20 Jahre Starbulls Rosenheim: Bei der Gründung im Jahr 2000 zahlt man noch mit D-Mark

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Der größte Erfolg: Trainer Franz Steer präsentiert den DEB-Pokal, den die Starbulls im Jahr 2013 gewannen.
  • vonManfred Eder
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Sommer 2000… In Deutschland zahlte man noch mit der D-Mark, Gerhard Schröder war Bundeskanzler,  „Big Brother“ lief an, für das Wort des Jahres „Schwarzgeldaffäre“ hatte ungewollt Schröders Vorgänger Helmut Kohl gesorgt und das Ansehen des deutschen Fußballs lag nach der Blamage bei der EM in Trümmern.

Rosenheimer Eishockey-Idol: Mondi Hilger.

Rosenheim - Ebenso in Trümmern lag das Rosenheimer Eishockey. Die DEL-Lizenz war nach Iserlohn verkauft worden, die 19 (!) Legionäre des Vorjahres waren in alle Winde zerstreut, Publikumslieblinge wie Robert Müller und Klaus Kathan spielten anderswo in der DEL, der Plan „Oberliga“ war gescheitert, und wochenlang stand sogar das komplette Aus zur Diskussion. Das Aus für einen Klub, der in den letzten 15 Jahren fast immer zur Bel Etage des deutschen Eishockeys gezählt, elf Jahre zuvor seine letzte deutsche Meisterschaft gefeiert hatte und dessen Spieler dabei stets wesentliche Faktoren im deutschen Nationalteam gewesen waren.

Mondi Hilger stellte sich den Problemen

Einer stellte sich von Beginn an dem Berg von Problemen: Mondi Hilger. Bis auf kurze Intermezzi in München und Bad Tölz war er seit 1986 das Gesicht des Rosenheimer Eishockeys gewesen. In Wilhelm Graue, Karl Aicher und Richard Diebald fand er drei Mitstreiter, die unter neuem, aber vertraut klingendem Namen (Starbulls statt Star Bulls) als Vorstände und „Krisenmanager“ einstiegen.

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Urgestein als Trainer

Nun ging es also los. Mit Gerhard Graf, einem „Urgestein“ aus den Siebzigern, fand sich ein Trainer, nicht nur für das Senioren-, sondern auch für das DNLTeam, das die Starbulls als einziges Team der siebthöchsten (!) Spielklasse ins Rennen in der neu gegründeten höchsten Junioren-Liga schickten.

Gerhard Graf war der erste Starbulls-Coach nach dem Neubeginn.

Die Spieler, die für das DNL-Team zu alt waren, darunter Matthias Bergmann und Micky Rohner, stellten rund drei Viertel des Kaders, dazu kamen einige leicht angejahrte Ehemalige wie Jürgen Lechl, Toni Maidl, Wacki Kretschmer, Walter Deisenberger oder Toni Hager, Vater des aktuellen Nationalspielers Patrick Hager.

Die Gegner in dieser ersten Saison, die sich auf zehn Punktrunden- und vier Playoff-Spiele beschränkte, hießen Miesbach 1b, Geretsried 1b, München 1b, Gaißach und Berchtesgaden. Der sportliche Wert war bei Ergebnissen wie 22:0, 21:0 oder 18:0 eher gering, daher lag das Hauptaugenmerk von Trainer Graf eher auf den Testspielen gegen durchwegs höherklassige Gegner, von denen die meisten ebenfalls gewonnen wurden.

Vierstellige Zuschauerzahl

In allen Spielen lag der Zuschauerschnitt im vierstelligen Bereich, zum Punktspielauftakt gegen Berchtesgaden kamen gar 2650 Fans! Sie entzückten sich vor allem an der Paradereihe mit den alten Kämpen Mondi Hilger und Vitus Mitterfellner sowie Youngster Stefan Rohm, die die überforderten Gegner schwindlig spielten oder auch einfach überrannten. In einigen Partien schoss allein dieser Sturm bis zu zehn Tore!

2002: Starbulls erreichen Bayernliga

Der Marsch zurück in höhere Gefilde verlief zunächst im Gleichschritt mit dem EV Landsberg 2000, der sich zeitgleich mit den Starbulls, allerdings aus der Zweiten Liga kommend, in der Bezirksliga wiederfand. Zwar hatten die Landsberger im Play-off gegen Rosenheim in den ersten beiden Jahren die Nase vorn, doch da jeweils zwei Teams aufstiegen, erreichten Hilger und Co. planmäßig 2002 die Bayernliga.

