Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


TUS RAUBLING IST DIE NEUE NUMMER EINS

Wie der Fußball wieder ins Rollen kam (Teil 6): Drei Jahre lang in Bayerns höchster Liga

Mit dieser Urkunde wurde die Raublinger Mannschaft für den Aufstieg in die I. Amateurliga geehrt. Oben von links: Karl Straßer, Franz Rekovski, Felix Szymczak, Michl Schrott; Mitte von links: Lenz Winkler, Georg Kumpfmüller, Hans Kronast, Rudi Ulsamer, Bertl Rahm; Unten von links: Sepp Gla, Kaspar Surrer, Werner Rauscher, Gerd Ossenfort.
+
Mit dieser Urkunde wurde die Raublinger Mannschaft für den Aufstieg in die I. Amateurliga geehrt. Oben von links: Karl Straßer, Franz Rekovski, Felix Szymczak, Michl Schrott; Mitte von links: Lenz Winkler, Georg Kumpfmüller, Hans Kronast, Rudi Ulsamer, Bertl Rahm; Unten von links: Sepp Gla, Kaspar Surrer, Werner Rauscher, Gerd Ossenfort.

Sechs Jahre sind vergangen, seit mit dem ASV Rosenheim, dem Vorgänger des TSV 1860, eine Mannschaft aus dem Bezirk Inn-Chem in der höchsten bayerischen Liga gespielt hat.

Rosenheim/Mühldorf – Seitdem tummeln sich die besten heimischen Vereine in der II. Amateurliga, die zwar formal die vierthöchste ist, aber gerade einmal halb Oberbayern abdeckt. Doch 1954, kurz vor dem „Wunder von Bern“, setzt plötzlich der TuS Raubling zum Sprung in die dritte Liga an. Erst drei Jahre zuvor aufgestiegen, rollen die Inntaler die II. Amateurliga auf. Sieben Punkte hat der TuS (32:12) am Ende Vorsprung auf den 1. FC Traunstein (25:19), zuhause sind die Raublinger bärenstark und müssen sich nur dem SC 1906 München geschlagen geben. Bei den Giesingern spielt da gerade ein Achtjähriger namens Franz Beckenbauer in der Schülermannschaft.

Nur zwei von sechs Vereinen kommen durch

Aber der Aufstieg ist noch lange nicht unter Dach und Fach. Nur zwei von sechs Vereinen kommen in der Aufstiegsrunde durch, die sich über mehr als zwei Monate zieht. Erst im vierten Spiel gelingt der erste Erfolg, ein 4:2 gegen den SV Saal/Donau aus Niederbayern. Doch dann folgen vier Siege und ein Unentschieden, zuhause verliert Raubling in dieser Aufstiegsrunde kein Spiel. Und mit dem 1:0 vor 3500 Zuschauern über den Mitaufsteiger BSC Sendling wird der Traum am 13. Juni 1954 wahr: Der TuS Raubling steigt mit 13:7 Punkten und 22:19 Toren in die I. Amateurliga Süd auf.

Die höchste bayerische Spielklasse ist seit 1953 wieder einmal zweigeteilt, beschlossen auf einem turbulenten Verbandstag, gegen den erbitterten Widerstand der Nordbayern, die in diesen Jahren den Fußball im Freistaat dominieren, aber unter den Funktionären in der Minderheit sind. Die einen fürchten eine Verwässerung des Niveaus, die anderen kritisieren die langen Auswärtsfahrten in der eingleisigen Liga, etwa für die Allgäuer vom TSV Kottern. Noch nie sei ein Verbandstag des BFV so undiszipliniert abgelaufen, schimpft am Ende Verbandspräsident Hans Huber. Der Egoismus habe gesiegt.

Eine Liga unter dem FC Bayern

Dem TuS Raubling konnte das egal sein. Er gehörte 1954 zu den 42 besten Fußballteams aus Bayern. Sieben spielten in der Oberliga Süd, aus der der FC Bayern ein Jahr später absteigen musste, acht in der II. Liga Süd, aus der der TSV 1860 München gleichzeitig als Meister aufstieg. Der Neuling aus dem Inntal schlug sich eine Etage darunter, in der I. Amateurliga, wacker: 48:54 Tore und 25:27 Punkte bedeuteten Platz acht von 14 Mannschaften. Das erste Jahr war das beste von dreien, die Raubling oben blieb. 1955/56 schrammte man mit 19:29 Punkten einen Zähler am Abstieg vorbei, 1956/57 war der TuS mit 12:40 Punkten abgeschlagen Letzter. 1962 ging es sogar hinab in die A-Klasse.

Lesen Sie auch: 1. FC Traunstein war der Beste - aber nicht gut genug

1860 Rosenheim in der I. Amateurliga

Erst 1960 schaffte wieder einer der heimischen Vereine den Aufstieg in die I. Amateurliga Süd: Pünktlich zum 100-jährigen Vereinsjubiläum setzte sich der TSV 1860 Rosenheim in drei (!) Spielen um die oberbayerische Bezirksmeisterschaft – jeweils vor mehr als 3500 Zuschauern – gegen die TSG München-Pasing durch: 3:1 zuhause, 1:5 auswärts – und 2:0 im Entscheidungsspiel auf neutralem Platz in Weilheim. Doch im Jahr darauf ging es für die „Sechziger“ als Drittletzter schon wieder eine Klasse tiefer. 1962 feierte Wacker Burghausen mit dem Titel in der II. Amateurliga seinen bis dahin größten Erfolg, scheiterte aber in den Aufstiegsspielen am FC Wacker München.

