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DSV-Biathlon-Chef Felix Bitterling im Interview

„Wir wollen einen Boom auslösen“: Mit deutschem und externem Knowhow zum Biathlon-Erfolg

Der neue DSV-Biathlon-Chef Felix Bitterling will bei der Heim-WM in Oberhof „die ein oder andere Medaille“ bejubeln.
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Der neue DSV-Biathlon-Chef Felix Bitterling will bei der Heim-WM in Oberhof „die ein oder andere Medaille“ bejubeln.

Felix Bitterling ist seit einigen Jahren im Biathlon-Geschäft tätig. Nun hat der Berchtesgadener den Posten als Sportdirektor Biathlon im Deutschen Ski-Verband übernommen. Im Interview verrät der 45-Jährige, was bei der Ausbildung der deutschen Biathleten falsch läuft und was in Zukunft geplant ist.

Ruhpolding – Ein für den Zuschauer noch etwas neueres Gesicht gab’s bei der Sommer-Biathlon-WM in Ruhpolding zu sehen. Dabei ist Felix Bitterling im Biathlon-Zirkus alles andere als unbekannt. 14 Jahre lang war der 45-Jährige in verschiedenen Funktionen beim Biathlon-Weltverband IBU tätig, ehe er am 1. April die Nachfolge von Bernd Eisenbichler als Sportdirektor Biathlon im Deutschen Ski-Verband (DSV) antrat. Im Interview spricht der Berchtesgadener, der in Ruhpolding lebt, weshalb die deutschen Biathleten nach sehr erfolgreichen Jahren aktuell anderen Nationen etwas hinterherlaufen, was jungen Athleten in der heutigen Zeit fehlt und welche Ziele der DSV für die kommende Saison hat.

Der deutsche Biathlon-Fan ist sehr erfolgsverwöhnt. In jüngster Zeit gab’s deutlich weniger zu jubeln. Warum hinken die deutschen Biathleten derzeit so hinterher?

Felix Bitterling:Ich finde, man muss vorsichtig sein, was man miteinander vergleicht. Seriensieger wie Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier, die direkt hintereinander aufgetreten sind, gibt es nicht oft. Wenn du so einen Sportler alle zehn Jahre findest, dann ist es gut gelaufen. Dazu kommt, dass sich in der heutigen Zeit die Erfolge auf viele Nationen verteilen. Die Sportart Biathlon hat sich stark entwickelt und zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dadurch sind viele Länder hinzugekommen, die ein professionelles Fördersystem entwickelt haben. Bei einem Weltcup sind Sportler aus rund 20 Nationen dabei, die Chancen auf vordere Platzierungen haben. Da muss man sich erst einmal durchsetzen.

Lücke zu den Franzosen muss geschlossen werden

Warum gelingt es dennoch Ländern wie Frankreich oder Norwegen, aktuell so viele erfolgreiche Biathleten zu haben?

Bitterling:Die Norweger sind natürlich die Benchmark in unserem Sport. Wir können sie auch mal schlagen, aber ob wir auf Dauer mit ihnen mithalten, das ist die Frage. Den Lifestyle, den die Norweger haben, den gibt es bei uns einfach nicht. Dort ist es normal, dass die Familie am Dienstagabend gemeinsam mit Stirnlampe zum Langlaufen geht. Den Pool an nordischen Sportlern, den es dort gibt, da kann man selbst mit der Größe Deutschlands nichts dagegen ausrichten. Anders ist es mit Frankreich. Viele Gegebenheiten dort sind mit denen bei uns vergleichbar. Man hat es offensichtlich geschafft, in den letzten fünf, zehn Jahren ein Konzept zu entwickeln, das die Franzosen ein Stück weit vor uns gebracht hat. Das ärgert uns, ist aber auch ein Ansporn. Wir wollen daran arbeiten, die Lücke zu den französischen Sportlern wieder zu schließen.

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Was genau haben die Franzosen besser gemacht?

Bitterling:Sie haben sich zum Beispiel auf wenige Stützpunkte konzentriert und diese gut bestückt, was Trainer, Knowhow, Equipment und so weiter betrifft. Auch die Erfolge von Martin Fourcade und davor Raphael Poiree haben sie extrem gut ausgenutzt. Dadurch wurde Biathlon in Frankreich auf ein neues Level gehoben, mittlerweile gibt’s dort ein Millionenpublikum. Das ist eine Sache, von der wir uns erhoffen, dass wir das auch hinbekommen mit der Heim-WM in Oberhof. Wir wollen einen kleinen Biathlon-Boom auslösen, um so neue Nachwuchs-Athleten für unsere Sportart zu begeistern.

„Wichtig ist, dass„

Hat der deutsche Verband im Umkehrschluss in den vergangenen Jahren geschlafen?