In der Bayernliga, endlich wieder mit einem ansehnlichen Terminplan von 30 Spielen plus Play-off und namhafteren Gegnern wie Waldkraiburg, Dingolfing, Sonthofen oder dem Augsburger EV, war allerdings eine „Ehrenrunde“ fällig, da man 2003 am EHC München scheiterte, der nach der Pleite der Barons plötzlich die Nummer eins in der Landeshauptstadt war und über einen Profikader verfügte, der die Konkurrenten aus Rosenheim und Landsberg weit hinter sich ließ.

2004: Rückkehr in den DEB-Bereich

Geschafft: 2010 wurden die Starbulls Meister der Oberliga. Kapitän Martin Reichel präsentierte inmitten der Spielertraube den Meisterpokal.

2004 dann hatten die Starbulls plötzlich die Oberhand über den alten Rivalen Landsberg. Unter Trainer Ron Chyzowski, der im Vorjahr den Graf-Nachfolger Franz Fritzmeier abgelöst hatte, gelang in einer Best-of-three-Serie (10:2, 2:6 und 5:2) endlich die Rückkehr in den DEB-Bereich. Die Tore des entscheidenden Spieles (Hilger 3, Uli Drechsler und Christoph Koziol) kann man heute noch im Internet finden.

Vier Jahre hatte es also gedauert, um wieder auf die überregionale Eishockey-Landkarte zu kommen. Der Sprung um ein weiteres Level, in die Zweite Liga, erwies sich da schon als schwieriger.

War man nach der ersten Oberliga-Saison als Aufsteiger mit dem Erreichen der Play-off-Runde noch vollauf zufrieden, so sollte sich dieses in den folgenden Spielzeiten ändern.

Schwierige Jahre in der Oberliga

Fünf Jahre lang schied man entweder in der ersten Play-off-Runde aus oder erreichte sie nicht einmal. Tiefpunkt war dabei zweifellos die Saison 2007/08, als im Play-down gegen Passau nur eine einzige Niederlage zum Abstieg in die Bayernliga fehlte und ein knapp 17-jähriger DNL-Torhüter namens Philipp Grubauer die Kastanien aus dem Feuer holen musste.

Bezeichnend in diesen Jahren die Überschriften der Artikel über die Starbulls-Saison in den Rückschau-Heften der Eishockey-News: „Ein Mangel an Führungsspielern“ (2006), „Mit blauem Auge davongekommen“ (2007), „Pleiten, Pech und Pannen“ (2008) und „In der heißen Phase abgekühlt“ (2009).

Ein anderes Bild bot sich dann in der Aufstiegssaison 2009/10. War es in den vergangenen Jahren immer so gewesen, dass sich auch in den besseren Spielzeiten zum Saisonende hin und besonders im Play-off die Leistungsträger „verabschiedeten“, lief es diesmal eher umgekehrt.

Nur noch eine Richtung: nach oben!

Auch unter Franz Steer, der während der Vorsaison Markus Berwanger als Coach abgelöst hatte, schaffte das Team nach durchwachsenen Leistungen nur Platz fünf.

Aber ab der dramatischen und wechselvollen Viertelfinal-Serie gegen Bad Nauheim ging es nur noch in eine Richtung: nach oben! Die OVB-Heimatzeitungen berichteten vor einigen Wochen ausführlich darüber.

Die Ära  von Trainer Franz Steer

In den Derbys gegen Landshut war immer etwas geboten.

Dass damit im Zusammenhang mit Steer eine ganze Ära anbrechen würde, konnte man damals noch nicht ahnen. Gut neun Jahre lang lenkte er die Geschicke des Teams an der Bande. Wenn er sich auch durch seine direkte niederbayerische Art nicht nur Freunde machte und auch in puncto Taktik und On-Ice-Coaching vielleicht nicht einsame Spitze war, durch einen wesentlichen Faktor war er ein absoluter Glücksfall für die Starbulls: sein Netzwerk, was die Verpflichtung von Kontingent-Spielern anging. Von Jeremy Stasiuk bis Duncan Dalmao zog sich wie ein roter Faden das Prädikat „zu schwache Ausländer“ durch die Oberliga-Jahre, den zweimaligen „Teilzeit-Legionär“ Ryan Smith und Aufstiegs-Center Ron Newhook einmal ausgenommen. Und hatte man zwischendurch einmal starke Legionäre (Phil Aucoin, John Snowden), dann packte sie nach ein paar Wochen das Heimweh!

