20 Jahre Starbulls Rosenheim: Heroisches Halbfinale und ein Winter-Märchen mit Pokalsieg

Riesenjubel beim Starbulls-Team nach dem Pokalsieg am 11. Januar 2011 gegen die Ravensburg Towerstars. Ziegler
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Riesenjubel beim Starbulls-Team nach dem Pokalsieg am 11. Januar 2011 gegen die Ravensburg Towerstars. Ziegler
  • Thomas Neumeier
    vonThomas Neumeier
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Die Starbulls Rosenheim und der DEB-Pokal: Teil 3 der Serie „20 Jahre Starbulls“ beschreibt die Rosenheimer Pokalgeschichten mit dem Höhepunkt vom 11. Januar 2011. Im Heimspiel gegen die Ravensburg Towerstars standen die Steer-Schützlinge im Finale.

Trainer Franz Steer präsentiert den Fans zusammen mit seinem Team den Pokal

Rosenheim– Vier Aufstiege in 20 Jahren – durchaus eine beachtliche Erfolgsbilanz der Starbulls Rosenheim. Auf dem Briefkopf sind allerdings nur zwei Meistertitel verewigt: Der in der Bayernliga von 2004 und der in der Oberliga von 2010. Bei den Aufstiegen in die Landes- sowie in die Bayernliga in den ersten beiden Jahren nach dem Neuanfang war den Starbulls jeweils der EV Landsberg im Weg: 2001 und 2002 musste man sich den Mannen vom Lech im Finale der Bezirksliga und der Landesliga geschlagen geben. Im DEB-Pokal standen die Starbulls bei vier Teilnahmen zwei Mal im Finale – mit der Krönung 2011. Ein Titel für den Briefkopf.

Im Pokal gegen die Hamburg Freezers aus der DEL

Saison 2007/08: Zum ersten Mal sind die Starbulls Rosenheim im DEB-Pokal im Einsatz – den hatten sie sich in der Vorsaison über die Pokal-Qualifikation in der Oberliga erkämpft. Dabei spielten die Teams auf den Rängen neun bis zwölf, die also die Play-offs verpassten, einen Pokalteilnehmer aus – die Starbulls waren Elfter. In der ersten Runde der Qualifikation behielten sie gegen den EHC Klostersee (8:2 und 2:4) die Oberhand, in den entscheidenden Duellen gegen den EV Füssen mit 9:4 und 7:1. Die Rosenheimer stehen im Pokal – und bekommen gleich einen Hochkaräter als Gegner zugelost.

20 Jahre Starbulls Rosenheim: Der Pokalsieg von 2011 gegen Ravensburg in Bildern

In der ersten Runde trifft der Oberligist auf die Hamburg Freezers aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Es ist übrigens das einzige Pflichtspiel der Starbulls in der noch jungen Vereinsgeschichte gegen einen Verein aus der höchsten deutschen Spielklasse.

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Am 28. August 2007 bietet der Außenseiter den klaren Favoriten dann auch ordentlich Paroli, muss aber erwartungsgemäß die Segel streichen. Die Mannen von der Elbe gewinnen am Ende mit 6:0. Allerdings hielten sich die Rosenheimer mehr als ein Drittel schadlos und hätten zur ersten Pause auch in Führung liegen können, wie Hamburgs Trainer Bill Stewart nach dem Spiel meinte. Die größte Gelegenheit besaß Stephan Gottwald in der 13. Minute. Den Gästen gelang dann nach Wiederbeginn der Führungstreffer, ehe sie in der 36. und 37. Minute mit einem Doppelschlag die Weichen auf Sieg stellten. Die Hamburger schieden nach einem weiteren Erfolg über Wolfsburg im Viertelfinale gegen die Hannover Scorpions (damals noch in der DEL) aus. Den Pokalsieg holten sich die Eisbären Berlin durch ein 3:2 vor heimischer Kulisse über die Frankfurt Lions.

Überragend: Torhüter Norm Maracle jubelt vor der Mangfall-Kurve

Als Oberliga-Meister für den Pokal qualifiziert

Saison 2010/11:Als Oberliga-Meister hatten sich die Starbulls auch für den DEB-Pokal qualifiziert, Zum Auftakt mussten sie zu den Stuttgart Rebels reisen. Beim amtierenden Meister der Regionalliga Südwest ließen die Rosenheimer nichts anbrennen und siegten mit 12:3 – übrigens der einzige zweistellige Erfolg in der ersten Runde.

