schachmann appelliert an die Vernunft der Tour-Fans

Bleibt also nur der Appell an die Vernunft. So sagte beispielsweise Maximilian Schachmann vom Team Bora-hansgrohe im Gespräch mit der Sport-Bild: „Die Fans sollten ihr Hirn einschalten, Mundschutz tragen und uns nicht zu nah rücken.“

(Mit Material von dpa)

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