Ein Jahr später, 1962/63, war wieder 1860 Rosenheim an der Reihe – und wie: In 14 Heimspielen holte der Traditionsklub 14 Siege, 47:9 Punkte waren acht Zähler mehr als der FC Deisenhofen. Die Bayernliga, wie die höchste bayerische Spielklasse nun hieß, war damit aber nicht drin. Denn 1963 startete die neue Bundesliga, und das Ligensystem darunter wurde völlig neu geordnet. Aus der Oberliga Süd wurde die Regionalliga Süd, und die Bayernliga umfasste nach zehn Jahren endlich wieder ganz Bayern. Als neue vierte Liga hatte der BFV die Landesliga eingezogen, in drei Gruppen, mit Rosenheim als Gründungsmitglied.

Traunstein unter den Top-Drei der II. Amateurliga

Als solches durfte sich eigentlich auch der 1.FC Traunstein fühlen, der in der II. Amateurliga Dritter geworden war. Doch dann protestierten die Schwaben erfolgreich, dass sie in der neuen Landesliga Süd mit vier Plätzen abgespeist werden sollten, während die – zahlen- und klassemäßig freilich weit überlegenen – Oberbayern sechs bekommen sollten. Das Ende vom Lied: Die Chiemgauer mussten am 20. Juli – weit nach Saisonende – zu einem Entscheidungsspiel gegen die Sportfreunde Pasing 03 ran, und verloren sang- und klanglos mit 0:3.

1953/54: Trostberger Comeback

Zurück ins Weltmeister-Jahr 1954: Hinter dem TuS Raubling ging es in der II. Amateurliga eng zu wie nie. Der 1.FC Traunstein hatte als Vizemeister gerade mal fünf Punkte mehr als der SV Wasserburg, der als Zehnter nach einer dramatischen Aufholjagd um einen Zähler am Abstieg vorbeischrammte. In der A-Klasse schaffte der TSV Trostberg den Wiederaufstieg, wenngleich ihm Wacker Burghausen lange auf den Fersen blieb. Die Aufstiegsrunde war keine Hürde für den TSV, weil nach Raublings Sprung in die I. Amateurliga alle sechs A-Klassen-Meister aufrückten. Es dürfte die A-Klasse mit der größten Ausdehnung aller Zeiten gewesen sein. Fast 150 Kilometer sind es von Pfarrkirchen nach Kiefersfelden, rund 120 von Ebersberg nach Berchtesgaden. Doch in zwei Gruppen wurde erst 1967 wieder gespielt.

1954/55: Verprügelt und beleidigt

Die zehnte Saison seit Kriegsende verlief – abgesehen von Raubling – eher unspektakulär für die heimischen Spitzenvereine. Neuötting, Wasserburg, 1860 Rosenheim und Traunstein drängelten sich zwischen Platz fünf und acht in der II. Amateurliga, und auch Trostberg schaffte den Klassenerhalt. Letztlich gab es gar keinen Absteiger – und daran waren indirekt die Rosenheimer schuld. Denn der TSV Wolfratshausen konnte vor dem Heimspiel (!) gegen die Sechziger keine Spielerpässe vorlegen – und verlor die Punkte aus dem 2:1 in einem umstrittenen Sportgerichts-Urteil. Die salomonische Lösung: Die beiden II. Amateurligen wurden von zwölf auf 15 Vereine aufgestockt. Für A-Klassen-Meister Wacker Burghausen hätte es aber auch so zum Aufstieg gereicht. Sieben Punkte lag er am Ende der Saison 1954/55 vor Berchtesgaden und schloss die Aufstiegsrunde als Dritter hinter den Amateuren des FC Bayern und den SF Pasing 03 ab.

Ohne Kuriositäten ging es aber nicht ab:

Durch den Burghauser Aufstieg hätten alle drei B-Klassen-Meister in die A-Klasse aufrücken können. Doch der SV Chieming hatte in der – letztlich wertlosen – Qualifikation solche Prügel bezogen (2:6 und 1:7 gegen Altötting, 2:6 und 1:3 gegen Grafing), dass er dankend verzichtete. Dadurch bekamen im August 1955, kurz vor Beginn der neuen Saison, plötzlich die Vizemeister der B-Klassen und der Vorletzte der A-Klasse noch eine Chance. TuS Töging hieß der Glückliche, der den SV Bruckmühl im letzten von drei Spielen vor 1800 Fans in Trostberg mit 4:2 aus dem Rennen warf.

Spielabbruch durch eine „parteiische Schiedsrichterleistung“

Die Nerven hatten bei den Mangfalltalern schon in der A-Klasse blank gelegen: In Burghausen gingen sie beim Stand von 1:4 „wegen parteiischer Schiedsrichterleistung“ vorzeitig vom Feld. Auch der TuS Prien verursachte einen Spielabbruch. Beim 1:2 gegen den ESV Rosenheim weigerte sich ein Priener nach einem Platzverweis einfach zu gehen – worauf der Unparteiische kurzerhand abpfiff.

Erinnern Sie sich an Ihre besonderen Fußball-Erlebnisse aus den Nachkriegsjahren? Waren Sie vielleicht bei einem der beschriebenen Spiele dabei? Erzählen Sie uns davon: OVB Heimatzeitungen, Redaktion Sport in der Region, Hafnerstraße 5-13, 83022 Rosenheim. Oder per E-Mail an sport@ovb.net.

Ende der Serie

-

Kommentare