„DAS IST DIE EINZIGE OPTION FÜR UNS“

Zu hohe Kosten für die Wasserburger Basketballer – Spendenaktion als letzte Rettung

Die Wasserburger Abteilungsleitung mit Paula Zaschka, und Peter Maier kämpft um die Fortsetzung des Basketballs in der Innstadt. Hörndl
+
Die Wasserburger Abteilungsleitung mit Paula Zaschka, und Peter Maier kämpft um die Fortsetzung des Basketballs in der Innstadt. Hörndl
  • vonLeon Simeth
    schließen

Keine Einnahmen durch den Verkaufsstand, keine Zuschauer, aber der Spielbetrieb geht weiter und die Kosten müssen gezahlt werden. Ohne diese wichtigen Einkünfte bleibt der Basketball-Abteilung des TSV Wasserburg nichts anderes übrig, als eine Spendenaktion zu starten.

Wasserburg – Seit 21 Jahren spielt die Mannschaft vom TSV Wasserburg in der Damen-Basketball-Bundesliga, der höchsten deutschen Spielklasse. Dabei holte der TSV elf Meisterschaften und neun Pokalsiege – eine sehr erfolgreiche Zeit. Aktuell befinden sich die Wasserburger auf dem zweiten Tabellenplatz hinter den Rutronik Stars Keltern und stehen im Top-4-Finalturnier des deutschen Pokals. Weiterhin also gute Aussichten für die Innstädterinnen. Nur finanziell wird es knapp.

„Am schlimmsten ist, dass wir ohne Zuschauer spielen müssen“

Die Kosten müssen nach wie vor gezahlt werden, weil der Spielbetrieb weiterläuft, aber der Hauptteil der Einnahmen fällt weg. „Am schlimmsten ist, dass wir ohne Zuschauer spielen müssen“, bedauert Wasserburgs stellvertretender Abteilungsleiter Peter Maier im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion.

„Im Schnitt haben wir 600 bis 700 Zuschauer. Bei zwölf Heimspielen pro Saison sind das 54.000 bis 63.000 Euro, auf die wir verzichten müssen. Und dabei sind die Play-off-Spiele noch nicht einberechnet, bei denen meistens noch mehr Zuschauer da sind“, fügt er hinzu. Dazu kommen noch die Einnahmen aus dem Verkaufsstand, die laut Maier in einer Saison einen fünfstelligen Betrag ausmachen.

Wasserburg kann sich auf die Corona-Hilfe nicht verlassen

Auch die Corona-Hilfe, die seit letztem Jahr Sportvereine unterstützen soll, hat den Wasserburgern noch nicht wirklich geholfen. „Im letzten Jahr haben wir bis Oktober nicht gewusst, ob wir überhaupt spielen werden. Als es dann festgestanden ist und wir den Antrag stellen wollten, hat es geheißen, dass die Anmeldefrist abgelaufen sei. Im besten Fall sollen wir bis zu 80 Prozent der eigentlichen Einnahmen bekommen“, so der TSV-Abteilungsleiter.

Der Antrag kann aber erst ab März gestellt werden. Ob und wann dann eine Zahlung kommt, weiß keiner. „Da stellen ja tausende Vereine einen Antrag. Wenn wir da zu spät reinrutschen und das Budget aufgebraucht ist, haben wir Pech und bekommen nichts“, erklärt Maier.

Um den Verein in Zukunft über Wasser halten zu können, musste sich der TSV etwas einfallen lassen. „Die Spendenaktion ist die einzige Option für uns“, so Maier. „In solchen Zeiten muss man sich etwas überlegen. Der Wirt kann einen Lieferservice anbieten, aber wir können nicht sagen, wir spielen bei den Fans im Wohnzimmer.“

„Wir wollen den Leuten etwas zurückgeben“

Seit letzter Woche läuft die Spendenaktion. Maier hatte aber eigentlich etwas Anderes geplant: Eine Spendenaktion mit Dankeschön-Tombola, bei der jeder Spender ein Los bekommen hätte. „Wir wollten den Leuten etwas zurückgeben, da es absolut nicht selbstverständlich ist, in diesen Zeiten zu spenden.“

Rechtlich darf eine Spende aber keine Gegenleistung erhalten, also war dies nicht möglich. „Vielleicht machen wir als Dankeschön irgendwann eine Tombola, wenn wir wieder vor Publikum spielen dürfen. Aber da ist noch nichts sicher“, hält Maier trotzdem daran fest, den Anhängern etwas zurückzugeben.

Die Wasserburger sind nicht die einzigen mit finanziellen Problemen

Die Wasserburger wissen, dass sich in dieser Zeit nicht jeder eine Spende leisten kann. „Aktuell haben nicht nur wir finanzielle Probleme. Es muss ja auch nicht jeder spenden und wir wollen damit nicht reich werden. Die Leute und Fans, denen Basketball in Wasserburg am Herz liegt, können damit helfen“, sagt Maier.

In Wasserburg hofft man, dass die Basketballdamen – immerhin elffacher Deutscher Meister und neunmal Pokalsieger – auch in Zukunft ein Volltreffer bleiben.

Obwohl es für den TSV Wasserburg sportlich bisher gut läuft, ist die Stimmung in der Mannschaft aufgrund der finanziellen Situation betrübt. „Der harte Kern möchte in Wasserburg bleiben und die Spielerinnen tun alles, um uns zu helfen. Bei uns ist es immer sehr familiär gewesen und das kommt uns aktuell ein wenig zu Gute.“

„Für mich gehört Basketball zu Wasserburg wie das Brucktor“

Die Spendenaktion wurde aber nicht zum Spaß gestartet, denn die Lage beim TSV ist ernst. „Wir werden auch mit der Spendenaktion keinen Gewinn machen, es könnte aber die letzte Rettung sein. Wenn der Verlust am Ende aber zu hoch ist, kann es sein, dass wir die Mannschaft aus der ersten Liga abmelden müssen“, bedauert Maier und fügt an: „Mein Spruch ist immer: Für mich gehört Basketball zu Wasserburg wie das Brucktor.“ (les/nie)

Kommentare