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Ex-Sechziger ist jetzt Athletiktrainer

„Zu ruhig, zu nett, zu brav“: Robert Köhler und der Traum vom Profifußballer

Robert Köhler zählte lange zu den Stützen der Rosenheimer Regionalliga-Mannschaft.
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Robert Köhler zählte lange zu den Stützen der Rosenheimer Regionalliga-Mannschaft.
  • VonLeon Simeth
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Robert Köhler zählte lange zum Kern der Mannschaft vom Fußball-Regionalligisten TSV 1860 Rosenheim. Nach der Corona-Pause war der 28-Jährige plötzlich nicht mehr im Sechziger-Kader zu finden.

Rosenheim – Mit dem TSV 1860 Rosenheim ist er in die Fußball-Regionalliga aufgestiegen und hat viele Jahre zum Kern der Mannschaft gezählt. Nach dem Lockdown war Robert Köhler jedoch plötzlich nicht mehr im Rosenheimer Aufgebot zu finden. Seit Herbst 2020 war der 28-Jährige beim Drittligisten Türkgücü München als Athletiktrainer tätig. Wie es dazu kam, ob er selbst wieder spielen wird und warum es bei ihm für den Profi-Traum nicht reichte, erklärt Robert Köhler im Interview mit der Sportredaktion.

Wie kam das mit Türkgücü zustande?

Robert Köhler: Das ist alles recht schnell und spontan gegangen in der Zeit, wo niemand Fußball spielen durfte. Ich arbeite seit ein paar Jahren beim Therapie- und Trainingszentrum in Edling. Dort hat Türkgücü eine Leistungsdiagnostik mit verschiedenen Tests gemacht, wofür ich zuständig gewesen bin. Der damalige Trainer Alex Schmidt wollte dann ein Mal in der Woche ein Athletiktraining machen. Das hat sich so entwickelt, dass ich ab und zu beim Training dabei war und dann wollte er, dass ich auch bei den Spielen das Warm-Up übernehme. So bin ich dann vor der Entscheidung gestanden: Entweder Spieler bei Rosenheim oder Athletiktrainer in München?

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Wie schwer war diese?

Köhler: Anfangs ist es unfassbar schwierig gewesen. Die Corona-Pandemie hat mir die Entscheidung dann aber abgenommen. Als der komplette Trainings- und Spielbetrieb in Rosenheim eingestellt worden ist, durfte die Mannschaft in München weiterhin trainieren und dann auch die Saison in der 3. Liga spielen. Also habe ich mich dafür entschieden.

Von außen betrachtet war es eine sehr spannende Saison. Wie war es von innen?

Köhler: Genauso turbulent (lacht). Türkgücü ist ein sehr schnell wachsender Verein, wo die Infrastruktur noch nicht vorhanden ist. Da können die Verantwortlichen nichts dafür. Zum Beispiel haben wir am Freitagnachmittag auf der Bezirkssportanlage trainiert, wo dann die Fünftklässler rumgeschrien und Fangen gespielt haben. So ein Spieler wie der Sliskovic, der schon in der 2. Liga gespielt hat, fragt sich dann auch: Was ist den jetzt los? Das hat uns aber auch ein bisschen zusammengeschweißt.

Lachen bei den Trainingseinheiten...

Während Ihrer Zeit waren es mehrere Trainer in München. Wie war das von der Zusammenarbeit?

Köhler: Mit Alex Schmidt, der mich ins Boot geholt hat, war es eine super Zusammenarbeit. Auch mit den Trainern danach hat es nie Probleme gegeben. Von der Belastungssteuerung war es unterschiedlich. Erst haben wir hohes Anlaufen und mit spritziger Spielweise gespielt. Nach dem Trainerwechsel wurde mehr auf Ausdauer und hinten gut stehen gesetzt.

Mussten Sie Ihre Arbeitsweise umstellen?

Köhler: Ja, ich musste die Schwerpunkte im Athletiktraining umändern. Auch für die Spieler ist das auf jeden Fall eine Umstellung gewesen.

Sie haben selbst noch gegen Türkgücü gespielt. Wie war das für Sie?

Köhler: Ich wurde auch manchmal aufgezogen. Im Hinspiel hab ich einen Beiner bekommen. Das Video haben sie dann immer rausgezogen (lacht). Es war aber beidseitig ein großer Respekt zu spüren, die Jungs waren top.

...und motivieren vor den Spielen: Robert Köhler als Athletiktrainer beim Drittligisten Türkgücü München.

Ihre Jugend haben Sie bei Bayern und Union Berlin im NLZ verbracht. Wie hat sich das entwickelt, vor allem beim Thema Athletik und Diagnostik?

Köhler: Bei den Bayern war das auch damals vor der Saison schon so. Früher war man da immer nervös, weil man dachte, es hat Entscheidungsgründe. Aber jetzt weiß ich, dass es einfach sehr hilfreich ist, diese Daten zu haben. Jeder ist individuell und so muss auch trainiert werden. Ich finde das im Nachwuchsbereich sehr wichtig.

Es gibt immer mehr Auswertungen. Wie sehen Sie das?

