RÜCKBLICK AUF SIEBEN MAL DOHA: GUSTAVOS WELTREISE, SAMMERS SONNENCREME, GUARDIOLAS VATERGEFÜHLE, ROBBENS VERTRAG

Stillstand – ein Fremdwort

Doha-Kenner Heynckes. imago
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Doha-Kenner Heynckes. imago

München – Zum achten Mal tritt der FC Bayern heute kurz nach dem Jahreswechsel die Reise nach Doha an.

Und genauso wie in der katarischen Hauptstadt ist beim deutschen Rekordmeister Stillstand ein Fremdwort. Das beweist allein der Rückblick auf die Trainingslager seit 2011. Die einzigen Dauergäste auf der „Aspire Academy“: Franck Ribery, Arjen Robben, Thomas Müller und David Alaba. Ansonsten: War viel los.

2011: Das erste Mal

Louis van Gaal war der erste Bayern-Coach, der die Vorzüge des gewaltigen Trainingszentrums genießen durfte. Wirbel gab es wie üblich schon vor dem Abflug: Martin Demichelis ging nicht an Bord, sondern nahm den direkten Weg zu seinem neuen Klub nach Malaga. Auf mehr Flugkilometer kam Neuzugang Luiz Gustavo: Deutschland – Brasilien – Deutschland – Katar. Als er endlich beim Team war, ging die Personalie unter, weil van Gaal längst ein anderes Thema beackerte: Der Torwart-Wechsel von Jörg Butt zu Thomas Kraft kostete den Holländer ein paar Monate später den Job.

2012: Mit Heynckes

Kraft spielte inzwischen in Berlin, van Gaal war arbeitslos und das Trainingslager leitete ein Mann, der den Namen Jupp Heynckes trägt. Während Arjen Robben auf Vertragsgespräche wartete, referierte Sportdirektor Christian Nerlinger neben dem Platz ausführlich über die „letzte Chance“, die ein gewisser Breno in Doha nutzen könne. Überstrahlt aber wurde alles – auch die fünf Testspiel-Tore von Ivica Olic – von einer Nachricht aus Deutschland: Marco Reus, damals ein hoch gehandeltes Talent, schloss sich Borussia Dortmund – und nicht den Bayern – an.

2013: Triple geplant

Für das, was in der Rückrunde nach dem dritten Trainingslager passierte (Triple), war der Aufenthalt vor Ort und im Anschluss in Indien relativ unspektakulär. Heynckes deutete leise seinen Abschied im Sommer an, während Pep Guardiola weit weg darüber sprach, „kein Bayern-Trainer“ sein zu wollen. Jan Kirchhoff war im Gespräch, und das Training wurde stets kritisch beäugt von einem unscheinbaren Herren, der mehr Sonnenschutz benötigte als alle anderen Mitgereisten. Matthias Sammer sollte diesen Platz bis 2016 nicht mehr aufgeben.

2014: Pep knallhart

Zwölf Trainingseinheiten zog Pep Guardiola bei seiner Premiere in Doha durch, und während Arjen Robben mal wieder auf Vertragsgespräche wartete, wurde die Verpflichtung von Robert Lewandowski zum Sommer bekannt. Für die Bayern endete der Trip mit einem 8:0 in Kuwait erfolgreich, für Franck Ribery eher nicht. Der voller Optimismus zur Wahl des Weltfußballers geflogene Franzose kam desillusioniert als Dritter zurück. Seitdem nimmt man die Wahl in Bayern-Kreisen nicht mehr ernst. Außerdem ein Dauerbrenner seiner Zeit: Sammers Aussage „Katar steht auf dem Prüfstand“.

2015: Diesmal Neuer

Ein Jahr nach Ribery bereiste Manuel Neuer vier Länder in neun Tagen, um mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf einer Bühne zu stehen und Dritter zu werden. Die Handball-WM konnte die Bayern-Spieler wenigstens ein Mal locken, nebenher wollte Bastian Schweinsteiger gerne einen neuen Vertrag, startete Mitchell Weiser (ein wenig zu spät) durch und trainierte auch Holger Badstuber mit. Prominente Gäste: Die Kovac-Brüder als Kiebitze.

2016: Bubi Kimmich

Bei Guardiolas letztem Mal hatte Robben die Grippe, machte sich Mario Götze Gedanken über seine Zukunft und weckte Douglas Costa Hoffnungen. Zudem war Joshua Kimmich das erste Mal dabei und klärte auf: „Ich sage nicht Papa zu Pep Guardiola.“ Ernstere Worte fand da freilich Sammer: Er saß auf seinem Stuhl – und mahnte.

2017: Bye Bye Lahm!

Eine Schlagzeile des einzigen Doha-Trips von Carlo Ancelotti: „Lahm plant bis 2018.“ Es kam bekanntlich anders. Was gleich blieb: Ribery und Robben trainierten, als wollten sie ihre Verträge noch auf der Academy unterschreiben. Uli Hoeneß flog für nicht mal 24 Stunden ein und sah, wie Mats Hummels im Nu zum „Sympaticus“ wurde. Holger Badstuber wurde verliehen, Thiago war verletzt.

hanna raif

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