Zwei neue Offensivwaffen

Spielentscheidend gegen Selb: Luca Endres pariert in der Verlängerung gegen Pisarik und Max Vollmayer (hier noch am Boden) traf im Gegenzug zum 4:3. Ruprecht

Rosenheim – Plötzlich wird es wieder eng an der Spitze der Oberliga Süd, wo die Memminger Indians wochenlang einsam ihre Kreise zogen.

Nach zwei Niederlagen der Allgäuer an diesem Wochenende sind sowohl Verfolger Deggendorf (trotz Heimniederlage gegen Peiting) als auch der neue „Vize“ Regensburg auf fünf Punkte herangekommen. Dass auch die Starbulls in Richtung Spitze zumindest noch schielen können (fünf Punkte auf Memmingen, nur einen Punkt Rückstand auf die anderen beiden) liegt daran, dass sie am Freitag endlich ihre Auswärts-Negativserie brechen und dadurch wieder mal zwei Siege am Stück (wenn auch mit einem Minuspunkt) feiern konnten.

Allerdings: Selbst Platz vier ist noch nicht in trockenen Tüchern, denn mit sechs Punkten Rückstand (bei noch ausstehenden acht Spieltagen) auf die Starbulls sind auch die in den letzten Wochen permanent starken Riesserseer noch mit dabei. Da erweist sich der hauchdünne 3:2-Sieg gegen den SCR vor einigen Wochen gleich doppelt wertvoll! Die restlichen fünf Teams (mindestens elf Punkte hinten) kann man wohl vernachlässigen.

Lange Zeit sah es am Freitag danach aus, als würde der Negativ-Rekord auf fremdem Eis (sechs Null-Punkte-Spiele in Folge), den man vor einer Woche egalisiert hatte, diesmal sogar gebrochen, doch dann trumpfte der Rumpfkader von nur 15 Spielern mit einem 3:1 im Schlussdrittel noch einmal mächtig auf. Deutlicher hatten die Starbulls in dieser Saison erst zweimal ein Schlussdrittel für sich entschieden (3:0 in Höchstadt zum Endstand von 7:3 und 6:0 gegen Füssen zum 9:0). Josh Mitchell und Dominik Daxlberger brachten ihr Team mit dem Rekord-Doppelschlag der Saison binnen 19 Sekunden so richtig auf die Siegerstraße.

Überhaupt Daxlberger: Die Nummer 17 hat sich in den letzten Wochen an der Seite von Mitchell und Jake Smith zur echten Offensivwaffe entwickelt. Mit drei Toren und zwei Assists (Daxlberger) und drei Toren und drei Assists (Smith) nahm diese Reihe am Wochenende die Hauptlast im Scoring von der Höller/ Baindl/Zick beziehungsweise Slezak-Reihe. Daxlberger gefällt sich derzeit übrigens in einer Rolle, die sonst meist Alex Höller innehat, nämlich der des „Dammbrechers“. In drei der letzten vier Partien schoss er das erste Rosenheimer Tor!

Noch ein Detail zum Thema Offensive: Für 99 Prozent der Verteidiger in der Liga Alltag, für Max Vollmayer schon fast eine kleine Krise: Vier Spiele lang war der absolute Topscorer unter den Verteidigern in den beiden Wochen davor zum ersten Mal ohne Scorerpunkt geblieben. An diesem Wochenende aber hat er wieder Fahrt aufgenommen. Zwei Vorlagen in Lindau, eine und dazu ein echtes Knallertor zum Overtime-Sieg gegen Selb deuten an, dass die „Krise“ wohl vorbei ist.

Heimserie jetzt beielf Siegen

Overtime war bisher ja nicht gerade eine Domäne der Starbulls. Während Kontrahenten wie Memmingen (elf), Riessersee (neun), Deggendorf oder Selb (je acht) von den Zusatzpunkten aus der Verlängerung gut leben, hatten die Starbulls außer den beiden Penalty-Shoot out-Siegen, die Kevin Slezak zu Saisonbeginn fixierte, in weiteren fünf Overtimes keinen einzigen zählbaren Erfolg vorzuweisen.

Die Heim-Siegesserie von inzwischen elf Spielen hat nach wie vor Bestand, auch wenn sie durch den Minuspunkt gegen Selb nun einen kleinen Fleck aufweist. 19 Spieltage (oder mehr als vier Monate) ist es inzwischen her, dass die Starbulls zuletzt in regulärer Spielzeit in eigener Halle verloren. Hauptgrund dafür war, dass Höller und Co. auch diesmal wieder ein glänzendes erstes Drittel aufs Eis brachten; in den letzten neun Partien lagen sie nach 20 Minuten sechsmal in Führung, dreimal stand es unentschieden. Und auch auf das obligatorische Heim-Powerplaytor mussten die Fans, wie in bisher allen Spielen der Meisterrunde, nicht verzichten. Diesmal war Jake Smith der glückliche Schütze.

Mit Powerplay-Zeit wurden Sicinskis Jungs an diesem Wochenende ja nicht gerade verwöhnt. Drei Versuche gegen Selb, nur zwei in Lindau, wobei sie Letztere jedoch optimal nutzen. Ein Tor nach 27 Sekunden Überzahl, eins nach 16 – besser geht es kaum!

Und wo wir gerade beim Thema Über-/Unterzahl sind: Auch nach fast zwei Jahrzehnten genauer (manche sagen: penibler) statistischer Analyse gibt es tatsächlich immer wieder mal Neues. In Lindau führte wohl eine Mischung aus Rosenheimer Undiszipliniertheiten und eventuell einer gewissen „Einäugigkeit“ von Schiedsrichter Kohlmaier für ein Missverhältnis bei den kleinen Strafen, das es zuvor in der gesamten Oberliga/Zweitliga-Historie der Starbulls seit 2004 noch nicht gegeben hatte. Den beiden Lindauer Strafzeiten standen zehn gegen Rosenheim gegenüber, und die Islanders hatten um 13:05 Minuten mehr Powerplay-Zeit als ihr Gegner, über vier Minuten davon sogar doppelt! Wiederholung nicht unbedingt erwünscht!

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