FREITAG TROTZT DEN TOURNEE-HÄRTEN

Stabil auf Top-Niveau

Patrick ReicheltSie erreichen den Autor unterpatrick.reichelt@ovb.net
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Patrick ReicheltSie erreichen den Autor unterpatrick.reichelt@ovb.net

Deutschlands Bundestrainer Werner Schuster hatte es nach dem Regenfestival in Oberstdorf schon geahnt: Diese Vierschanzentournee könnte eine turbulente werden.

Wer ganz oben landen will, der muss sich auch als wetterfest erweisen. Bis zur Halbzeit hat der Österreicher schon einmal recht behalten. Der deutsche Teil des Traditionsevents hatte so manch harte Prüfung für die Athleten parat.

Erfreulich dabei: Zu jenen, die sie bestanden haben, gehörte auch ein Deutscher. Richard Freitag war mit bestechender Konstanz durch die gesamte erste Saisonphase geflogen. Und der 26-Jährige hat auch die Härten der Tournee an sich abperlen lassen. Zweiter zum Auftakt, Zweiter an Neujahr – nach Lage der Dinge ist Freitag vor dem Wechsel nach Österreich der einzige, der den pünktlich zum ersten Saisonhighlight wieder in Bestform fliegenden Doppelsieger Kamil Stoch den erneuten Griff nach dem Goldadler für den Tournee-Champion streitig machen kann.

Die weniger schöne Erkenntnis: Für andere war die Herausforderung der Tournee doch wieder eine Nummer zu groß. Vor allem Andreas Wellinger, aber auch Markus Eisenbichler hatte man zumindest zugetraut, ein Wörtchen im Rennen um den Gesamtsieg mitreden zu können. Doch die Männer hinter Freitag wirkten bei den ersten beiden Einsätzen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen verkrampft. Was sie zeigten, war mannschaftlich gut – aber eben nicht überragend. Daran ändert auch nichts, dass gerade Wellinger in der ersten Tournee-Hälfte nicht eben vom Windglück begünstigt war. Denn es ist ein Kennzeichen dieser Sportart: Wer die Leichtigkeit, das Selbstverständnis eines Champions hat, den können auch die schlechtesten Bedingungen nicht stoppen.

Richard Freitag macht es dieser Tage vor. Auch der kleine Sachse fiel bei der Tournee bislang nicht auf die „Butterseite des Brotes“, wie es Schuster ausdrückte. Und doch fügte er seinem außergewöhnlich guten Saisonstart die Podestplätze Nummer sechs und sieben hinzu. Ein Reifezeugnis. Nach Innsbruck reist Freitag mit der realen Hoffnung weiter, erster deutscher Tourneesieger seit Sven Hannawald zu werden. Das bleibt die beste Erkenntnis.

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