„Wir jubelten und die anderen schossen ein Tor“

Daniel Buchelierzielte das letzte Starbulls-Tor in der Corona-Saison. Ziegler

Rosenheim – Daniel Bucheli, Stürmer der Starbulls Rosenheim, beendete nach über 600 Spielen im Seniorenbereich seine aktive Spielerkarriere.

Sein letztes Tor, obwohl es nicht die Meisterschaft entschied, wird trotzdem in die Rosenheimer Eishockey-Geschichte eingehen. Es war am Sonntag, 8. März, im letzten Meisterrunden-Heimspiel gegen Weiden der Siegtreffer zum 3:2 in der 55. Minute. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand wissen, dass dieser Treffer das letzte Rosenheimer Tor in der Saison 2019/2020 war. Das Corona-Virus verhinderte weitere Spiele und nicht nur diese Spielzeit war beendet, sondern auch die Eishockey-Karriere von Bucheli.

„Mit der letzten Puckberührung das letzte Saisontor erzielt und das letzte Spiel gewonnen – so kann man aufhören“, flachst Bucheli im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen. Jetzt freut sich der 31-jährige zweifache Familienvater auf seine neue Aufgabe als Geschäftsführer bei den Starbulls. „Für seinen Heimatverein arbeiten zu dürfen ist etwas ganz Besonderes.“

Herr Bucheli, wie sind Sie denn zum Eishockey gekommen?

Ich bin mit vier oder fünf Jahren mit meinem Papa, damals noch zu DEL-Zeiten, zu den Starbulls-Spielen gegangen. Das hat mir super gefallen und dann habe ich mit dem Eishockeyspielen begonnen. Ich habe auch andere Sportarten ausprobiert, aber Eishockey hat am meisten Spaß gemacht.

Hat es damals Spieler gegeben, die Sie fasziniert haben?

Ganz klar Jim Hiller und Scott Beattie. Ich erinnere mich noch an das legendäre Spiel gegen Landshut. Jim Hiller hat in der Verlängerung den entscheidenden Treffer zum Sieg erzielt. Das war unglaublich, das werde ich nie vergessen und so habe ich auch die Liebe zum Eishockey entwickelt. Das Trikot von Jim Hiller habe ich immer noch zu Hause.

Und dann wurden Sie selbst Eishockeyspieler. Mit allen Stationen im Rosenheimer Nachwuchs und dem ersten Spiel im Profibereich.

Das war im letzten DNL-Jahr. Da hat uns Trainer Ron Chyzowski eingebaut und die Chance in der ersten Mannschaft gegeben. Es war ein Auswärtsspiel entweder in Heilbronn oder in Crimmitschau. Aus dem DNL-Team waren noch ein paar andere Spieler dabei. Zum Beispiel Patrick Hager, Martin Hinterstocker und Anton Bernard. Da hatten wir eine starke DNL-Mannschaft, sind Vizemeister geworden und nur an Mannheim gescheitert.

Gab es noch andere Trainer, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Ich will da gar keinen herausheben, weil ich von jedem Trainer etwas mitgenommen habe. Zum Beispiel von Fabian Dahlem, der mir in Crimmitschau die Chance gegeben hat, in der 2. Liga zu spielen.

Wo haben Sie eigentlich überall gespielt?

Den gesamten Nachwuchs in Rosenheim, dann eineinhalb Jahre im Oberliga-Team und danach drei Monate in Waldkraiburg. Das war eine coole Station, weil ich dort meine einzige Meisterschaft gewonnen habe, auch wenn es nur in der Bayernliga war. Anschließend ging es nach Passau in die Oberliga, danach fünf Jahre nach Crimmitschau und wieder zurück zu den Starbulls.

Apropos Starbulls. Wie war es denn, gegen Rosenheim zu spielen?

Nach Rosenheim zu fahren war nicht schön, weil die immer die ersten zehn Minuten wie die Feuerwehr rausgekommen sind. Das war definitiv kein Spaß. Und ich kann mich nicht an viele Siege erinnern. Mit Passau haben wir einmal in Rosenheim gewonnen, mit Crimmitschau glaube ich einmal in den Play downs.

Sie sind aber in den Spielen gegen Ihren Heimatverein immer zur Sache gegangen.

Ja natürlich. Das kann man im Eishockey nicht bringen. Wenn es professionell ist, spielt auch jeder um seinen Job und da bleibt dir auch nichts anderes übrig als alles zu geben und hart zu spielen. Aber das ist im Eishockey echt positiv: Nach dem Spiel reicht man sich die Hand und alles ist wieder gut.

Gab es da Spieler, gegen die man nicht so gerne gespielt hat?

Da hat es natürlich einige gegeben. Vor allem wenn man Stürmer gewesen ist. Gegen Rosenheim war es gegen Beppo Frank und Micky Rohner unangenehm. Die waren richtig hart zu spielen.

Gibt es eigentlich außer Ihrem letzten Treffer gegen Weiden ein besonderes Tor, das Sie erzielt haben?

Besonders war das Tor im Heimderby mit Crimmitschau gegen Dresden. Ich habe da ein Tor geschossen, wir haben gejubelt und keiner hat gemerkt, dass der Schiedsrichter das Tor gar nicht gesehen hat. Das Spiel lief weiter und während wir jubelten, liefen vier Dresdner Spieler alleine auf unser Tor zu und trafen. Nach dem Videobeweis hat sich dann alles aufgeklärt und mein Tor hat gezählt.

Sonst noch eine lustige oder verrückte Geschichte, die man erzählen kann?

Nein, das lassen wir lieber sein. Was in der Kabine war, bleibt in der Kabine. Es gibt im Eishockey auf alle Fälle viele lustige Geschichten und das Kabinenleben ist schon etwas Besonderes. Hängengeblieben sind die internen Weihnachtsfeiern in der Kabine. So etwas ist auch ganz wichtig für den Teamgeist.

Wer waren denn Ihre besten Mitspieler?

Da hat es tatsächlich viele Gute gegeben. In Erinnerung bleiben natürlich die NHL-Spieler, die während des Lockouts in Crimmitschau gespielt haben. Wenn man das live im Training gesehen hat, was Chris Stewart, Wayne Simmonds und Clarke MacArthur gezeigt haben, ist das eigentlich eine andere Sportart. Der Unterschied ist so eklatant, das kann man sich gar nicht vorstellen. Läuferisch, technisch, koordinativ, die Power, die Intensität – das war schon sehr beeindruckend. Die haben gerade zum Schluss viele Spiele im Alleingang für uns entschieden. Zum Beispiel auch die Partie in Rosenheim.

Dann gehören die wahrscheinlich auch in Ihre persönliche Starting Six?

Eigentlich schon, aber das wäre gegenüber den vielen anderen Mitspielern ungerecht. Auch wenn ich da noch viele andere Akteure aufzählen könnte, hier meine Starting Six ohne die NHL-Spieler: Im Tor Ryan Nie, in der Verteidigung Sinan Akdag und Ty Wishart und im Sturm John Trip, Patrick Hager und Jeremy Williams.

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