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Und im Stau kreist endlos der mongolische Adler

Der mongolische Adler kreist nun schon eine kleine Ewigkeit über der endlosen mongolischen Steppe, in mongolische Tracht gekleidete mongolische Nomaden harren unterdessen erwartungsvoll, bis der mongolische Adler nach seiner Beute greift.

Falls Sie den Eindruck haben sollten, liebe Leser, dass diese im Medien-Shuttle gesammelten Tierfilmimpressionen von gereizter Stimmung geprägt sind, dann liegen sie vollkommen richtig. Denn wenn man als Olympia-Reporter schon eineinhalb Stunden im Stau steckt, dann geht das an die Nerven. Vor allem, wenn der Start des Biathlonrennens immer näher rückt. Doch nichts geht mehr voran rund um Pyeongchang. Der Verkehr ist kollabiert. Auf dem Flachbildschirm im Bus landet ein abgerichteter mongolischer Adler auf dem bandagierten Unterarm eines mongolischen Nomaden.

Es ist der erste großer Stau dieser Spiele, die verkehrstechnisch bislang wie am Schnürchen abgelaufen waren. Aber die Koreaner feiern ihr Neujahrsfest Seollal, das sich über drei Tage hinzieht. Der Gedanke, das bislang eher schwach besuchte Olympia endlich zu entdecken, lag da für viele nahe. Zudem ist Südkoreas Präsident Moon Ja-in eingeflogen, weswegen die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft worden sind. Auch das bremst den Verkehrsfluss.

Inzwischen dämmert es. Die Scheiben im Shuttle sind komplett beschlagen. Wir stehen nun schon über zwei Stunden, Frust greift um sich, Laura Dahlmeier startet womöglich ohne uns. Mehr Glück hat der mongolische Adler: Er schnappt sich einen Hasen. Der koreanische Busfahrer, der immer unruhiger wird, schaltet nun endlich den Fernseher aufs Olympiaprogramm. Es läuft das Eishockeymatch Südkorea – Schweiz, es steht 0:4, der Busfahrer schaltet sofort zurück aufs Tierfilm-Programm. Immer noch zieht der mongolische Adler seine Kreise.

Es sind zweieinhalb Stunden vergangen. Jetzt wird es dem Busfahrer endgültig zu dumm. Er hupt erstmals, das aber lang und laut. Wir kommen einige Meter voran, steuern auf einen Kreisverkehr zu. Der Busfahrer hupt jetzt unaufhörlich. Er lässt das Fenster herunter, beschimpft Polizisten, die eine freie Zufahrt versperren. Dann hupt er weiter, tritt aufs Gas, Leuchtstäbe schwenkende Sicherheitskräfte weichen zurück, plötzlich haben wir freie Bahn. Die Journalisten klatschen, der Busfahrer hupt immer noch. Diesmal klingt es triumphierend. Was für ein Finish! Für uns ist er der Mann des Tages. Reif für eine Goldmedaille. Armin Gibis

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