Das Sprint-Ass für Sotschi

Tour de Ski Denise Herrmann als deutsche Langlauf-Olympiahoffnung: „Die Tendenz ist schön“

Oberhof – Die Königin des Skilanglaufs ließ es sich nicht nehmen, Denise Herrmann persönlich zu adeln: Norwegens Superstar Marit Björgen marschierte im Zielraum von Oberhof schnurstracks auf die blonde Deutsche zu und umarmte sie freundschaftlich. „Einfach toll, wenn einem so eine große Sportlerin gratuliert“, sagte die sichtlich stolze Herrmann, die als Zweite im Sprint der Tour de Ski drei Plätze vor der zwölfmaligen Weltmeisterin gelegen hatte.

Im Olympiajahr hat sich die 25 Jahre alte Herrmann ihren Platz in der Weltspitze gesichert, wird von den Größten ihres Sports ernst genommen. In Oberhof übernahm die Sächsin die Führung im Sprint- und Platz fünf im Gesamt-Weltcup. Dass nur 0,8 Sekunden zu Siegerin Hanna Erikson und damit zum ersten Weltcup-Sieg einer deutschen Läuferin seit Claudia Nystad 2009 fehlten, war nur ein Schönheitsfehler. „Die Tendenz ist schön – mal schauen, wie sich das jetzt entwickelt“, sagte Herrmann.

Bislang entwickelt es sich prächtig, ein Ende des vor wenigen Wochen noch nicht für möglich gehaltenen Höhenflugs ist nicht in Sicht: Auf der dritten Etappe kann sich Herrmann am Silvestertag die Gesamtführung der Tour de Ski sichern – in Lenzerheide/Schweiz steht erneut ein Sprint an, bevor die Oberwiesenthalerin einen Tag später wie geplant aus der Tour aussteigen wird.

Vor allem aber gilt Herrmann nach einer Serie von Top-Platzierungen immer mehr als Hoffnung für die Olympischen Spiele in Sotschi. „Bei den Frauen machen wir uns keine Sorgen, da wollen wir eine Medaille gewinnen“, sagte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller. Und da kommt natürlich Deutschlands Topsprinterin ins Spiel: „Allen voran Denise Herrmann hat gute Ergebnisse erzielt.“ Eine Rolle, die ihr nicht so behagen will. „Ich sehe mich noch nicht unter den Favoriten in Sotschi. Gerade im Sprint kann so viel passieren“, sagte sie. Ihre Bilanz im olympischen Winter macht Zurückhaltung aber immer schwerer. In den Sprints der Saison belegte Herrmann die Plätze drei, drei, fünf und zwei. Ob Björgen, die Amerikanerin Kikkan Randall, die Polin Justyna Kowalczyk oder Oberhof-Siegerin Erikson: Alle Topsprinterinnen hat Herrmann bereits bezwungen – zumindest in Sprint-Qualifikationen wie in Davos. In den direkten Sechser-Duellen hat sie noch Nachholbedarf in Sachen Renngestaltung. „Ich will taktisch weitere Erfahrungen sammeln“, sagte sie, sieht sich noch in der Lernphase.  sid

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