Kontingentspieler und Aufstiegshelden

Im Sommer 2009 heuerte Aufstiegsheld Mitch Stephens an, Dylan Stanley wurde während der Saison zurückgeholt, und in den ersten vier Jahren in der 2. Liga gelang es Steer, Kontingentspieler an die Mangfall zu holen, wie man sie dort jahrelang nicht mehr hatte bewundern können. Erinnert sei hier an Stephen Werner und Tommi Hannus 2010, Cory Quirk und Patrick Asselin 2011, Greg Squires und Matt Caruana 2012 und vor allem 2013 Tyler McNeely und Shawn Weller sowie die Skandinavier Kim Staal und Robin Weihager, bei allem Respekt für Max Vollmayer wohl der spektakulärste Verteidiger dieses Jahrtausends im Starbulls-Dress.

Erfolgreich in der 2. Liga

Der Aufenthalt in der 2. Liga war von Beginn an von Erfolg gekrönt. Angefangen mit sechs Siegen im ersten Play-off, darunter der monumentale Viertelfinal-„Sweep“ gegen den Mitfavoriten Heilbronn, erreichten die Starbulls in den ersten vier Jahren immer mindestens das Halbfinale, bereits im zweiten Jahr marschierten sie sogar bis ins Finale gegen Landshut, in dem sie immerhin zwei der vier Finalspiele für sich entscheiden konnten.

Leider erwiesen sich in den Play-offs 2013 und 2014 (in diesem Jahr fehlte den Starbulls nur ein einziger Punkt zur Doppelrunden-Meisterschaft) die Bietigheim Steelers im Halbfinale als Stolperstein, das Team, das man 2011 als Aufsteiger im Pre-Play-off noch eliminiert hatte.

2014 aber begann der Glanz langsam zu bröckeln. Erstmals hatte Steer bei der Auswahl der Kontingent-Spieler kein glückliches Händchen mehr, ja, Ex-DEL-Stürmer Sergio Somma erwies sich sogar als ausgesprochener Flop. Und nun litt man wieder an der alten „Oberliga-Krankheit: Aus im Viertelfinale. Kein einziger Sieg gelang da gegen Bremerhaven, auch wenn alle Niederlagen hauchdünn waren, drei davon sogar erst in Overtime.

2015/16 waren die Ausländer wieder top: C. J. Stretch, Wade MacLeod, Tyler McNeely und David Vallorani belegten die ersten vier Ränge der Scorerliste, doch diesmal fehlte die Tiefe im Kader und die Defizite auswärts sowie von Ex-DEL-Goalie Patrick Ehelechner im Tor ließen letztlich nur Rang acht und ein schnelles Ausscheiden gegen Bietigheim zu.

Das Katastrophenjahr 2017

2017 schließlich der Super-Gau, zusammengefasst in der Überschrift im Saison-Rückschauheft der Eishockey-News „Seuchenjahr gipfelt in Abstieg“. Es kam alles zusammen in dieser Saison: Die drei neuen Legionäre waren allesamt schwächer als ihre Vorgänger, wochenlang musste man auf bis zu neun Stammspieler verzichten, und für wichtige Spieler wie Michael Baindl, Peter Lindlbauer oder Simon Fischhaber war die Saison schon Monate vor dem Playoff beendet.

Obwohl man in beiden Playdown-Serien gegen Heilbronn und Crimmitschau Heimrecht hatte, gingen beide mit jeweils 2:4 Spielen verloren. Ob der Wechsel von Trainer Steer auf DNL-Coach Tom Schädler vor der Crimmitschau-Serie sinnvoll war, bleibt dahingestellt, erschwerend kam jedenfalls hinzu, dass die Starbulls der erste tatsächliche sportliche Absteiger seit fünf Jahren waren und durch die Tölzer Löwen ersetzt wurden. Zuvor war fast schon „traditionsgemäß“ der Absteiger am grünen Tisch in der Liga geblieben.

