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Scharf aufs Podolski-Gen

Die Fußball-Leistungszentren von Vereinen buhlen um die Gunst von Kindern – jetzt angeblich sogar schon um den siebenjährigen Poldi-Sohn

Kolumne

Übertreibt er wieder mal ein bisschen? Prinz Poldi, wie man ihn nennt, hat uns mit den Jahren an sein Talent gewöhnt, immer ein bisschen dick aufzutragen, vor allem wenn es um ihn und um Fußball geht. Jetzt aber geht es nicht um Lukas, sondern um Louis Podolski, dessen hervorstechendstes Merkmal ist, Poldis Sohn zu sein. Reicht auch erstmal. Der Junge ist gerade sieben. Hat aber vielleicht was von Papas Genen. Und das macht ihn ziemlich interessant. Für große Fußballklubs. Sagt Poldi.

Dass sich Vereine und Berater immer früher an kleine Kicker heranmachen, ist leider nicht übertrieben. Aber so früh? Vielleicht ist Lukas Podolski in diesem Fall nur ein gewöhnlicher stolzer Vater. Und seine Empörung ein bisschen gespielt. Wäre Louis elf oder zwölf, wir würden dem Papa Respekt zollen, dass endlich auch ein prominenter Vertreter einer zunehmend gieriger werdenden Branche den Finger in die Wunde legt und sich schützend vor die Kids stellt. Denn wie gesagt, im Prinzip hat Poldi Recht.

Es ist ja nun leider so, dass Vorschriften, die eigentlich zum Schutze junger Menschen ausgetüftelt wurden, gerade dazu reizen, nach Schlupflöchern zu suchen. Und weil die vielversprechendsten Talente ab 16 fast durchweg vertraglich schon gebunden sind, kümmert man sich halt vermehrt um die Jüngeren, die laut der sicher gut gemeinten Regeln noch keinen Vertrag haben dürfen. Und die Altersgrenze verschiebt sich beängstigend nach unten. Da werben sich nun die Nachwuchsleistungszentren gegenseitig ihre Besten ab, schließlich sind sie in diesem Alter allein mit großen Versprechungen zu ködern, nicht, wie ein paar Jahre später, nur gegen großes Geld. Das in der Bundesliga nur wenige haben.

Gerade sind mal wieder die neureichen Klubs wie 1899 Hoffenheim und vor allem RB Leipzig ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Dass die Leipziger mit ihrer U19 als Aufsteiger sofort das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft der A-Junioren erreicht haben, lässt Vertreter der sogenannten Traditionsklubs zetern. Wobei nicht jedem ersichtlich wird, was die von Gazprom finanzierten Schalker vom Brauseklub Leipzig so gravierend unterscheidet, vom Gründungsjahr mal abgesehen. Gewiss wird man im Ruhrpott einige Vereine finden, die Schalker Abwerbungsversuche ähnlich aggressiv finden wie Schalkes Nachwuchschef die der Leipziger.

Der erbitterte Kampf um die besten Talente wird recht ruppig geführt, ist zum Spiegelbild des knallharten Profigeschäfts geworden. Leipzigs Nachwuchsphilosophie zeichnet sich aber wie die in Hoffenheim dadurch aus, dass nicht nur in Beine, sondern noch viel mehr in Steine (und Köpfe) investiert wird. RB errichtet gerade ein 35 Millionen teures Nachwuchszentrum, das, wie in Hoffenheim, Talente nicht nur sportlich, sondern auch pädagogisch und persönlich fördern will. Weil man die Verantwortung gegenüber jenen ernst nimmt, die den Sprung später nicht schaffen (das sind, nebenbei bemerkt, die allermeisten). Und wenn schließlich statt eines großen Fußballers eine große Persönlichkeit aus dem Leistungszentrum hervorgeht, so ist das auch ein Erfolg (wenn auch kein materieller für den Verein).

So viel investiert nicht jeder, auch, weil es nicht jeder kann. Außerdem ist es eine Glaubensfrage. Man könnte natürlich die 35 Millionen auch so ausgeben, dass man davon fast fertige (und damit schon recht teure) Nachwuchskräfte wie Kurt oder Kimmich aus den Talentschmieden der Konkurrenz abwirbt. Da weiß man, was man kriegt, und muss nicht unbedingt einsteigen in das Gezerre um die 13-, 14-Jährigen.

Und schon gar nicht einen Siebenjährigen anbaggern. Dessen Perspektive noch keiner erahnen kann. Selbst wenn der Junge mit Nachnamen Podolski heißt.

Zwischentöne

Die Fußball-Leistungszentren von Vereinen buhlen um die Gunst von Kindern – jetzt angeblich sogar schon um den siebenjährigen Poldi-Sohn

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