Eine Erfolgsgeschichte

„Wasserburg ist meine sportliche Liebe“ – TSV-Kapitänin Svenja Brunckhorst will zu Olympia

Nicht aufzuhalten: Wasserburgs Kapitänin Svenja Brunckhorst (Mitte).
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Nicht aufzuhalten: Wasserburgs Kapitänin Svenja Brunckhorst (Mitte).
  • vonLeon Simeth
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Im Alter von zehn Jahren ist die geborene Rotenburgerin Svenja Brunckhorst mit ihrer Familie nach Wasserburg an den Inn gezogen. Heute ist die 29-Jährige das Aushängeschild der Basketballmannschaft TSV Wasserburg und hat einen großen Teil zu der Erfolgsgeschichte in den letzten Jahren beigetragen.

Wasserburg – Im Alter von zehn Jahren ist die geborene Rotenburgerin Svenja Brunckhorst mit ihrer Familie nach Wasserburg an den Inn gezogen. Heute ist die 29-Jährige das Aushängeschild der Basketball-Bundesligamannschaft TSV Wasserburg und hat einen großen Teil zu der Erfolgsgeschichte in den letzten Jahren beigetragen. Jetzt sucht Svenja Brunckhorst eine neue Herausforderung und will sich mit der Nationalmannschaft des Deutschen Basketball-Bundes im 3X3-Basketball für die Olympischen Spiele in Tokio qualifizieren. Warum sie sich für diesen Weg entschieden hat, ob sie danach wieder für den TSV Wasserburg spielen wird und was sie mit Wasserburg verbindet, verrät Svenja Brunckhorst im Interview mit der OVB-Sportredaktion.

Was genau ist die Basketball-Spielart 3X3?

Svenja Brunckhorst: Beim 3X3 wird nur auf einen Korb und – wie der Name schon sagt – mit drei Feldspielern pro Mannschaft gespielt. Es ist eine sehr junge Sportart die, wie ich glaube, vor allem zum Zuschauen lukrativer ist, da meistens draußen an coolen Orten gespielt wird. Man braucht dazu keine Halle, sondern muss einfach einen Korb hinstellen. Gespielt wird nur zehn Minuten oder, bis eine Mannschaft 21 Punkte erzielt. Körbe zählen hierbei nur einen Punkt, Treffer von außerhalb des Halbkreises zwei. 2021 ist das 3X3 auch zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen dabei.

Spielen auf der Reeperbahn oder am Rheinufer

Was für coole Orte zum Beispiel?

Brunckhorst: Ich habe schon Turniere in Hamburg auf der Reeperbahn und in Köln am Rheinufer gespielt.

Wie sind Sie dazu gekommen und seit wann trainieren Sie 3X3?

Brunckhorst: Mein erstes 3X3-Turnier waren 2019 die ‚European Games‘ im weißrussischem Minsk und da habe ich ein wenig Blut geleckt. Das Spiel ist anders, als das normale Basketball. Am meisten gepackt hat mich eigentlich der Event-Faktor. Bei den Turnieren ist den ganzen Tag was los, es sind DJs vor Ort und zwischen den Spielen sind immer irgendwelche Shows.

Was ist für Sie der größte Unterschied im Vergleich zum normalen Basketball?

Brunckhorst:Es ist nicht so taktisch, sondern basiert eher auf den Fähigkeiten, den sogenannten ‚Skills‘. Man geht zurück auf die Sachen, die man damals im Streeball-Court gelernt hat. Beim Fünf-gegen-Fünf hast du einen Match-Plan und kannst zur Not etwas umstellen. Beim 3X3 darf man nicht lange überlegen, sondern einfach machen. Es gibt natürlich auch Taktik, aber im Endeffekt kommt es darauf an, wer die Eins-gegen-Eins Situationen gewinnt.

Bundeswehr-Grundausbildung, Europameisterschaft und dann 3X3-Vorbereitung

Engagiert am Spielfeldrand: Svenja Brunckhorst mit Trainerin Sidney Parsons.

Wann geht es für Sie mit dem Training los?