Gravierender Umbruch

Es war also ein erneuter gravierender Umbruch fällig. Nur neun Spieler aus dem Abstiegskader blieben an Bord, Manuel Kofler agierte nun hinter der Bande, fünf gestandene Rosenheimer Erst- und Zweitliga-Cracks (Draxinger, Bergmann, Fröhlich, Zick, Bucheli) kamen zurück, einige DNL-Spieler rückten auf, und man ging eigentlich als einer der Favoriten auf den Aufstieg ins erste Oberliga-Jahr. Der Fan-Zuspruch war nach wie vor zufriedenstellend, die Leistungen größtenteils auch, vor allem, als zum Jahreswechsel die beiden schwachen Finnen-Legionäre durch Chase Witala und Viteszlav Bilek ersetzt wurden. Als Süd-Zweiter ging man ins Play-off gegen den Norden, scheiterte aber nach Erfolgen gegen die Hannover Indians an deren Stadtrivalen, den Scorpions.

Zwei, die Spaß machten: Shawn Weller und Tyler McNeely brillierten mit Kampfgeist und schossen auch viele Tore.

Das gleiche Schicksal erlitt man im folgenden Jahr; wieder waren die Scorpions Endstation, sowohl für die Starbulls als auch für Manuel Kofler, der durch John Sicinski ersetzt wurde. Diesmal lief es schon während der Punkterunde nicht reibungslos (um Weihnachten herum sogar katastrophal), sodass man nur als Vierter ins Play-off starten konnte.

Wie es 2020, zum 20-jährigen Bestehen der Starbulls Rosenheim im Play-off gelaufen wäre, wird man nie erfahren, da Corona die Saison ja nach der Punkterunde abrupt beendete. Aber es dürfte auch eingefleischten Optimisten schwerfallen, sich einen Aufstieg des Süd-Fünften vorzustellen, auch wenn die Starbulls in dieser Saison das mit Abstand beste Heimteam waren.

Und da sich der geplante Wiederaufstieg nunmehr drei Jahre lang mit einem überwiegend aus Rosenheimern bestehenden Kader nicht verwirklichen ließ, steht nun erneut ein radikaler Umbruch bevor, was man anhand des bisher feststehenden runden Dutzends an Abgängen unschwer feststellen kann. Was die Zukunft bringen wird, ist darüber hinaus nicht nur sportlich ungewiss, wegen der nach wie vor bestehenden Corona-Einschränkungen hängt weit mehr in der Schwebe als Zu- oder Abgänge.

Über viele Jahre hinweg hatte der Starbulls Rosenheim e.V. mit Wilhelm Graue, Karl Aicher und Richard Diebald ein konstantes Führungstrio an der Vereinsspitze. Ein Trio, das sportlich wie auch wirtschaftlich viele Höhen und Tiefen miterlebt hat. Im Nachgang erinnert man sich an den sportlichen Aufstieg aus der Bezirksliga bis hinauf in die zweithöchste deutsche Spielklasse im Jahr 2009/ 2010. Zusätzlich gewannen die Grün-Weißen im Jahr 2011 den DEB-Pokal im Finale gegen die Towerstars Ravensburg.

Wo Sonne ist, ist jedoch auch Schatten zu finden. Man erinnere sich hierbei an viele zähe Jahre in der Oberliga, in denen große Unzufriedenheit im Verein herrschte. Darin enthalten auch der drohende Abstieg zurück in die Bayernliga mit einem damals nur wahren Fachleuten bekannten 16-jährigen Philipp Grubauer bei den entscheidenden Spielen zwischen den Holmen des Starbulls-Tores.

Oder auch an die aufreibenden Streitigkeiten mit dem Deutschen Eishockey Bund, woraus die DEL 2 in Form einer eigenen Ligagesellschaft resultierte. Dazu noch unendliche Diskussionen um eine zweite Eisfläche und den Fortbestand des Rosenheimer Eisstadions beziehungsweise den Neubau eines solchen.

Es war ein unermüdlicher, aber auch steiniger Weg von der Bezirksliga bis hin in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Nach vielen erfolgreichen aber auch harten Jahren an der Spitze des Starbulls Rosenheim e.V. war der „Vorstands-Ruhestand“ im Jahr 2015 für das Trio um Graue, Aicher und Diebald mehr als verdient.

