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Schwul als Schimpfwort: „Lächerlich? Fürchterlich!“

1860- und Bayern-Fans kämpfen gemeinsam gegen Diskriminierung von Klaus vick

München – Dass der FC Bayern und der TSV 1860 etwas gemeinsam machen, kommt eher selten vor. Na gut, die Arena wurde zusammen gebaut. Aber wie diese Zweckehe für die Löwen endete, weiß man. Dieser Tage gibt es nun eine weitgehend unbeachtete, weil ungewöhnliche Kooperation. „Ein wichtiges Thema, wo man über den Schatten springen muss“, sagt Stephanie Dilba. Die 37-Jährige ist bei den „Löwen-Fans gegen Rechts“ engagiert und hat eine Ausstellung über „Homosexualität und Homophobie im Fußball“ initiiert.

Am Montag, 19 Uhr, werden 1860-Fans zusammen mit den „Monaco Queers“, einem schwul-lesbischen Fanclub des FC Bayern, im „Farbenladen“ des Feierwerk an der Hansastraße eine Podiumsdiskussion zu dem Thema veranstalten. Die Bayern haben 1860 nicht nur unzählige Meistertitel voraus, sondern in diesem Fall auch, dass es bereits zwei organisierte homosexuelle Fanclubs (der zweite schon länger bestehende heißt „Queerpass Bayern“) gibt. Das können die Löwen noch nicht vorweisen. Immerhin: Bei der achttägigen Wanderausstellung der European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF) sind die Löwen-Fans federführend. Porträtiert werden dort berühmte und weniger berühmte homosexuelle Sportlerinnen und Sportler wie Martina Navratilova, Amelie Mauresmo, Greg Louganis oder die deutsche Radfahrerin Judith Arndt.

Die FARE-Aktionswochen (Football Against Racism in Europe) finden europaweit statt. Dilba ist gerade dabei, die letzten Dinge für die Ausstellung (noch bis zum 30. Oktober) zu erledigen. Sie trägt einen blauen Kapuzenpulli mit der Aufschrift „Löwenfans gegen Rechts“. Am 26. August 1989, sie weiß es noch wie heute, war sie zum ersten Mal im Stadion. „Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie. Ihr politisches Denken wiederum sei schon immer davon geprägt gewesen, sich „gegen Diskriminierung“ zu wenden. Dazu zählt sie neben dem Kampf gegen Rassismus auch das Thema Homophobie.

„Die Vereine tun sich schwer damit, das anzupacken, machen einen großen Bogen darum“, meint die Pädagogin. Outing ist ein Tabu im deutschen Fußball. Auch und vielleicht gerade deshalb, weil der Begriff „schwul“ in den Stadien nach wie vor als Schimpfwort benutzt wird. Diese Rufe seien „nicht lächerlich, sondern fürchterlich“, meint Dilba. „Das hindert viele Spieler am Outing.“ Man könne die Reaktionen schwer abschätzen.

Auch die Löwen-Fans gegen Rechts werden mit Vorbehalten konfrontiert. Ziel der Initiative ist es, beim nächsten Heimspiel gegen Dresden am 3. November ein großes Transparent „Fußball-Fans gegen Homophobie“ in der Nordkurve aufzuhängen. Dazu soll es eine Aktion mit Flyern und Durchsagen im Stadion geben. Allerdings kam es in Fan-Foren bereits im Vorfeld zu ersten negativen Reaktionen. Dilba sagt: „Wir wollen keine Holzhammer-Methode und nicht zu viel Widerstand provozieren. Sonst schlägt die ganze Sache ins Gegenteil um, und hat einen negativen Effekt.“

Tanja Walter-Ahrens kennt diese Widerstände. Die die ehemalige Bundesliga-Spielerin hat dieser Tage aus ihrem Buch „Seitenwechsel. Coming Out im Fußball“ gelesen. Sie ist mit einer Frau verheiratet und würde jedem Fußballer/in zu einem Outing raten. Allerdings kann auch sie nachvollziehen, dass noch nie ein prominenter deutscher Fußballer diesen Schritt gewagt hat: „Es ist ganz viel Angst da.“ Schwulsein wird im harten Männersport Fußball wie eine Fata Morgana behandelt. Dabei wisse jeder, so die Autorin: „Es gibt überall Homosexuelle.“

Der Sportjournalist Ronny Blaschke, Julius-Hirsch-Ehrenpreisträger 2013, liest am Mittwoch, 19 Uhr, aus seinem Buch „Versteckspieler“. Er lobt die Aktion der Löwen-Fans gegen Rechts: „Sie haben Maßstäbe gesetzt in Deutschland.“ Auch dass man gemeinsame Sache mit Bayern-Fans mache, sei vorbildlich. Blaschke glaubt ohnehin zu wissen, dass der FCB bis zur Vereinsspitze diesem Thema gegenüber aufgeschlossen sei. „Der Fußball ist nicht so rückständig, wie viele meinen.“

Das Transparent „Fußball-Fans gegen Homophobie“ wurde beim Bayern-Spiel gegen Spartak Moskau aufgehängt. Beim FC Bayern sei die Situation „eigentlich sehr gut“, sagt Christian A. vom Fanclub „Monaco Queers“, man sei selten mit homophoben Äußerungen im Stadion konfrontiert. A. glaubt, dass schwule Profis Angst vor Schmähungen und Karrierenachteilen haben. Weil aber Menschen in der Kunst, Kultur und Politik diesen Schritt bereits unternommen hätten, prophezeit A.: „Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich der erste outet.“

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