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Dann wurde es aber schon dramatisch. In der zweiten Runde war der Zweitliga-Konkurrent Wölfe Freiburg zu Gast bei den Starbulls – und die Rosenheimer brauchten da schon eine kräftige Aufholjagd, um den Einzug ins Viertelfinale zu schaffen. Alan Reader brachte die Truppe von Trainer Franz Steer in Führung, es folgten aber vier Freiburger Treffer in Serie. Aber die Starbulls schlugen zurück: Die jungen Angreifer Robin Hanseko und Philipp Quinlan hauchten den Gastgebern mit ihren Toren wieder neues Leben ein. Stephan Gottwald gelang dann der Ausgleich und es war erneut Reader, der für die umjubelte Führung sorgte. In der Schlussminute erzielte Andreas Paderhuber den 6:4-Endstand.

Nächste Aufholjagd im Viertelfinale

Eine Aufholjagd brauchte es auch im Viertelfinale gegen die Hannover Indians, damals auch in der zweithöchsten Spielklasse beheimatet. Wieder waren die Starbulls in Führung gegangen, diesmal durch Stephen Werner. Noch im ersten Drittel gelang den Gästen vom Pferdeturm der Ausgleich, dem sie im zweiten Abschnitt noch zwei weitere Treffer folgen ließen. Die Mannen von der Leine hatten die Rechnung aber ohne die Rosenheimer gemacht, die nun aufdrehten: Thomas Schenkel verkürzte auf 2:3, Micky Rohner gelang der Ausgleich. Und letztlich war es dann im letzten Durchgang auch Starbulls-Rekordspieler Rohner, der die Entscheidung herbeiführte: 62 Sekunden vor dem Ende markierte er im Powerplay den 4:3-Siegtreffer.

Halbfinale gegen die deutsche U20-Nationalmannschaft

Weniger Mühe bereitete den Rosenheimern dann das Halbfinale gegen die deutsche U20-Nationalmannschaft, die im Pokalbewerb gegen die Herren-Teams Erfahrungen sammelte. Weil die U20-Weltmeisterschaft bevorstand, war der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) mit kompletter Kapelle im Trainerstab angetreten. Bundestrainer Uwe Krupp und seine Assistenten Ernst Höfner und Klaus Merk standen bei den DEB-Youngstern an der Bande, auf der Tribüne beobachteten Deutschlands Jahrhundertspieler Erich Kühnhackl und Ex-Bundestrainer Hans Zach das Geschehen auf dem Eis, das sich schnell als klare Sache für die Gastgeber herausstellte. Nach Toren von Marcus Marsall (2), Konrad Reeder (2), Hanselko, Tommi Hannus und Robert Schopf gewannen die Starbulls mit 7:1 – und freuten sich auf ein Endspiel vor heimischer Kulisse. In diesem trafen die Starbulls auf den Liga-Konkurrenten Ravensburg Towerstars. Waren die bisherigen Pokalspiele vom Publikum nur am Rande wahrgenommen worden, so sahen das Endspiel knapp 3000 Zuschauer in Rosenheim – und die wurden nicht enttäuscht, weil es vor allem im letzten Drittel nach dem 1:0-Führungstor von Mitch Stephens dramatisch wurde. Zunächst glich Frederic Cabana für die Gäste aus, ehe Kapitän Gottwald 3:35 Minuten vor Schluss aus der Drehung die neuerliche Rosenheimer Führung markierte. Als Ravensburg auf den Ausgleich drängte (den zunächst Norm Maracle verhinderte), traf Alan Reader ins verwaiste Gäste-Gehäuse zum 3:1 – der Ravensburger Anschluss eine Sekunde vor dem Ende ging schon im Jubel der Zuschauer unter.

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Besonderer Tag in der Starbulls-Geschichte

„Die Starbulls Rosenheim sind DEB-Pokalsieger – das klingt sehr, sehr schön“, war Franz Steer zufrieden. Vorstand Richard Diebald sprach nach Oberliga-Titel, Aufstieg in die zweite Liga und dem DEB-Pokalsieg binnen neun Monaten von einem „Rosenheimer Winter-Märchen“. Der 11. Januar 2011 ist jedenfalls ein besonderer Tag in der Geschichte der Starbulls.

Da ist das Ding: Kapitän Stephan Gottwald.