Umbruch in der Ausrichtung

Matthias Bergmann stand in der ersten und in der 20. Starbulls-Saison auf dem Eis. Foto Ziegler

Ein Wechsel an der Führung eines Vereins bedeutet auch gleichsam einen Umbruch in der Ausrichtung – sportlich wie wirtschaftlich. Seit 2015 im Amt ist der derzeitige Erste Vorstand Marcus Thaller. Wegbegleiter bis heute waren Jost Fischer, Peter Dürr und der frühere Mannschaftskapitän der Starbulls Rosenheim, Stephan Gottwald. Es gab viele Wechsel in diesen Ämtern, ehe sich das derzeitige Trio mit Marcus Thaller, HansPeter Schwarzfischer und Christian Hötzendorfer im Jahr 2019 gefunden hat.

Dank an Wegbegleiter

Thaller möchte seinen besonderen Dank an alle bisherigen Wegbegleiter aussprechen: „Jeder einzelne meiner Vorstandskollegen hat einen ganz eigenen positiven Teil im Rahmen seiner jeweiligen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Vereins beigetragen und versucht, das Bestmögliche einzubringen. Auch den Vorgängern Graue, Aicher und Diebald gilt ein ganz besonderer Dank – sie haben das Eishockey in Rosenheim seit dem Jahr 2000 wieder groß gemacht und es von der Pike an aufgebaut. Gestützt von den vielen treuen Sponsoren, Unterstützern, Ehrenamtlichen und Fans rund um das Rosenheimer Eishockey!“

Realität kann schmerzen

Noch nicht lange im Amt, musste das damalige Nachfolgertrio der Realität schnell ins Auge blicken, wie sich Thaller erinnert: „Die DEL 2 hat sich immer weiter professionalisiert, große Vereine kamen hinzu und wir konnten damals nur noch zusehen, wie ein Verein nach dem anderem an uns wirtschaftlich und somit auch sportlich vorbeigezogen ist. Einnahmen aus Gastronomie, VIP-Hospitality und Entertainment waren bei uns im Gegensatz zur Konkurrenz nicht vorhanden. Es war klar: Für eine Weiterentwicklung braucht es einen großen Umbruch.

„Leider schlug die sportliche Realität schneller zu, als dass der nötige Umbruch eingeleitet und umgesetzt werden konnte. Von vielen Verletzungen gebeutelt und am Ende der finanziellen Möglichkeiten, hatten wir so gut wie keine Mittel, um den drohenden Abstieg aus der DEL 2 zu verhindern. Das war eine ganz bittere Pille – mir als Vorstand und Fan des Vereins hat das Herz geblutet und ich hatte damals mehrere schlaflose Nächte zu durchleben. Aber damit war auch endgültig klar, dass es nun an der Zeit für den alternativlosen Umbruch ist“, so Thaller.

Ausgangspunkt Basispapier 2020

Punkt für Punkt wurde vom Vorstandstrio analysiert, welche Einnahmequellen andere Konkurrenten haben oder welche sie eben auch noch nicht haben. Es wurde erörtert, was es für eine Umsetzung dieser möglichen Optionen in Rosenheim benötigt und wie diese praktisch umgesetzt und auch finanziert werden können.

Entstanden ist 2016 das „Basispapier 2020“. Aufgrund der sportlichen Misserfolge ein viel verrufenes Schriftstück, dennoch speziell für die Partner des Starbulls Rosenheim ein enorm wichtiger roter Leitfaden, wohin die Reise beim Starbulls Rosenheim e.V. mittel- und langfristig gehen soll.

Darin ist die Rede von der Entwicklung eines erstliga-tauglichen Standortes bis 2020. „Ich möchte betonen, dass dies nicht bedeutet, dass wir damit gemeint hatten bis dahin in einer DEL zu spielen, sondern dass uns keine Rahmenbedingungen mehr im Weg stehen sollen, um in Rosenheim wirtschaftlich und besonders auch sportlich groß denken zu können.“

Seither ist viel rund um das Rosenheimer Eishockey geschehen und der Weg der Professionalisierung wurde stetig vorangetrieben. Begonnen hat der Weg mit einer Optimierung im Bereich der Vermarktung – hier wurde erstmalig eine Vollzeitstelle für die Betreuung und Akquise von neuen Partnern für das Rosenheimer Eishockey installiert. Eine Arbeit, für die nun der neue Geschäftsführer und ehemalige Starbulls-Spieler Daniel Bucheli seit gut zwei Wochen verantwortlich ist. Bucheli ist mit einem abgeschlossenen „Bachelor of Arts“ in der Fachrichtung „Sportbusiness Management“ hervorragend für diese neue Position geeignet und wird den Verein in den Bereichen sportliche Administration, Prozesse und Organisation sowie Partner und Vermarktung sicherlich auf ein neues Niveau anheben.