Brunckhorst: Ich ziehe an diesem Wochenende nach Hannover. Da ich in der Spitzensport-Fördergruppe der Bundeswehr bin, muss ich noch eine Grundausbildung absolvieren, mit der es am kommenden Montag losgeht. Danach spiele ich mit der Nationalmannschaft noch die Qualifikation zur Europameisterschaft, aber im Fünf-gegen-Fünf. Ab Anfang Februar geht es in Hannover dann komplett mit dem 3X3-Training los.

Sie müssen dann beide Modi mehr oder weniger gleichzeitig machen. Bringt Sie das durcheinander?

Brunckhorst: Nein, das ist auf jeden Fall machbar. Ich habe mir das ja auch ausgesucht. Gerade die Nationalmannschaft ist für mich schon immer ein ganz wichtiges Thema gewesen und wir haben eine große Möglichkeit, uns für die EM zu qualifizieren und da will ich auch dabei sein. Es ist auch so geregelt, dass ich beides machen kann. Irgendwann muss ich mich wahrscheinlich entscheiden, weil sich beides dann überschneidet, aber im Moment geht es noch.

Für was werden Sie sich entscheiden?

Brunckhorst: Der Fokus liegt dann natürlich erst einmal auf Olympia.

Rückkehr zu Wasserburg nicht der Plan, aber möglich

Werden Sie danach auch wieder ins Fünf-gegen-Fünf einsteigen?

Brunckhorst: Das wird sich auf jeden Fall zeigen. Ich bin jetzt auch nicht mehr die Jüngste und mache das schon ziemlich lange. Von dem her kann ich mir schon vorstellen, dass das Spiel gegen Hannover am vergangenen Mittwoch vielleicht das letzte Heimspiel für Wasserburg gewesen ist. Andererseits kann ich mir vorstellen auch wieder für Wasserburg zu spielen, aber in der nächsten Zukunft ist das Kapitel erst einmal abgeschlossen.

Wie war die Verabschiedung am Mittwoch?

Brunckhorst:Es war ein bisschen schwierig, da wir nicht wussten, ob es wirklich das letzte Spiel ist, da ich erst am Tag darauf Bescheid bekommen habe, dass es am Montag losgeht. Es war aber sehr schön und alle haben sehr warme Worte gefunden. Ich habe auf die schöne, lange Zeit bei Wasserburg zurückgeblickt und mich bei allen Anwesenden dafür bedankt.

Zeigt, wo es lang geht: Schon mit 18 Jahren übernahm Svenja Brunckhorst Verantwortung im Team.

Wäre es Ihr Wunsch, sich – wenn es irgendwann wieder möglich sein sollte – in der vollen Badria-Halle vor Publikum zu verabschieden?

Brunckhorst: Natürlich. Es ist sehr schade, sich so verabschieden zu müssen. Die Fans sind auch ein großer Teil der Wasserburger Basketball-Historie. Die sind da alle irgendwie ein bisschen positiv verrückt (lacht). Für mich gibt es nichts Schöneres, als in der vollen Badria-Halle zu spielen, daher hätte ich mich auch sehr gerne bei allen Fans für diese schöne Zeit bedankt.

„Wasserburg ist wie eine Familie“

Was macht Wasserburg für Sie so besonders?

Brunckhorst: Die Menschlichkeit und gegenseitige Unterstützung. Es ist auch wie eine große Familie und man kennt sich untereinander: Zum Beispiel trifft man die gleichen Leute erst bei Einkaufen, dann beim Fußballspiel der Löwen und dann unterstützen sie uns in der Badria-Halle. Außerdem ist Wasserburg eine schöne Stadt.

Und sportlich gesehen?

Brunckhorst: Es war eine großartige Zeit und der TSV bedeutet mir sehr viel. Für mich hat das Gesamtkonzept immer gepasst und daher hat es mich auch immer wieder hier her zurückgezogen. Außerdem waren wir sehr erfolgreich und hatten auch unglaublich gute Jahre. Der TSV hat einen riesigen Anteil an meinem Leben, ist mein Heimatverein und meine sportliche Liebe. Ich habe dem Verein und auch meinen Trainern – Hansi Brei, Georg Eichler, Basti Wernthaler und jetzt Sidney Parsons – viel zu verdanken.

