DER MÜNCHNER SCHLÄGT WIEDER ZU, TRAINER DON JACKSON VERTEIDIGT UND LOBT IHN

Streitfall Pinizzotto

Von Günter Klein. München – Die Saison von Steve Pinizzotto ist es bislang nicht.

Immer wieder hat der Deutsch-Kanadier Verletzungspausen nehmen müssen, die Form will einfach nicht kommen. Zwei Tore aus 20 Spielen sind für einen Stürmer in einem offensiv ausgerichteten Team wie dem des EHC München überschaubar. In einer anderen Wertung führt „Pinner“ die interne Wertung jedoch an: Er hat 108 Strafminuten stehen. Über fünf pro Partie. Allein am Sonntag beim 7:1-Sieg über die Straubing Tigers hat Pinizzotto aufgestockt: um 34 Minuten. Zwei plus zwei plus zehn Disziplinarstrafe für „übertriebene Härte“ (also eine kernige Schlägerei). Und weil er nach der Schlusssirene noch unablässig in Richtung der Schiedsrichter goschelte, kamen zwanzig Minuten (eine Spieldauerdisziplinarstrafe) dazu.

Sieben Spieler in der DEL haben noch öfter gesündigt als Pinizzotto – jedoch standen sie auch häufiger auf dem Eis. Bei diesen bösen Jungs – Cody Lampl aus Bremerhaven (116 Strafminuten in 38 Spielen), Tim Conboy aus Düsseldorf (124 in 16), Blair Jones, von Iserlohn inzwischen entlassen (129 in 30), Dane Byers aus Köln (119 in 39), David Wolf aus Mannheim (133 in 39), Mike Cornell aus Straubing (115 in 41) und Björn Krupp aus Wolfsburg (110 in 42) – ist der Schnitt an Verfehlungen nicht so hoch.

Pinizzotto ist eine Reizfigur und ein Reizthema in der Liga. Vor allem in Straubing ist der ehemalige NHL-Crack extrem unbeliebt, demonstrativ hat er nach seinem klar gewonnenen Fight gegen Mike Cornell seinen Helm in Richtung der Tigers-Fankurve geschleudert. Die Situation war folgende gewesen: 3:1 führte München zu Beginn des letzten Drittels, Pinizzotto checkte Cornell hart. „Regelgerecht“, fand Yannic Seidenberg (München). „Das hätte eine Strafe geben müssen“, meinte Thomas Brandl (Straubing) – Wahrnehmung nach Vereinsfarbe. Bei der nächsten Begegnung setzte Straubings Verteidiger Cornell zum Check an, und ruckzuck wurde daraus ein Faustkampf. EHC-Trainer Don Jackson sagte: „Der Straubinger hat die Handschuhe als erster fallen lassen. Steve wollte nicht fighten – aber wie er die Situation dann angenommen hat, dafür muss ich ihn loben.“ Jackson glaubt, Pinizzotto würde verzerrt wahrgenommen: „Er hat sich an die Liga angepasst – und er war traurig, weil er wegen der 14 Strafminuten im letzten Drittel kaum spielen konnte.“ Jackson sagt weiterhin, das sei erst Pinizzottos zweiter Fight im zweiten DEL-Jahr gewesen – das ist aber eine arg geschönte Statistik.

Pinizzotto schlug seinen Widersacher Cornell blutig, der Straubinger streifte beim Verlassen des Eises das befleckte Trikot über den Kopf. Für die Münchner Nordkurve ist Pinizzotto der Held. Das Trikot mit seiner Nummer 14 verkauft sich gut.

Der EHC schoss gegen Straubing vier weitere Tore und bestätigte die These, dass ein Faustkampf zwischen zwei Männern das Spiel zweier kompletter Mannschaften beeinflussen kann. „Wir“, sagt Seidenberg, „haben den Fight klar gewonnen“.

Kommentare