Saison 2011/12: Als Titelverteidiger taten sich die Starbulls in den ersten beiden Runden bei Oberligisten nicht so leicht: Beim EV Regensburg siegten die Rosenheimer durch Tore von Geordie Wudrick (2), Peter Kathan, Micky Rohner, Simon Wenzel und Dominic Auger mit 6:4. Zwischenzeitlich lag man wieder einmal im Rückstand – auch, weil bei Regensburg ein gewisser John Sicinski mit einem Tor und zwei Assists aufzeigte. In der zweiten Runde behielten die Steer-Schützlinge am Kobelhang beim EV Füssen mit 6:3 die Oberhand, hier trafen Michael Baindl (2), Auger (2), Mitch Stephens und Stephan Gottwald.

Im Viertelfinale das Duell mit dem EV Landshut

Im Viertelfinale wartete nun das Duell mit dem EV Landshut, für Trainer Franz Steer als waschechten Landshuter eh immer eine ganz besondere Herausforderung. Umso erzürnter war der Starbulls-Coach nach der 1:5-Niederlage (das einzige Rosenheimer Tor erzielte Patrick Asselin) – allerdings nicht auf seine Mannschaft. „Meine Spieler haben diese Niederlage nicht verdient“, sprach Steer. Dafür schimpfte er mit der Schiedsrichter-Leistung, als Stephens regelwidrig außer Gefecht gesetzt wurde und die passende Strafe dafür ausblieb. Steer wetterte: „Ich frage: Muss ein Spieler bluten, damit der Übeltäter in die Kabine muss, oder soll ich jetzt meine Spieler anweisen, dass sie Schauspielunterricht nehmen, lange liegen und bleiben und sich vom Eis tragen lassen?“ Die Antwort darauf gab er gleich selbst: „Nein, das werde ich nicht tun, denn auf Rührei-Eishockey stehe ich nicht!“

Fünf Auswärtsspiele im Pokalbewerb 2012/2013

Saison 2012/13:Nur Auswärtsspiele hatten die Rosenheimer in diesem Pokalbewerb zu bestreiten – allerdings gleich fünf an der Zahl, denn sie erreichten wieder das Endspiel. Wobei die Leistungen in den ersten Runden erneut nicht gerade ansprechend waren: Beim Oberligisten Saale-Bulls Halle gab es in der ersten Runde einen 4:2-Erfolg (Torschützen: Bryan Schmidt, Dominic Auger, Matt Caruana und Stephan Gottwald), beim Oberligisten Schweinfurt Mighty Dogs in der zweiten Runde ein glanzloses 3:2 nach Treffern von Caruana, Micky Rohner und Fabian Zick.

Im Viertelfinale musste man erneut bei einem Oberliga-Vertreter ran: In Bad Nauheim wurden die Starbulls zwar gefordert, lösten die Aufgabe mit dem 5:3 aber souveräner, als es das Resultat aussagte. Greg Squires war zweifacher Torschütze, die weiteren Treffer gingen auf die Konten von Michael Fröhlich, Rohner und Gottwald.

Beide Tore durch Ryan Del Monte

Es folgte ein fast schon heroischer Halbfinal-Auftritt beim DEL2-Konkurrenten Schwenningen Wild Wings. Die Mannen vom Bauchenberg hatten fest mit dem Einzug ins Endspiel gerechnet und waren favorisiert – Rosenheim kämpfte aber mit aller Leidenschaft und hatte mit 2:1 das glücklichere Ende. Beide Treffer für die Starbulls erzielte Ryan del Monte, der im Saisonverlauf nicht immer so überzeugen konnte.

Starbulls standen erneut im Finale

Eine ähnlich grandiose kämpferische Leistung legten die Grün-Weißen dann auch im Endspiel bei den Bietigheim Steelers aufs Eis. Beim Titelverteidiger scheiterten die anrennenden Rosenheimer immer wieder an Bietigheims Goalie Joey Vollmer, der letztlich nur einen Versuch von Squires zum Starbulls-Anschlusstor im letzten Drittel zuließ. Die Rosenheimer konnten trotz der 1:2-Niederlage das Eis erhobenen Hauptes verlassen.

Am 27. Februar 2013 haben die Starbulls ihr letztes Pokalspiel absolviert – seitdem ist der Wettbewerb nämlich nicht mehr ausgetragen worden.

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