Welcher Erfolg war für Sie der bedeutendste?

Voller Einsatz: Für Svenja Brunckhorst (am Ball) war die Nationalmannschaft immer ein wichtiges Thema.

Brunckhorst: Natürlich die allererste Meisterschaft, bei der ich dabei sein durfte, war sehr prägend. Da bin ich aber hauptsächlich auf der Bank gesessen und habe in der Finalrunde überhaupt nicht gespielt. Da habe ich mir gedacht, ich möchte auch irgendwann eine Spielerin sein, die zum Schluss auf dem Spielfeld ist und einen entscheidenden Einfluss auf den Sieg der deutschen Meisterschaft hat. Das war dann, als ich in der Saison 2012/13 aus Freiburg zurückgekommen bin, der Fall. Ich habe in einer sehr guten Mannschaft einen Stammplatz bekommen und dabei geholfen die Meisterschaft zu holen. Das war für mich der bedeutendste Erfolg, da ich zum ersten Mal wirklich Einfluss darauf hatte.

Svenja Brunckhorst (links) zeigt es an: Die Meisterschaft 2015 war ihre dritte in Folge mit dem TSV Wasserburg. Rechts Emma Cannon und Nicole Romeo (Mitte).

„Der Wechsel nach Freiburg war damals genau die richtige Entscheidung“

Sie haben jeweils ein Jahr in Freiburg, Spanien und Frankreich gespielt. Wie ordnen Sie diese Stationen ein?

Brunckhorst: Der Wechsel nach Freiburg war damals genau die richtige Entscheidung. Ich war damals 18 Jahre alt und Freiburg war ein extremer Ausbildungsverein, der viel auf Jugendspieler gesetzt hat. In Wasserburg waren die meisten Spielerinnen knapp zehn Jahre älter als ich. Daher wollte ich ein paar gleichaltrige Spielerinnen um mich herum haben. Außerdem wollte ich den Ruf der kleinen Jugendspielerin ‚Svenni‘ wegbekommen und zeigen, dass ich nicht mehr die Kleine bin, sondern die, die Nationalspielerin werden will.

Und dann kamen Sie schon nach einem Jahr wieder zurück.

Warme Worte und Umarmungen für Svenja Brunckhorst nach dem Mittwoch-Spiel gegen Hannover.

Brunckhorst: Nach diesem Jahr ist Basti Wernthaler in Wasserburg als Trainer eingestiegen und hat viele Nationalspielerinnen geholt. Daher war es relativ klar, dass ich diese neue Ära mitaufbauen möchte. Nachdem ich dann meinen Bachelor fertig gemacht habe, bin ich 2016 jeweils ein Jahr nach Spanien und nach Frankreich gegangen. Eigentlich wollte ich auch ein Jahr nach Italien, da es so etwas wie ein Ziel war, in diesen drei Ländern zu spielen. In Frankreich habe ich viel gelernt und gesehen. Das waren schöne Jahre, aber am Ende hat es mich wieder nach Wasserburg gezogen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich auch nach der Zeit in Hannover wieder hier her zurückkommen werde.

Zahlreiche Titel auf dem Konto

In ihrer bisherigen Basketball-Karriere kann Svenja Brunckhorst einige Erfolge vorweisen. Die meisten davon hat sie in ihrer Zeit beim TSV Wasserburg geholt. Mit den Innstädterinnen wurde die 29-Jährige 2008, 2011, 2013, 2014, 2015 und 2016 Meisterin der Damen-Basketball-Bundesliga. In den Jahren 2011, 2014, 2015 und 2016 gewann sie mit dem TSV Wasserburg auch noch deutschen Pokal. Seit 2013 ist Svenja Brunckhorst auch in der deutschen Nationalmannschaft eine wichtige Stütze und stieg auch dort zur Kapitänin auf. Im 3X3-Basketball wurde sie im Jahr 2019 deutsche Meisterin.

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