Aber auch das „Drumherum“ hat sich weiterentwickelt. Im Sommer 2015 wurden vom Verein in Eigenregie zeitgemäße Sitzschalen auf den Geraden des Rofa-Stadions eingebaut. Seit drei Jahren werden die Partner der Starbulls an Spieltagen in der Gaststätte im Kopfbau des Stadions betreut und hospitiert. Dabei waren sich alle Verantwortlichen bewusst, dass man sich mit dieser schweren Entscheidung bei den eigenen Fans keine Freunde machen wird.

Mit Blick auf andere konkurrierende Vereine wurde allerdings schnell klar, dass es ohne solche Möglichkeiten in der heutigen Sportwelt, die nicht mehr mit den 80er- oder 90er-Jahren zu vergleichen ist, nicht funktionieren kann – weder wirtschaftlich noch sportlich. Derzeit wird die Gaststätte vom Verein umfangreich renoviert, was gerade auch dank der vielen Unterstützer und Partner des Vereins möglich ist. Zu guter Letzt haben die Starbulls Rosenheim in Eigenregie im vergangenen Jahr eine 32 Quadratmeter große LED-Wand im Rofa-Stadion Rosenheim installiert. Diese Neuerung bedeutet für den Verein einen Quantensprung in Sachen Multimedia-Stadionerlebnis und ist eine enorme Aufwertung für alle Fans und Besucher. Zusätzlich bietet sie auch hervorragende Möglichkeiten für alle Partner des Vereins, ihr Unternehmen einem großen Publikum zu präsentieren.

Begleitet werden die selbst finanzierten Maßnahmen des Vereins durch die Entscheidung der Stadt Rosenheim, das Rofa-Stadion umfangreich zu sanieren. Neben vielen technisch notwendigen Instandsetzungen wird auch in die Weiterentwicklung des Stadions investiert: neue LED-Beleuchtung, neue Soundanlage und neues Flex-Bandensystem werden künftig das Rosenheimer Eisstadion schmücken und den Rosenheimer Eissport weiter nach vorne bringen.

„In den letzten vier bis fünf Jahren haben wir in Rosenheim enorm viel bewegen können. Zugegeben, wir werden nicht alles im forcierten Jahr 2020 schaffen, aber es ist viel Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Nun fehlt nur noch der für alle Beteiligten heiß ersehnte Wiederaufstieg in die DEL 2. Unkenrufen aus dem Umfeld möchte ich hier klar widersprechen. Ja, wir wollen unbedingt wieder aufsteigen und das lieber gestern als heute, denn dieser großartige Verein hat den Aufstieg verdient! Der gesamte Verein, mit allen Sportlern, Mitarbeitern, Ehrenamtlichen, Partnern und Fans arbeitet hart daran und wird in den kommenden Monaten und Jahren alles für dieses große Ziel geben“, so Thaller.

Eine Konstante bleibt

Trotz allem nötigen Umbruch gibt es eine Konstante, die bleibt, und auf die man in Rosenheim und der ganzen Region mehr als stolz sein kann: Die herausragende Nachwuchsarbeit im Rosenheimer Eishockey, die sich mit allen großen Vereinen des deutschen Eishockeys messen kann. Zuletzt unter Beweis gestellt wurde dies in den Jahren 2017 und 2018, als die Schülermannschaft der Starbulls mit Trainer Oliver Häusler zweimal hintereinander den deutschen Meistertitel gewinnen konnte.

In dieser Mannschaft stand auch Lukas Reichel, der nach Philipp Grubauer der zweite Rosenheimer sein könnte, der den Sprung in die NHL, der stärksten Eishockeyliga der Welt, schaffen könnte. Aktuell tummeln sich neben einer großen Zahl von Nachwuchs-Nationalspielern und -spielerinnen auch zahlreiche, in der Rosenheimer Talentschmiede groß gewordene Eishockeycracks in der DEL sowie in der DEL 2 und repräsentieren das Rosenheimer Eishockey und damit auch die Stadt Rosenheim weit über ihre Grenzen hinaus.

Eishockey war und ist auch heute ein enormer Werbeträger für die Stadt Rosenheim und die gesamte Region – eine Konstante, die bleibt.

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