Köhler: Viele Sachen sind gut zu haben, auch im Training. Aber die Messungen im Spiel... Da bin ich kein Fan von. Es entscheidet kein Spiel, wenn einer 12 Kilometer läuft, aber keine entscheidenden Aktionen hat-. Zudem gibt es manchen Spielern mehr Druck, wenn sie den Brustgurt tragen und genau wissen, dass jeder Schritt genau aufgezeichnet wird.

Was waren Ihre prägendsten Jugenderlebnisse?

Köhler: Mit den Bayern haben wir nicht viel gewonnen. Die Trainingslager habe ich als Jugendlicher immer cool gefunden. Für so einen Verein zu spielen war auch irgendwie ein Traum, das habe ich jeden Tag gespürt. Bei Union hatten wir fast nur Berliner, da war ich so bisschen der Exot. Die prägendsten Erlebnisse waren meisten abseits vom Platz: Die erste Nominierung zum Stützpunkt oder die Einladung zum Probetraining bei Bayern München.

Robert Köhler während seiner Zeit beim FC Bayern, hier gegen die chinesische Nationalmannschaft.

Haben Sie bei den Bayern mit namhaften Spielern zusammengespielt?

Köhler: Es gibt nur wenige, die man richtig kennt. Emre Can und Philipp Max sind da eigentlich die Einzigen. David Alaba ist ein Jahr älter als ich, mit ihm hab ich nicht mehr gespielt. Viele meiner früheren Kameraden sind in der 3. Liga unterwegs, da habe ich auch während der Zeit bei Türkgücü einige getroffen. Can ist damals ein echter Ausnahmespieler gewesen. Der hat auf alles geschissen. Er war letzter Mann und hat versucht einen zu tunneln. Bei dem hat man früh gemerkt, dass er es schaffen könnte.

War es bei Union so familiär, wie es oft heißt?

Köhler: Auf jeden Fall. Unser Trainingsgelände war direkt neben der Alten Försterei. Am Wochenende war das Stadiom immer bumvoll und wir sind nach dem Spiel auch immer in der Kurve gewesen. Die Betreuerin von de n Profis hat unsere Wäsche mitgewaschen. Es war richtig familiär bei Union, es war schon anders als bei Bayern.

Hatten Sie auch den Traum vom Profifußballer?

Köhler: Ja, ich hab es mir immer gewünscht. Ich war aber nie so ehrgeizig wie Andere. Im Jugendbereich hab ich mich vielleicht zu viel auf dem Talent ausgeruht. Ich war auch eigentlich immer recht trainingsfaul. Ich hätte mehr investieren können, obwohl man eh schon viel investiert und das hab ich nicht gemacht. Diesen unbedingten Willen hab ich nicht gehabt. Ich mag schon gewinnen, aber...

Zwei Jahre lang spielte Robert Köhler für den Nachwuchs vom 1. FC Union Berlin.

Zu ruhig, zu nett, zu brav?

Köhler: Ja, das haben mir viele Trainer gesagt.

Wie kommt es, dass jemand, der trainingsfaul ist, jetzt Athletiktrainer ist?

Köhler: Das klingt schon sehr komisch, wenn man das so sagt (lacht). Mittlerweile weiß ich, wie wichtig zusätzliches Training ist. Vielleicht hätte es mir damals auch gutgetan, jemanden zu haben, der mich motiviert und mich da gnadenlos durchboxt. Athletiktraining ist nicht unbedingt das schönste und macht keinen Spaß. Aber die, die es regelmäßig machen, kommen weiter. Der Kopf ist entscheidend, du musst dich jeden Tag zum Trainieren zwingen.

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War die Rückkehr nach Rosenheim ein Rückschritt?

Köhler: Nein, gar nicht. Nach meinen zwei Jahren in der A-Jugend habe ich bei der Zweiten in der Regionalliga gespielt und mir das Kreuzband gerissen. Ich war lange raus und hatte in Berlin ja nur den Fußball. Also habe ich Kontakt mit den Sechzigern und dem damaligen Abteilungsleiter Hans Klinger gehabt und in Rosenheim ein Studium begonnen. Dann war klar, dass ich hierbleibe.

Kam Ihr beruflicher Werdegang wegen der Verletzung?

Köhler: Meine Mama hat mich da eigentlich drauf gebracht, dass ich irgendwas mit Sport mache. Sie hat immer gemeint, ich soll Physio oder so etwas machen. Dann habe ich recherchiert und Fitnessökonomie studiert und dann ist über 1860 Rosenheim der Kontakt zu Corox gekommen.

Sie waren bei Türkgücü immer beim Training und den Spielen dabei. Wie sehr hat es Sie gejuckt selbst zu spielen?

Köhler: Schon sehr oft. Auch während der EM, wenn man jeden Tag Fußball sieht. Auch in den Stadien waren es geile Erlebnisse: In Dresden, am Betzenberg, im Grünwalderstadion oder im Olympiastadion.

Werden Sie wieder spielen?

Köhler: Ich habe mich dazu entschieden, fest beim Corox zu bleiben. Ich will mich bis Winter auf jeden Fall nicht verpflichten müssen, am Wochenende hier oder da zu sein. Irgendwann kommt das schon wieder. Ich bin super happy, wie es zur Zeit ist.

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