Bitterling:Nein, das würde ich nicht sagen. Wenn man zurückschaut, gab’s natürlich eine Zeit, in der Deutschland sehr dominant war – was aber eine andere Schwierigkeit mit sich bringt: Wenn man sechs Top-Leute hat, die reihenweise Medaillen und Pokale abräumen, ist das erst einmal super. Für die jungen Athleten dahinter wird es dadurch nicht einfacher, die Chance zu bekommen sich in Szene zu setzen. Wichtig ist, dass man es im Verband schafft, eine Durchgängigkeit hinzubekommen, sprich dass junge Athleten trotz aller Erfolge der Arrivierten ihre Chancen bekommen. Es gibt viele verschiedene Typen von Athleten – der eine ist ein Wettkampftyp, der andere ist eher unsicher und braucht Zeit, um seine beste Leistung abzurufen. Auffällig ist, dass viele Athleten, die ins System des DSV kommen und dort die ersten Schritte machen, nicht gut genug ausgebildet sind, vor allem läuferisch. Sie sind zwar weit weg von schlecht, aber es gibt kaum junge Athleten, die reihenweise Erfolge holen, wenn die gleichaltrige Konkurrenz der Top-Nationen ebenfalls startet.

Woran liegt das?

Bitterling:Das heißt definitiv nicht, dass die Nachwuchstrainer grundsätzlich schlechte Arbeit leisten. Es ist vielleicht eher so, dass die jungen Athleten nicht genug trainieren – weniger als die Generationen zuvor. Das sagen auch die älteren Trainer immer wieder. Im Leistungssport geht es um Fokussierung. Alles, was einen Athleten ablenkt, ist nicht gut. Und da gibt es heutzutage einfach sehr viel mehr als vor 15 Jahren. Social Media macht das nicht leichter. Ein Athlet sollte sich nach dem Training in der Mittagspause erholen, gut essen und nicht zwei Stunden auf Instagram surfen. Es gibt eine Überflutung an Informationen, man wird ständig damit konfrontiert, was das Leben draußen noch so bereithält. Natürlich bringt das alles auch Möglichkeiten mit sich. Man kann zum Beispiel seine Sponsoren in Szene setzen, aber um Sponsoren zu finden, muss man gut sein.

Lauftrainer als Signal an die Stützpunkte

Wie wollen Sie die Situation verbessern?

Bitterling:Wichtig für einen Athleten ist es, dass er beim Laufen vorne mit dabei ist. Wenn die Laufleistung stimmt, ist der Druck am Schießstand geringer. Dafür haben wir jetzt zwei dezidierte Lauftrainer eingestellt, die unter anderem in die Stützpunkte fahren und dort gemeinsam mit Trainern und Athleten an der Laufleistung arbeiten. Einer davon ist Andi Stitzl, der zum DSV zurückgekehrt ist und sich um die ganz jungen Athleten kümmert. Wenn die dann in den Seniorenbereich kommen, übernimmt Jens Filbrich (ehemaliger Langläufer, d. Red). Diese Änderung war auch ein Signal an die Stützpunkte: Die Ausbildung der jungen Athleten in diesem Bereich ist extrem wichtig, deshalb helfen wir als Verband hier, machen das gemeinsam. Das ist jetzt mal ein Anfang. Wenn das klappt, wird man diese Struktur gegebenenfalls sogar ausbauen.

Auch im A-Kader gab’s mit der Verpflichtung des Norwegers Sverre Olsbu Röiseland, der mit Kristian Mehringer die Damen trainiert, und des Slowenen Uros Velepec, der mit Mark Kirchner für die Herren zuständig ist, zwei Änderungen im Team. Haben Sie sich bewusst für internationale Trainer entschieden?

Bitterling:Es ist normal, dass man für seine Mannschaft den besten Trainer holen möchte – unabhängig der Nationalität. Die deutsche Trainerausbildung in Köln ist extrem gut. Aber wenn ich mir anschaue, wo wir jetzt stehen, muss ich mich schon hinterfragen, wie man sich im Trainerbereich verbessern kann. Wir haben in Deutschland großes Knowhow, wir werden das auch nicht wegschmeißen. Wir wollen dieses mit externem Input zusammenbringen und somit von einem Mix aus verschiedenen erfolgreichen Trainingssystemen profitieren. Bis jetzt hat das gut funktioniert, Sverre und Uros haben sich gut eingearbeitet, und auch beide Mannschaften haben das sehr gut aufgenommen.

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Was sind die Ziele für die neue Saison?

Bitterling:Ziel ist es natürlich, gut in die Saison zu kommen. Wenn es schon am Anfang das ein oder andere Erfolgserlebnis gibt, macht es das natürlich leichter. Aber wir machen das nicht an Platzierungen fest. Der Fokus liegt auf der Heim-WM in Oberhof. Wir wollen dort wie bei der Sommer-WM in Ruhpolding eine Rolle spielen und zumindest jeweils bei der Flower-Ceremony dabei sein, das ist unser Ziel. Natürlich wäre es schön, im eigenen Land auch die ein oder andere Medaille zu gewinnen.

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