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Der stille Kaiser

Nach dem Niersbach-Rücktritt. Aus der Distanz betrachtet kommt der deutsche Fußball gar nicht mal so furchtbar schlecht weg.

In englischen Zeitungen liest sich der Rücktritt von Wolfgang Niersbach wie die logische Konsequenz eines Skandals, wie man ihn häufiger erlebt. Einer übernimmt die Verantwortung, dem Fehlverhalten folgt der Rücktritt. That’s it.

So einfach ist es in Wahrheit aber nicht. Der nunmehr ehemalige DFB-Präsident hat wochenlang taktiert und laviert, und ihm dabei zuzusehen, tat beinahe körperlich weh. Der Rücktritt war nicht honorig, sondern schlicht unvermeidlich. Er schafft auch keine Klarheit, die den DFB wieder etwas unbeschwerter nach vorne blicken lässt. Im Gegenteil: Man hat das Gefühl, noch fast am Anfang zu stehen.

Es wird nicht lange dauern, bis der Präsident des weltgrößten Fußballverbandes in dieser Geschichte um Lug und Trug nur noch eine Randfigur ist. Mit der neuesten Eskalation ist endgültig Franz Beckenbauer ins Zentrum gerückt. Um den ist es in letzter Zeit verdächtig still geworden.

Was er bislang zur Sache gesagt hat, besaß keinerlei Substanz. Ausgerechnet der Mann, der jahrzehntelang zu allem eine Meinung hatte und diese auch pointiert vermittelte, ist plötzlich wortkarg, in der Öffentlichkeit wie im inneren DFB-Zirkel. Es wirkt wie die Schockstarre eines Mannes, der auf die drängendsten Fragen auch nach Wochen keine plausiblen Antworten bieten kann. Woher kamen die 6,7 Millionen Euro? Wo gingen sie hin? Und warum?

Mit Nonchalance und leichter Hand wie bisher wird Beckenbauer sich nicht mehr herauswinden können. Aus seinem Domizil in Salzburg muss er mitansehen, wie alle Seilschaften gekappt werden. Selbst die Bild-Zeitung, über Jahrzehnte sein treuester Begleiter, geht auf Distanz. Die Nähe zu ihm, der strahlendsten Erscheinung des deutschen Fußballs, ist zum Problem geworden.

Wenn es hart auf hart kommt, zählen alte Beziehungen nicht mehr. Das hat schon Wolfgang Niersbach schmerzhaft erfahren müssen. Er hatte geglaubt, sich auf seinen Freund Franz Beckenbauer verlassen zu können. Am Ende stand er sehr einsam da.

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