"Wir müssen alle zusammen da raus"

Offensivgeist: Krontiris (hier im Trikot der TuS Koblenz) hat seine Erfahrungen im Abstiegskampf gemacht. Foto dpa
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Offensivgeist: Krontiris (hier im Trikot der TuS Koblenz) hat seine Erfahrungen im Abstiegskampf gemacht. Foto dpa

Emmanuel Krontiris ist sicherlich der Top-Transfer in diesem Winter im heimischen Fußball. Der Stürmer mit der Erfahrung aus acht Bundesliga- und 150 Zweitliga-Spielen hat in dieser Woche beim abstiegsbedrohten Bayernligisten SB/DJK Rosenheim angedockt.

Im Gespräch mit der OVB-Sportredaktion erzählt der 32-Jährige, der den Spitznamen "Emu" trägt, dass er auch mit dem TSV 1860 verhandelt hat, warum er sich für den Sportbund entschieden hat und wie er dem SBR im Abstiegskampf helfen möchte.

∗ Wie kommt Emmanuel Krontiris nach Rosenheim?

In die Region komme ich, weil meine Frau aus Grafing stammt und hier mit unseren zwei Kindern lebt. Zum Sportbund ging es dann relativ schnell. Am Freitag kam ein Anruf bei meiner Frau, ich habe dann zurückgerufen und am Samstag haben wir uns getroffen. Ich haben mir dann ein paar Tage Zeit erbeten und am Montag habe ich dann zugesagt.

∗ Stimmt es, dass Sie aber zunächst mit 1860 Rosenheim Kontakt hatten?

Das ist richtig. Ich war ein halbes Jahr ohne Verein, hatte zuletzt in Vietnam bei einem Erstligisten ein Probetraining. Das war eine tolle Erfahrung, die suchten aber andere Spielertypen. Ich wollte dann hier bei meiner Familie bleiben und hatte unter anderem 1860 Rosenheim angeschrieben. Ganz ehrlich, ich kannte in Rosenheim nur 1860. Da kam dann auch prompt eine Antwort und wir hatten schon fortgeschrittene Gespräche. Im Endeffekt kam dann der Sportbund dazwischen und ich habe mich dann dafür entschieden.

∗ Quasi seitlich reingegrätscht...

(lacht) Ja, das kann man so sagen. Abgegrätscht!

∗ Wieso fiel Ihre Entscheidung nun für den Sportbund?

Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und die haben mir dazu geraten. Auch weil mir gesagt wurde, dass der Verein den Spielern einiges ermöglicht, zum Beispiel auch berufliche Perspektiven gibt. Ich habe im Raum München viel Gutes gehört über den Verein.

∗ Wie war das erste Kennenlernen mit der Mannschaft?

Unter Fußballern gibt es da keine Probleme. Ich bin ja auch ein lockerer Typ. Die Truppe ist sehr sympathisch, wir haben auch gleich ein paar Späßchen gemacht. Der Trainer ist sehr offen, so etwas mag ich.

∗ Sie sind sich aber der Rolle als Hoffnungsträger im Abstiegskampf bewusst?

Ja, natürlich. Im Endeffekt müssen wir aber alle zusammen da raus. Ein Spieler alleine wird nicht alle Bäume rausreißen. Ich versuche halt meine Erfahrung, die ich in 15 Jahren Profifußball gesammelt habe, einzubringen und weiterzuhelfen, dass wir da gemeinsam den Weg raus schaffen.

∗ Darin können Sie der Mannschaft wohl am meisten helfen.

Richtig. Ich habe auch im Abstiegskampf Erfahrung gesammelt, bin leider aus der 2. Liga zweimal abgestiegen. Das ist ein ganz anderer Druck, den man da kriegt. Ich denke, dass ich das den Jungs vermitteln kann oder auch mit den Trainern kommunikativ zusammenarbeiten kann. Aber natürlich will ich auch fußballerisch weiterhelfen.

∗ Welche Lehren ziehen Sie aus den Negativ-Erfahrungen im Abstiegskampf? Worauf kommt's an?

Wenn man unten drin ist, dann ist es schwierig, wieder rauszukommen. Man kann gut spielen und dann fehlt oft das Glück. Deshalb ist es wichtig, geduldig zu sein. Auch vom Kopf her. Und dass man sich im Spiel dafür entscheidet, lieber den einfachen Pass zu spielen, anstatt den riskanten. Das sind viele Kleinigkeiten, die da eine Rolle spielen. Aber so wie ich es beim ersten Training beurteilen konnte, sind da schon Jungs dabei, die Fußball spielen können und eine gute Ausbildung haben. Ich kenne die Bayernliga noch nicht, aber ich denke schon, dass wir in der Rückrunde eine gute Rolle spielen werden und das packen.

∗ Können Sie sich nach so vielen Profi-Jahren für den Abstiegskampf in der Bayernliga überhaupt motivieren?

Ich hätte schon noch gerne zwei, drei Jahre im Profibereich gespielt. Aufgrund meines Alters wird es da aber schwierig und ich habe mich nun, auch weil ich früh Profi geworden bin und keine Schulausbildung habe, dafür entschieden, nun etwas mit beruflicher Perspektive anzufangen. Das letzte halbe Jahr war mental sehr anstrengend und jetzt will ich auch bei den Kindern bleiben. Das war auch für mich der Hauptgrund, dass ich wieder regelmäßig meine Kinder, Tochter und Sohnemann, sehe. Zuletzt war das eine Fernbeziehung und das wollte ich nicht mehr. Und deshalb habe ich mich jetzt für diesen Weg entschieden. Und das bedeutet halt Abstiegskampf in der Bayernliga.

∗ Sie waren ein halbes Jahr vereinslos - wie fit sind Sie denn?

Ich habe mich sehr lange selbst fit gehalten und war auch bei Vereinen im Probetraining. Seit Dezember, seitdem ich in Vietnam war, habe ich aber nicht mehr gegen die Kugel getreten. Ich werde noch ein bisschen brauchen, bis ich ein gutes Level habe. Das erste Training am Montag habe ich schon gemerkt. Aber das werden wir mit den Trainern schon alles hinbekommen.

∗ Die Eingewöhnungszeit ist kurz, in zehn Tagen ist der Start in die Frühjahrsrunde angesetzt. Wie schnell können Sie das überbrücken?

Mit Mannschaft und Trainer wird es schnell gehen, da werde ich keine Probleme haben. Aber von der körperlichen Verfassung wird es was anderes sein, da brauche ich einfach noch Spielpraxis, um wieder die Power zu bekommen. Interview: Neumeier

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