3 Fahrer von Bora-hansgrohe verletzt

Nach Sturz bei Dauphiné: Start bei der Tour de France 2020 für Buchmann nicht in Gefahr

Emanuel Buchmann vom Team Bora-hansgrohe.
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Emanuel Buchmann vom Team Bora-hansgrohe aus Raubling zählt bei der Tour de France 2020 zum Favoritenkreis.

Kurz vor der Tour de France ist das Favoritenfeld durch etliche Stürze bei der Dauphiné-Rundfahrt durcheinander gewirbelt worden. Besonders schwer wird das deutsche Rad-Team Bora-hansgrohe getroffen. Aber der Tour-Start für Emanuel Buchmann scheint nicht in Gefahr.

Von Benjamin Siebert und Christoph Sicars, dpa

Megève – Der 27-jährige Emanuel Buchmann zog sich auf einer Abfahrt beim 72. Critérium du Dauphiné schwere Prellungen und Hautabschürfungen zu, der deutsche Meister Maximilian Schachmann prallte bei der Lombardei-Rundfahrt mit einem Auto zusammen und brach sich das Schlüsselbein. Zudem verletzte sich Buchmanns österreichischer Edelhelfer Gregor Mühlberger an der Hand. Der erste Profisieg von Lennard Kämna geriet am Samstag in den französischen Alpen in den Hintergrund.

Kämnas Sieg geht durch schwere Unfälle fast unter

«Wir sind natürlich erschrocken. Und es tut mir leid für das ganze Team, unsere Strategie – und für Lennard Kämna. Denn sein großer Sieg ist wegen der Unfälle untergegangen», sagte Bora-hansgrohe Teammanager Ralph Denk im «Münchner Merkur» und der «tz». Zu Buchmann und Mühlberger ergänzte Denk: «So wie es am Sonntag ausschaute, ist die Tour de France für beide nicht in Gefahr.»

Laut Team-Mitteilung erlitt Buchmann zwar keine Knochenbrüche. Der Ravensburger leide aber «unter starken Schmerzen» - und das ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Vorbereitung für die Tour de France 2020. Auch andere Top-Fahrer wie Primoz Roglic und Steven Kruijswijk stürzten auf Abfahrten der Dauphiné-Rundfahrt und mussten das Rennen verletzt aufgeben. Vuelta-Sieger Roglic hatte sich in Top-Form präsentiert und das Rennen im Gelben Trikot angeführt.

Heftige Kritik der Fahrer an der Streckenführung bei der Dauphiné

«Kies und tiefe Löcher die ganze Strecke runter. Die Personen, die sich für diesen Weg entschieden haben, scheren sich keine Sekunde um die Sicherheit von uns Fahrern», schrieb der frühere Zeitfahrweltmeister Tony Martin bei Instagram. Der aufgebrachte Teamkollege von Roglic und Kruijswijk wandte sich in seinem Post auch an den Weltverband UCI: «Wie viel mehr schlimme Unfälle müssen passieren, damit sich etwas ändert?»

Auch Sprint-Routinier André Greipel ärgerte sich: «Das ist von den Organisatoren respektlos gegenüber all den Fahrern. Die Gesundheit zu riskieren, um am Ende der Abfahrt das Ergebnis zu haben, dass zwei Kandidaten für das Gesamtklassement raus sind», schrieb der 38-Jährige bei Twitter.

Remco Evenepoel stürzt in der Lombardei lebensgefährlich

Eigentlich sollte die fünftägige Generalprobe für die Tour de France 2020 etwas Klarheit bringen, doch plötzlich ist die Favoritenfrage für die Tour offener denn je. Ausgerechnet Titelverteidiger Egan Bernal aus Kolumbien, der vor der vierten Etappe am Samstag wegen leichter Rückenprobleme ausgestiegen war, könnte nach dem Aus von Roglic und Buchmann nun plötzlich der große Gewinner sein.

Tour de France 2020: Das Aufgebot von Bora-hansgrohe

Ralph Denk (Sportlicher Leiter)
Felix Großschartner (Österreich) vom Team Bora-hansgrohe
Daniel Oss (Italien) vom Team Bora-hansgrohe
Peter Sagan (Slowakei) vom Team Bora-hansgrohe
Tour de France 2020: Das Aufgebot von Bora-hansgrohe

Noch dramatischer waren die Ereignisse in Norditalien. Wie durch ein Wunder kam das belgische Radsport-Wunderkind Remco Evenepoel nach einem Sturz von einer Brücke in eine Schlucht mit einem Bruch des Beckens sowie einer Quetschung der rechten Lunge davon. «Ich bin froh, dass er noch lebt», sagte Patrick Lefevere, Teammanager von Evenepoels Rennstall Quickstep, bei «Het Nieuwsblad». Für den 20-jährigen Evenepoel ist die Saison dennoch gelaufen.

Schachmann muss auf einen Start bei der Tour hoffen

Schachmann kann dagegen trotz seines kuriosen Zusammenstoßes mit einer offenbar fehlgeleiteten Autofahrerin sogar noch auf einen Start beim Saison-Höhepunkt hoffen. «Die Tour ist für Max noch nicht abgehakt. Es besteht noch die Hoffnung, dass er fahren kann», sagte Jens Zemke, Sportlicher Leiter von Schachmanns Team Bora-hansgrohe, nach Rücksprache mit den Teamärzten der Deutschen Presse-Agentur. Demnach müsse Schachmann nicht operiert werden.

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Teamchef Denk urteilte: «Die Tour ist für Maximilian in großer Gefahr.» Für Emanuel Buchmann und Gregor Mühlberger sehe es jedoch gut aus mit einem Start bei der Tour de France, so Denk mit zwei Tagen Abstand zum Geschehen.

Die UCI kündigte Untersuchungen an. «Veranstaltungen der UCI WorldTour erfordern geschlossene Straßen an der gesamten Strecke», hieß es vom Weltverband, der eine Beschwerde gegen den Veranstalter erwägt. «Mehr Pech kann man nicht haben. Wer rechnet schon damit, dass bei einem WorldTour-Rennen auf einmal ein Auto auf der Strecke auftaucht. Trotz allem ist Max sehr gefasst und zuversichtlich», sagte Zemke.

Schachmann sollte bei der am 29. August in Nizza beginnenden Tour de France 2020 eigentlich ein wichtiger Helfer für Teamkapitän Emanuel Buchmann sein.

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