MÜNCHEN MARATHON

Und es siegt doch ein Münchner

Oliver Herrmann, in Südostasien lebender rasender Unternehmer, überrascht in seiner Geburtsstadt – auch dank eines Helfers aus Kenia

Von Günter Klein

München – Ein Münchner Sieger beim München Marathon, das war der Traum, das war der Plan, und erfüllen sollte ihn Sebastian Hallmann. Doch er kam verspätet an, als Zwölfter, nach 2:38:46 Stunden, demonstrativ ließ er beim Austrudeln über die Ziellinie die Zunge (genannt: Marathonlappen) aus dem Rachen baumeln. Uff.

„Die Straße hat mir auf die Knochen gehauen, die Muskulatur hat zugemacht, ich musste Tempo rausnehmen“, beschrieb er die ab der Hälfte der 42,195 Kilometer veränderte Strategie. Zusätzlich setzte ihm ein Virus zu. Aber der ehemalige Bahnläufer (Deutscher Meister über 10.000 Meter) musste auch anerkennen, „dass man sich, will man richtig gut sein, seriöser vorbereiten muss“. Er hatte es halt über Bergläufe versucht – nicht das klassische Programm. „Und die Woche vor dem Wettbewerb war stressig“, blickt er zurück. Hallmann arbeitet in der Organisation des München Marathon, „in der Stunde vor dem Startschuss habe ich noch die Motorräder eingewiesen“.

Zu seinen Aufgaben hatte es auch gehört, die Meldungen der andere Spitzenläufer entgegen zu nehmen. Dazu gehörte auch die von Oliver Herrmann, der gestern in 2:27:10 Stunden gewann – und quasi aus dem Nichts den Traum vom Münchner Sieger doch noch realisierte. Vor 36 Jahren wurde er in München geboren, „ich habe hier gelebt, bis ich mit 19 zur Bundeswehr musste“. Inzwischen hat er auch einen Schweizer Pass, Lebensmittelpunkt ist Südostasien: „Da habe ich zwei Firmen, in Europa eine. Ich bin Unternehmer im Rohstoffbereich, bei einer Finanzierungsplattform und baue gerade eine digitale Bank auf.“ Vor vier Jahren entdeckte er das Laufen, täglich um vier Uhr morgens absolviert Herrmann seine erste Einheit. Im vorigen Jahr war er für dreimal zwei Monate in Kenia, im Läuferdorf Eldoret, von dort hat er sich Charles Korir mitgebracht, einen 2:15-Stunden-Läufer, der sich zusammen mit ihm bereits auf dem ersten Kilometer absetzte. „Es war psychologisch wichtig, ihn vor mir zu haben“, sagte Herrmann über seinen Pacemaker, der beim Finish im Olympiastadion so freundlich war, nicht alles zu geben und offiziell eine Sekunde später ankam.

Bemerkenswert die Leistung des Dritten: Solomon Merne, gebürtiger Äthiopier, der für den TV Wasserlos aus Franken läuft, lief über eine Minute später los als die Elite: „Ich musste mich noch anmelden und die Tasche abgeben“, erzählt er. Der Chip am Schuh hielt aber seine Nettozeit fest, die nur 33 Sekunden schlechter war als die des Siegers Oliver Herrmann.

Bei den Frauen gewann die 35-jährige Latifa Schuster aus dem Elsass. Über ihre persönliche Bestzeit von 2:56:08 Stunden war sie völlig aus dem Häuschen – und nicht nur, weil sie ihrem deutschen Ehemann um eine Stunde abhängte: „Ich habe erst bei Kilometer 40 erfahren, wie weit vorne ich liege.“ Da schloss sie zur bis dahin führenden Ismaningerin Coco Wieland auf, im Endspurt hängte sie schließlich die Hamburgerin Anne Lupke ab. Coco Wieland, die Lokalmatadorin, war aber kein bisschen traurig. Sie ist immerhin 46, fing erst als 39-Jährige mit Laufen an, fährt vor allem Mountainbike, bis vor zwei Jahren war sie noch Raucherin. Nach wie vor ist sie vereinslos, sie läuft einfach so.

Sie ist bei den Frauen eine Art Unikum wie bei den Männern der rasende Unternehmer Oliver Herrmann, der vorhat, sich mal auf 2:20 Stunden zu verbessern. „An München gefällt mir, dass es nicht so kommerzialisiert ist wie andere Marathons“, versichert er. Gerade solchen Läufern will Organisator Gernot Weigl „weiter eine Bühne geben. Das kommt an.“

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