Zurück an alter Wirkungsstätte

Bei der WM 1997 in Osrbliegehörte Ullrich schon zum DSV-Trainerstab: Damals holten Ricco Groß (Mitte/Einzel und Staffel) und Sven Fischer (Staffel) zusammen dreimal Gold. Chefcoach war seinerzeit Norbert Baier (links), ebenfalls ein Multifunktionär.
+
Bei der WM 1997 in Osrbliegehörte Ullrich schon zum DSV-Trainerstab: Damals holten Ricco Groß (Mitte/Einzel und Staffel) und Sven Fischer (Staffel) zusammen dreimal Gold. Chefcoach war seinerzeit Norbert Baier (links), ebenfalls ein Multifunktionär.

Ruhpolding – Eine Biathlon-Legende, die den Fans im Championspark immer wieder gerne für Fotos und Autogramme zur Verfügung steht, ist Frank Ullrich (61).

Auch drei Lehrerinnen aus Köln, die gemeinsam mit dem ehemaligen Eishockey-Keeper Dirk Heick und dem in der Region bekannten Fußballtrainer Alex Wolf (aktuell ESV Rosenheim) nach Ruhpolding anreisten um erstmals Weltcup-Atmosphäre zu schnuppern, schnappten sich den Olympiasieger und neunfachen Weltmeister, der sowohl als Biathlon- wie auch als Langlauf-Bundestrainer im Einsatz war, für ein „Teamfoto“. Auch der sportredaktion stand der gebürtige Trusetaler im Interview Rede und Antwort.

Sie sind doch Pensionär, wieso kommen Sie dann eigentlich in die Chiemgau-Arena?

Als Olympic Winner habe ich stets die Möglichkeit, den einen oder anderen Weltcup zu besuchen. Deshalb ist es mir ein großes Bedürfnis, mal wieder an die alte Wirkungsstätte zurückzukehren, wo ich 1979 den WM-Titel im Sprint feiern durfte – und danach auch noch den Sieg in der Staffel. Außerdem sind Oberhof und Ruhpolding in den letzten Jahren unheimlich zusammengewachsen, beide Weltcups sind absolute Highlights im Biathlonsport.

Wie sehen Sie den Männerbereich, für den Sie ja früher selbst verantwortlich waren? Und bei den Frauen fehlen derzeit einfach Siegkandidaten wie Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier, oder?

Die Männer haben großes Potenzial – das ist nach wie vor so. Und ich denke mal, wir werden auch bei den Damen wieder dorthin kommen. In der Staffel in Ruhpolding haben Franziska Preuß und Denise Herrmann ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Klar gehören im Prinzip immer vier dazu. Doch was Vanessa Hinz passiert ist, das kenne ich von früheren Zeiten – so etwas ist ganz normal im Biathlon. Auch die Mädels werden sicher wieder stabiler und an alte Leistungen anknüpfen, davon bin ich überzeugt.

Wie sehen Sie Ihren Umstieg vom Biathlon- auf den Langlauf-Trainerposten? War das seinerzeit ein Problem?

Nein, das sind ziemlich identische Disziplinen, man kann da vieles übernehmen und integrieren. Es war auch eine Bereicherung für mich, mit diesem Team zu arbeiten, und man konnte Synergien nutzen. In dieser Zeit hat ja auch Denise Herrmann den Weg vom Langlauf zum Biathlon gefunden. Auch den umgekehrten Weg kann es geben: Wenn jemand beim Schießen nicht mehr die Perspektive hat, bietet er sich möglicherweise für den Langlauf an.

Sie sind sicher noch nah dran am Geschehen: Gibt es aktuell Langläufer, denen man das Gewehr „umschnallen“ könnte?

Da reden Sie mal bitte mit dem Deutschen Skiverband. Dort wird man sich bestimmt Gedanken machen, wobei diese Gedanken momentan nicht immer in die richtige Richtung laufen.

Sind Sie öfter in Ruhpolding?

Hauptsächlich komme ich zum Weltcup, oder auch mal so in die Umgebung. Im Mittelpunkt steht für mich zurzeit die Familie. Frau, Kinder, Enkelkinder – das ist mein Leben.

Als Aktiver holten Sie zwei WM-Goldmedaillen in Ruhpolding. Was war das Markante im Jahr 1979?

Es war extremer Schneefall, der damals für außergewöhnliche Bedingungen gesorgt hat. Es gab für den einen oder anderen Biathleten massive Probleme im Skibereich. Ich musste mich unheimlich konzentrieren und habe es dann geschafft, Null zu schießen und am Ende den Titel zu holen. Bei der Staffel herrschte auch eine tolle Atmosphäre, das Publikum ist unglaublich mitgegangen – es war ein Riesen-Highlight. Interview: cs

Kommentare